Solidarität mit Obstbauern

23.04.2017 • 17:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wenn ein Eismantel pflanzliches Leben rettet: Dieser Frostschutz hielt die Äpfel und Erdbeeren von Gerold Amann unversehrt.  Fotos: Amann
Wenn ein Eismantel pflanzliches Leben rettet: Dieser Frostschutz hielt die Äpfel und Erdbeeren von Gerold Amann unversehrt.  Fotos: Amann

Nach Ernteausfall: Finanzhilfe durch Land, technische Ausrüstung als Zukunftshoffnung.

Bregenz. Die Frostnächte der vergangenen Woche haben nahezu die gesamte Obsternte sowie große Teile der Wein- und Beerenernte in Vorarlberg vernichtet – die VN berichteten. Viele Landwirte sind am Boden zerstört. Dem bereits sehr schwierigen Anbaujahr 2016 mit einem Mix aus Frost, Wasserschäden und Hagel folgte heuer die Nahezu-Katastrophe.

Am Samstag waren auch Landeshauptmann Markus Wallner (49) und Landwirtschaftslandesrat Erich Schwärzler (64) bei Betroffenen vor Ort, um sich vom Ausmaß der Schäden ein Bild zu machen. „Es ist eine dramatische Situation, so wie noch nie zuvor“, zeigte sich Schwärzler geschockt. „Bei solchen Umständen können Geschädigte rein gar nichts dafür. Wir werden den Landwirten helfen.“

Soforthilfe

Schon für heute früh ist im Land ein sogenannter „Frostgipfel“ angesetzt: Es treffen sich dabei Bauernvertreter, betroffene Landwirte, Obstbaureferent und Versicherungsexperten. „Es muss zuerst eine genaue Begutachtung der Schäden vor Ort erfolgen. Nach Klärung der Versicherungssituation müssen wir sehen, in welcher Form die Entschädigung erfolgen soll. Sicher ist: Wir wollen schnell und unbürokratisch helfen“, streicht Schwärzler heraus. Soforthilfe in puncto Beratung und Maßnahmen zur Rettung dessen, was es noch zu retten gibt, offeriert die Landwirtschaftskammer.

Präsident Josef Moosbrugger (51): „Darüber hinaus wollen wir uns auch damit auseinandersetzen, wie wir in Zukunft derartiges verhindern können. Ich denke da speziell an technische Ausrüstung wie Frostberegnungsanlagen.“

Schutz durch Eis

Einer, der über eine Frostberegnungsanlage verfügt und deshalb nahezu alle Äpfel und Erdbeeren auf seiner drei Hektar großen Anbaufläche retten konnte, ist der Koblacher Obstbauer Gerold Amann (55). Ein Frostmelder zeigt ihm an, wann er die Besprenkelung aktivieren soll. „Innerhalb einer halben Stunde bildet sich dann um die Blüten und Triebe eine Eisschicht und schützt die Pflanze“, erklärt Amann. Fazit: „Mit Ausnahme von ein paar Bäumen und Pflanzen ganz am Rand habe ich keine Schäden festgestellt.“ Amann besitzt seine Frostberegnung schon 30 Jahre und hat sie in dieser Zeit immer wieder erneuert. Jetzt überlegt auch der größte Apfelanbauer im Land, Jens Blum (51), die Installierung einer solchen Anlage.

Ganz unkompliziert ist eine solche Vorrichtung freilich nicht. „Sie braucht sehr viel Wasser“, weiß Amann. „Bei meiner sind es rund 150.000 Liter pro Stunde.“ Was bedeutet: Bei den Obstanlagen müsste man vielfach neue Wasserbrunnen schlagen.

Schäden überall

Dass es in der vergangenen Woche auch in Vorarlberg dramatisch werden würde, war schon nach den Wetterprognosen klar. Dennoch hofften die Bauern, dass der Frost nicht so extrem würde wie angekündigt. Diese Hoffnungen zerschlugen sich. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt ließen den meisten Kulturen keine Chance. Besonders bitter für die Obstbauern: Im Gegensatz zu den Gemüse-Landwirten, die mehrere Ernten in einem Jahr einfahren können, gibt es für sie nur eine Ernte. Ist die zerstört, gibt es ein Jahr lang keinen Ertrag.

Dramatisch war die Situation auch in vielen anderen Teilen Österreichs und Europas. „Ich weiß von großen Obstbauanbaugebieten in Europa, dass es auch dort riesige Schäden gab. Mal sehen, wie der Markt heuer mit Obst bedient werden kann“, sinniert Ulrich Höfert (54), Obstbaureferent der Landwirtschaftskammer.

Meine Anlage braucht pro Stunde 150.000 Liter Wasser.

Gerold Amann

Obst in Vorarlberg

Steinobst: 39 Tonnen

Äpfel: 735 Tonnen

Beerenobst: 184 Tonnen

Birnen: 968 Tonnen

Wein: 50 Tonnen