Die allerunglaublichste Geschichte

07.04.2017 • 17:38 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Der Palmsonntag zählt zu den bestbesuchten Gottesdiensten des Jahres. Die Palmbuschen erinnern an den Empfang für Jesus in Jerusalem.  Kath
Der Palmsonntag zählt zu den bestbesuchten Gottesdiensten des Jahres. Die Palmbuschen erinnern an den Empfang für Jesus in Jerusalem. Kath

Die kommende Karwoche spannt den Bogen von Triumph über Ablehnung und Tod zur Auferstehung.

Schwarzach. ™ Die Frage, was wohl mit all den unverkauften Schokoladehasen nach Ostern geschieht, ist gewiss bedeutend. Aber sie steht nicht im Zentrum des Osterfestes.

Das größte Fest der Christenheit erinnert seit 2000 Jahren an ein und dieselbe Geschichte. Gott, der mit den Menschen eine ganz wechselvolle, mal schöne, mal wüste Geschichte hat, lässt sich eines Tages ganz auf ihr Schicksal ein. Er wird Mensch mit allen Konsequenzen, ja lässt sich sogar töten. Aber er behält das letzte Wort und gebiert aus dem Tod neues, ewiges Leben. Das ist die Geschichte. Die allerunglaublichste Geschichte der Welt. Auch wenn die Bibel heute in rund 2000 Sprachen rund um den Erdball gelesen wird, hat sich ihr Inhalt nicht verändert. Journalisten, die tagtäglich um die Gunst des Publikums buhlen, könnte der Neid fressen.

Sohn eines Zimmermanns

Die Geschichte beginnt in einem entlegenen Winkel der Weltgeschichte. Mit römischen Augen betrachtet war dieses Galiläa völlig unbedeutend. Eine Randprovinz, in der es nichts als Ärger gab. Es gärte unter den Bewohnern. „Nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil“, schreibt der Münchner Theologe Jörg Lauster in seiner Kulturgeschichte des Christentums, „hatten die Juden keine Möglichkeit mehr zur politischen Gestaltung des eigenen Landes.“ Also fast 500 Jahre lang. Was lange Fremdherrschaft anrichten kann, das wissen die Polen und die Balten, die Länder des ehemaligen Osmanischen Reiches und jedes Volk, das sich einmal als Kolonie hat beugen müssen.

In dieser Zeit macht der junge Jesus aus Nazareth rasch Furore. Würde der Zimmermannssohn es sein, der das Volk Israel in die Freiheit führt? Er kommt irgendwann zwischen den Jahren 4 und 6 zur Welt. Als Pontius Pilatus römischer Statthalter wird, beginnt Jesus zu predigen. Er verkündet das „Reich Gottes“. Und er wirkt Wunder. Er wandert nur wenige Jahre übers Land. Aber viele folgen ihm. Und als er in Jerusalem einzieht, bereiten ihm die Menschen einen rauschenden Empfang. Das ist der erste Palmsonntag der Weltgeschichte. Von da an hatte er nur noch fünf Tage zu leben.

Er hatte den Bogen überspannt. Die jüdischen und römischen Autoritäten mussten handeln, wenn sie keinen irreversiblen Imageschaden erleiden wollten. Sie deuteten das „Reich Gottes“ als akute Gefährdung. Dabei war es die Mutter aller Träume einer besseren Welt. Mehr noch. Dieser Jesus lebte, was er predigte. Und das provozierte. Ob er religiöse Regeln zurechtstutzte oder die Händler aus dem Tempel prügelte – dieser Mann war ein Ärgernis. Deshalb folgten Verrat, Prozess und Hinrichtung.

Damit hätte alles enden können. Dann wüssten wir heute nichts davon. Aber stattdessen erleben die Wegbegleiter Jesu etwas so Unglaubliches, dass sie es nicht in Worte kleiden können: Derjenige, der ihnen nach dem Tod des Gekreuzigten unvermittelt gegenübertritt, ist ganz und gar dieser Jesus. Er lebt, aber irgendwie anders. Er scheint Teil einer anderen Wirklichkeit, der Macht des Todes für immer entzogen. Sie halten ihn erst für den Gärtner oder irgendeinen Wanderer. 40 Tage lang begegnet der Auferstandene seinen Weggefährtinnen und -gefährten, so erzählt die Bibel. Sie haben 40 Tage lang Zeit, zu begreifen, dass der Prediger, dem sie gefolgt sind, Gottes Sohn ist. Deshalb endet das Osterfest auch erst nach 40 Tagen mit Christi Himmelfahrt.

Der Schokoladehase am Sonntagmorgen ist gewiss ein Hochgenuss. Aber angesichts eines Festes, das eigentlich 40 Tage dauert, greift er dann doch etwas zu kurz.

Was in der Karwoche geschieht

Palmsonntag: Nach dem übereinstimmenden Bericht aller vier Evangelien zieht Jesus feierlich in Jerusalem ein. Er reitet auf einem jungen Esel in die Stadt. Das Volk begrüßt ihn wie einen König. (Markus 11,1-11).

Montag: Jesus vertreibt die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel. Er provoziert die Priester. Aber noch fürchten sie seine Beliebtheit beim Volk. (Markus 11,15-19).

Dienstag: Jesus lehrt im Tempel. Er stellt sich den Fragen der Schriftgelehrten, weicht geschickt aus und entwirft in gewaltigen Bildern noch einmal seine Lehre und das bevorstehende Ende. (Markus 12-13).

Mittwoch: Salbung in Bethanien, Jesus sagt seinen Tod voraus. (Markus 14,3-9). Judas kommt mit den führenden Priestern überein, Jesus zu verraten (Markus 14,10-11).

Donnerstag (Gründonnerstag): Das letzte Abendmahl mit den zwölf Aposteln im Obergeschoß eines Hauses in Jerusalem. Danach nimmt Jesus die Jünger mit in den Garten Getsemani, um zu beten. Jesus wird verhaftet, nachdem Judas ihn mit einem Kuss verraten hat (Matthäus 26,17-56).

Karfreitag: Jesus wird vor die führenden Priester gebracht (Matthäus 26,57-68), danach vor den Hohen Rat, das oberste Gericht der Juden. Anschließend wird er Pontius Pilatus vorgeführt, der ihn zu Herodes zu einem Verhör schickt (Lukas 23,1-12). Pilatus fällt schließlich das Todesurteil. Jesus wird nach Golgota gebracht und gekreuzigt (Markus 15,21-41). Nach seinem Tod wird der Leichnam vom Kreuz abgenommen und im Grab des Josef von Arimathäa, eines reichen Juden, beigesetzt (Markus 15,42-47).

Ostersonntag: Jüngerinnen von Jesus, die den Leichnam salben wollen, finden sein Grab leer vor und erfahren als Erste von der Auferstehung (vgl. Lukas 24,1-12). Die Jünger, denen sie von ihrem Erlebnis berichten, schenken ihnen keinen Glauben. Doch dann begegnen zwei von ihnen auf dem Weg zum nahe gelegenen Emmaus selbst dem auferstandenen Herrn (Lukas 24,13-35). In den folgenden Tagen begegnen auch die anderen Jünger dem Auferstandenen.