Bezirksförster fürchten um Zukunft ihrer Wälder

10.04.2017 • 17:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ein gesunder Wald ist nicht nur schön, er hat auch sehr wichtige Funktionen. Foto: VN/Hartinger
Ein gesunder Wald ist nicht nur schön, er hat auch sehr wichtige Funktionen. Foto: VN/Hartinger

Geplante Zentralisierung der Forst- und Jagdverwaltung löst Unbehagen aus.

Bregenz. Das Mitglied des Waldvereins möchte gegenüber den VN nicht namentlich genannt werden. „Die Bündelung der Handlungskompetenzen für Forst und Jagd im Land ist eine politische. Im Land kann die Jägerlobby ihre Interessen besser durchbringen, Trophäenjagden und eine damit einhergehende Wild-Überpopulation sind zu befürchten“, klagt der Wald-Liebhaber. Er will aber nicht alle Jäger in einen Topf werfen. „Es gibt viele, die brauchen keine Jagd auf Tiere mit viel Knochen auf dem Schädel. Aber diese treten dort nicht laut auf.“

Angst vor den Jägern

Der Obmann des Waldvereins Vorarlberg, Walter Amann (45), sieht die geplante Reform nicht so dramatisch. „Dass man althergebrachte Strukturen einmal auf ihre Effizienz beleuchtet und etwas Neues schafft, ist grundsätzlich nichts Falsches.“ Amann räumt ein, dass im Waldverein viele der 1000 Mitglieder anderer Meinung sind als er. Befürchtungen hegt allerdings auch er, dass die Jägerschaft zu viel Einfluss gewinnen könnte.

Ein deklarierter Gegner der geplanten Verwaltungsreform ist Karl Studer (62), Leiter der Abteilung Forst, Jagd und Fischerei an der BH Bludenz. „Es hat sich gezeigt, dass wir mit den bestehenden Strukturen unseren Auftrag sehr gut erfüllen können. Das hat uns sogar der Rechnungshof attestiert. Natürlich ist die Skepsis vorhanden, dass die Jäger mehr Einfluss gewinnen. Man wird das Schalenwild weiter reduzieren müssen. Diese Maßnahmen sind zum Schutz des Jungwaldes ja auch jagdrechtlich gedeckt. Wir haben ein forstfreundliches Jagdgesetz.“

Gesunder Wald

In den Chor der Skeptiker stimmt auch Florian Morscher (55), Bürgermeister von Klösterle, mit ein. „Ich glaube nicht, dass die Zentralisierung der Forstverwaltung und der jagdlichen Belange eine Verbesserung der Waldsituation herbeiführt. Wir im Klostertal haben uns unter anderem der TBC-Situation gestellt und gute Arbeit geleistet.“ Für einen Waldaufseher im Unterland, der nicht genannt werden möchte, ist klar: „Der gesunde Wald muss absolute Priorität haben. Die Jagd hat eine dienende Funktion. Die Forstmitarbeiter und Waldaufseher vertreten öffentliches Interesse. Dazu gehört, dass das Wild weiter reduziert werden muss. Es gibt mittlerweile einige gute Beispiele, an denen man sieht, wie sich die Reduzierung des Wildbestands gelohnt hat und dass in einem gesunden Wald Wild selbstverständlich auch Platz hat.“ Ein Verbiss durch Wild gehöre in einen Wald. Aber nicht in einem Ausmaß, dass der Wald kaputt gehe, betont der Aufseher.

In dem an den Landeshauptmann adressierten Brief halten die Förster unter anderem fest: „Aus unserer Sicht führt ein Ausbau der Forstverwaltung in der Zentralstelle zulasten der Regionen unweigerlich zu einer Zunahme des Verwaltungsaufwandes und zur Entfernung von den Bürgern bzw. Waldeigentümern.“ Was für einen gesunden Wald wichtig ist, erklärt Bodenkundler und Waldverein-Geschäftsführer Walter Fitz (45): „Es braucht eine Baumvielfalt, um möglichst viel Wasser binden und speichern zu können. Zum Beispiel die Fichte, die ein Wurzelwerk knapp unter der Oberfläche hat, nimmt nicht viel Wasser auf. Buche und Tanne hingegen schon. Gibt’s nur Fichten in einem Wald, ist das alles andere als ideal. Ein starker Wildverbiss gefährdet die notwendige Artenvielfalt.“

Förster bei Schwärzler

LR Erich Schwärzler (63) empfing gestern die besorgten Förster zu einem Gespräch. „Es war sehr konstruktiv. Ich habe mir ihre berechtigten Sorgen angehört, aber auch auf das Potenzial, das in einer strafferen Verwaltung liegt, hingewiesen. Wir werden uns in einer Arbeitsgruppe wieder zusammensetzen und die Dinge erörtern. Noch ist nichts entschieden. Ich möchte auf alle Fälle die Waldaufseher in ihren Kompetenzen stärken.“

Sogar der Rechnungshof hat unsere bestehenden Strukturen an der BH für gut befunden.

Karl Studer