“Die Rücktrittskultur wird hier nicht gelebt”

Vorarlberg / 06.02.2017 • 21:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Leiter meint, die SPÖ müsse sich verjüngen. Foto: VN/Hofmeister
Leiter meint, die SPÖ müsse sich verjüngen. Foto: VN/Hofmeister

Bludenzer Vizebürgermeister Leiter will spätestens 2020 Stadtchef werden.

Bludenz. Am Montagabend wurde Mario Leiter zum neuen Bludenzer SPÖ-Chef gewählt. Im VN-Interview legt er Bürgermeister Katzenmayer den Rücktritt nahe, ärgert sich über die Vorgangsweise der ÖVP und spricht über seine politischen Ziele.

Die ÖVP in Bludenz hat ihr Personal und damit den Stadtrat geändert. Ihre Meinung dazu?

Leiter: Es obliegt jeder Fraktion, ihre Mannschaft so zu stellen, wie sie meint. Die ÖVP hat in den letzten eineinhalb Jahren achtmal gewechselt, da kann sich niemand richtig einarbeiten. Politik braucht aber Kontinuität. Und nicht nur parteipolitische Postenschacherei.

Hat die Rochade mit der bevorstehenden Entscheidung über die Ermittlungen nach der Wahlwiederholung zu tun?

Leiter: Das müssen Sie die ÖVP fragen. Eventuell werden im Hintergrund Neuwahlen vorbereitet. Aber wir wissen ja nicht, wie der Weisungsrat entscheidet.

Soll Bürgermeister Katzenmayer zurücktreten, falls es zu einer Anklage kommt?

Leiter: Das muss er selber entscheiden. Ich persönlich wüsste sofort, was ich täte. Ich hätte meine Konsequenzen schon nach der Stichwahl gezogen. Die Rücktrittskultur wird in diesem Land leider nicht so gelebt wie in anderen Staaten.

Wo sehen Sie Ihre Zukunft? In Bludenz oder im Landhaus?

Leiter: Vorarlberg wäre natürlich sehr interessant, Bludenz ist interessant, und der Bund ist es auch. Mein vorderstes Ziel ist Bludenz, ich möchte Bürgermeister werden und die Stadt in das nächste Jahrzehnt führen.

Ist die SPÖ in Vorarlberg derzeit mehrheitsfähig?

Leiter: Sie wird ihr Programm umstellen müssen. Wir haben verkannt, dass Menschen in Zukunft nicht mehr Parteien wählen. Es geht nur noch um Personen, um Teams, um Menschen, die vorne dran sind. Wir brauchen eine Verjüngung der Partei mit authentischen Kandidaten mit Handschlagqualität.

Trifft das auf das aktuelle Führungstrio zu?

Leiter: Das kann ich nicht beurteilen, ich habe mich wirklich nur intensiv mit der Stadt Bludenz beschäftigt.

Als neuer Stadtparteichef rücken Sie in den Landesparteivorstand auf. Wären Sie auch bereit, als Obmann zu kandidieren?

Leiter: Es gibt nicht einmal eine Anfrage, weder aus dem Land noch aus dem Bund. Mein Ziel ist Bludenz.

Würden Sie dem Ruf folgen?

Leiter: Ich würde sicher mit allen reden, ich habe mich noch nie gegen Neues verschlossen. So wie ich es derzeit mitbekomme, möchte Gabi Sprickler-Falschlunger bleiben. Und da hat sie meine volle Unterstützung.

Sie wollen also Bürgermeister werden. Was hätten Sie anders machen sollen, um schon 2015 dieses Ziel zu erreichen?

Leiter: Wenn man alles gewusst hätte, was bei der Wahl passiert ist, hätte man das transportieren sollen. Jetzt bin ich in der Opposition. Da lernt man schnell, Kompromisse einzugehen. Ich versuche, persönliche Befindlichkeiten hintanzustellen und die Sache in den Vordergrund zu rücken. Schlimm wird es, wenn sich Politiker über Medien Negatives ausrichten.

Das machen Sie auch gerade.

Leitner: Moment! Der Bürgermeister hat mir am Samstagabend um acht Uhr mitgeteilt, dass es eine Umbildung gibt und dass ich nicht mehr Jugendstadtrat bin. Als ich angefangen habe, hat er abgelehnt, den Jugendkoordinator nachzubesetzen. Ich habe mit wenig Ressourcen tolle Arbeit geleistet, einen Slacklinepark entwickelt, Ohrenschmaus eingeführt, Woodrock neu aufgestellt. Nun kommt ein Anderer, ohne jegliche Absprache. Das finde ich nicht richtig. Das ist respektlos.

Zur Person

Mario Leiter,

Bludenzer Vizebürgermeister, neuer SPÖ-Stadtparteichef.

Geboren: 27. Juli 1965

Beruf: Stadtpolizei Bludenz

Familie: verheiratet, ein Sohn

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