Ohne Qual der Wahl zur Urne

Vorarlberg / 30.03.2017 • 20:34 Uhr
Führen die Listen an (v.l.): Hermann Blaßnig (angestellte Ärzte), Michael Jonas und Burkhard Walla (niedergelassene Ärzte). Foto: vn/Steurer
Führen die Listen an (v.l.): Hermann Blaßnig (angestellte Ärzte), Michael Jonas und Burkhard Walla (niedergelassene Ärzte). Foto: vn/Steurer

Bei der Ärztekammerwahl  wird es wieder nur eine Gemeinschaftsliste geben.

Dornbirn. Kein Scherz: Am Samstag, 1. April, sind rund 1570 Ärztinnen und Ärzte aufgerufen, ihre Standesvertretung neu zu wählen. An der Spitze der Gemeinschaftsliste gibt es keine Veränderungen. Die Kurie der angestellten Ärzte (18 Mandate) führt der Chirurg Hermann Blaßnig an. Die niedergelassenen Mediziner (elf Mandate) steigen mit dem amtierenden Präsidenten Michael Jonas und seinem Stellvertreter Burkhard Walla in den Ring.

Lohnt es sich bei einer Gemeinschaftsliste überhaupt, zur Wahl zu gehen?

Jonas: Selbstverständlich, weil die Kollegen uns mit ihrer Beteiligung den Rücken stärken und bestätigen, dass wir gut gearbeitet haben. Diesbezüglich bin ich aber zuversichtlich, denn ich glaube, dass wir eine sehr erfolgreiche Kammerperiode hinter uns haben.

Walla: Es besteht zwar keine Auswahl, aber die Wahl ist trotzdem eine Wahl, und ich denke auch, dass es ein sichtbares Zeichen nach außen ist, dass die Kollegen einverstanden sind mit dem, was wir machen. Die Kritik, dass es nur eine Liste gibt, ist letztendlich keine Kritik an uns. Wir kandidieren, und es steht jedem anderen Kollegen ebenfalls frei, das zu tun.

Blaßnig: Ich kann mich den Worten meiner Vorredner nur anschließen. Im Übrigen fällt mit einer Gemeinschaftsliste die Qual der Wahl weg. Aber Spaß beiseite. Es kann jeder, der meint, etwas verbessern zu wollen oder zu müssen, eine Liste gründen und antreten.

Wie schätzen Sie die Wahlbeteiligung ein?

Jonas: Wir hatten schon bei der letzten Wahl eine Gemeinschaftsliste. Damals lag die Wahlbeteiligung bei 55 Prozent. Schauen Sie sich die Bundesländer mit 17 und mehr Listen an, die haben eine Wahlbeteiligung von knapp über 50 Prozent. Auch im Vergleich zu Arbeiterkammer- und Wirtschaftskammerwahlen ist unsere Wahlbeteiligung sensationell gut. Wobei ich natürlich noch nicht sagen kann, wie sie diesmal ausfallen wird.

Gibt es eine Verjüngung auf der Gemeinschaftsliste?

Jonas: Ja natürlich. Es sind einige ältere Kollegen ausgeschieden, dafür kommen ziemlich viele junge Ärzte und Ärztinnen nach. Wir haben jedoch nicht nur auf junge und engagierte Kolleginnen bzw. Kollegen auf der Liste geachtet, sondern auch darauf, dass der vorhandene Erfahrungsschatz weitergegeben wird und vor allem auch dem steigenden Frauenanteil entsprechend Rechnung getragen. Die Kolleginnen zeigen heute Gott sei Dank mehr Bereitschaft zur Mitarbeit in der Kammer als früher.

Sie haben unter anderem das Ziel ausgegeben, die hohe Versorgungsqualität zu sichern. Was heißt das konkret?

Walla: Unsere Versorgung ist wirklich sehr gut. Wir haben eine sehr personenbezogene Medizin, wir können alles, was gut und teuer ist und nachgewiesenermaßen wirkt, in der Regel einsetzen. Wir verfügen über ein gutes Versicherungssystem, also insgesamt über ein Versorgungsniveau, das sich weltweit sehen lassen kann. Das muss abgesichert werden. Es passieren viele Veränderungen, die das Gesundheitssystem eher gefährden, zum Beispiel Medikamentenbegrenzungen oder Zentralisierungsbestrebungen.

Braucht es aber nicht irgendwann die Diskussion über das noch Leistbare?

Blaßnig: Diese Diskussion muss die Gesellschaft führen. Da sind wir nur Impulsgeber, aber nicht die Entscheider.

Was halten Sie von Kassenzusammenlegungen?

Jonas: Wir plädieren für Vielfalt statt Einfalt. Gerade in Vorarlberg konnten im niedergelassenen Bereich einige Impulse gesetzt werden, die österreichweit beispielgebend sind, wie das Dringlichkeitsterminsystem oder die Vorsorgekoloskopie. Wir haben ein Pionierfeld, auf dem wir Maßnahmen im Sinne einer besseren Versorgung ausprobieren können.

Wo liegen die größten Herausforderungen für die neue Kammerperiode?

Jonas: In der Sicherung des ärztlichen Nachwuchses. Um das hohe Niveau zu halten, brauchen wir ausreichend Ärzte und Pflegekräfte. Beides ist in Europa zunehmend Mangelware.

Was kann die Ärztekammer dazu tun?

Jonas: Die Ärztekammer kann nicht viel mehr tun, als für das Medizinstudium zu werben und immer wieder auf das schlechte Auswahlsystem aufmerksam zu machen. Mangel entsteht auch, wenn Arbeits- und Strukturbedingungen nicht passen. In Vorarlberg sind zumindest die Strukturbedingungen deutlich besser geworden. Die sind kein Grund mehr, hier nicht zu arbeiten. Das Finanzielle wird immer ein Problem darstellen, weil die Schweiz sehr viele Ärzte absaugt. Es genügt auch nicht, die Menschen mit Werbemitteln ins Land zu holen. Wir müssen aktiv auf die Studenten zugehen und das schon an den Universitäten. Mit LR Christian Bernhard, der KHBG und der Stadt Dornbirn sind wir dabei, einen Termin zu organisieren. Diese Maßnahme ist ein Gebot der Stunde.

Wird es nach der konstituierenden Sitzung am 24. April wieder einen Ärztekammerpräsidenten Michael Jonas geben?

Jonas: Ich glaube schon.