Ein akzeptiertes Phänomen

Im Kampf gegen Nikotin sieht Bernhard überzeugte Junge als wichtigste Botschafter.
Bregenz. In Österreich wird ein allgemeines Rauchverbot im öffentlichen Raum erst 2018 manifest. Bei Jugendlichen soll das Alter demnächst von 16 auf 18 angehoben werden, so der Plan nicht Opfer der zerfallenden Koalition auf Bundesebene wird. Für Gesundheitslandesrat Christian Bernhard ist diese Maßnahme dennoch ein wichtiges Zeichen, wie er anlässlich des heutigen Weltnichtrauchertags meint.
Haben Sie jemals geraucht, Herr Landesrat?
Bernhard: Während meiner Studienzeit gab es einmal eine mehrwöchige Phase des Rauchens.
Sind sie ganz einfach wieder weggekommen vom Glimmstängel?
Bernhard: Das war keine Schwierigkeit.
Laut Gesundheitsministerium sterben in Österreich jährlich rund 14.000 Menschen an den direkten und indirekten Folgen des Rauchens. Warum rütteln solche Zahlen nicht auf?
Bernhard: Weil Rauchen im Laufe der Zeit zu einem allgemein akzeptierten Phänomen geworden und der unmittelbare Zusammenhang mit Beeinträchtigungen nicht gegeben ist. Denn die gesundheitsschädigenden Auswirkungen treten meist erst später auf. Und was in vielen Jahren ist, interessiert bekanntermaßen nicht so sehr wie die Gegenwart.
Müssen die vielen Anti-Raucher-Kampagnen vor diesem Hintergrund nicht als gescheitert betrachtet werden?
Bernhard: Es wird doch um Gotteswillen bei dem vielen Geld, das wir für die Prävention in diesem Bereich ausgegeben haben, etwas Nützliches dabeigewesen sein. Aber es ist leider schon so, dass die Leute die Prävention vielfach als etwas begreifen, das von Stellen kommt, die gelegentlich auch als konflikthaft empfunden werden. Prävention ist meines Erachtens dort erfolgreich, wo etwa junge Leute andere junge Leute im Sinne des Peergedankens animieren, das Rauchen sein zu lassen. Plakate waren nicht der richtige Weg. Es braucht in erster Linie überzeugte Junge, die andere ebenfalls überzeugen können. Darauf wird jetzt verstärkt gesetzt.
Nicht einmal die Schockbilder auf den Zigarettenpackungen hatten eine abschreckende Wirkung.
Bernhard: Der Mensch muss im Leben sehr viel verarbeiten und verfügt daher über entsprechende Bewältigungsmechanismen. Diese Schockbilder sind deshalb nicht abschreckend, weil der Bezug zu sich selbst nicht hergestellt wird. Denn das auf dem Bild bin ja nicht ich, das trifft einen anderen.
Nun ist Österreich bekanntermaßen eines der letzten Länder, das den Nichtraucherschutz nach langem Zögern nun doch ernsthaft in Angriff nimmt. Was hätten Sie als Gesundheitsminister anders gemacht?
Bernhard: Wenn man nicht in der tatsächlichen Situation steckt, lässt sich diese Frage schwer beantworten. Außerdem ist der Spagat ein wirklich schwieriger. Für einen Mediziner ist es in Kenntnis der Auswirkungen und seiner Überzeugung leicht zu sagen, man müsste alles verbieten. Als Realist und Politiker weiß ich aber auch, dass Politik nur dann erfolgreich ist, wenn etwas ohne Zwang abgeht. Nun haben wir vielleicht schon so etwas wie eine österreichische Seele. Wir neigen manchmal zu Speziallösungen, und wir sind beim Nichtraucherschutz tatsächlich relativ spät auf dem Weg. Dennoch glaube ich, dass die nunmehrigen Anstrengungen, wie die Einschränkung der Verfügbarkeit von Nikotin für Jugendliche bis 18, gut sind. Forderungen nach höheren Versicherungen für Raucher finde ich hingegen schlecht.
Was würden Sie sich als Mediziner wünschen?
Bernhard: Von mir aus könnte die Tabakindustrie abgeschafft werden.
Der Finanzminister hätte damit vermutlich weniger Freude. Denn der verdient am Rauchen…
Bernhard: Politik ist immer ein Handel. Und beim Rauchen muss eben so vernünftig gehandelt werden, dass in möglichst viele Köpfe schlussendlich doch die richtige Botschaft einsickert.
Wo sehen Sie Vorarlberg beim Nichtraucherschutz?
Bernhard: An Zahlen lässt sich eine konkrete Wirkung des Nichtraucherschutzes nicht ablesen. Aber wir sind in jedem Fall ein Bundesland, das von der Prävention über die Aufklärung bis hin zur stationären Raucherentwöhnung alles anbietet. Dieses breite Spektrum an Maßnahmen ist meines Wissens noch einzigartig.
Geld spielt eigentlich immer eine Rolle. Warum verfehlt es bei Zigaretten seinen Regulierungsmechanismus?
Bernhard: Das Suchtverhalten ist durch den dringenden Wunsch nach der Droge gekennzeichnet. Da spielt der Preis keine Rolle mehr.
Heute ist Weltnichtrauchertag. Können wir bald einmal darauf verzichten oder brauchen wir ihn mehr denn je?
Bernhard: Den brauchen wir in den kommenden Jahren noch ganz intensiv.
Von mir aus könnte die Tabakindustrie abgeschafft werden.
Christian Bernhard