Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

In so einer Welt

Vorarlberg / 06.06.2017 • 20:47 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Weit ist der Irrsinn gediehen, wenn wir rasch wieder zur Tagesordnung übergehen, nachdem der US-amerikanische Präsident sein Land von den Klimazielen entbunden hat. Ist es nur eine Verhaltensoriginalität mehr? Sie trägt den sattsam bekannten gefährlichen Unterton: Amerika zuerst! Das Klima ist dabei nicht einmal Statist. Trump zaubert vielmehr eine Ungerechtigkeit herbei, auf dass den USA endlich Fairness widerfahre und der Jubel der zu-kurz-Gekommenen kein Ende nehme.

Erstaunlich, diese USA waren einmal gesellschaftliche Leitwährung. Alles, was von drüben kam, schien bewundernswert. Swing, Coca-Cola und Kaugummi markierten die große Befreiung im geschundenen Nachkriegs-Europa. Heute schwappt wieder ein Trend über den großen Teich. Donald Trump erhebt den Egoismus zum obersten Prinzip. Nun ist das meteorologische Klima das eine, der sozialpolitische Klimawandel aber ist wenigstens so grausig.

In so einer Welt sagt der Unternehmer „Mein Profit zuerst“, und die Arbeiter kümmern ihn einen Dreck. In so einer Welt sagt der Harder „Mein Seeufer zuerst“ und kippt bei der nächsten Seeputzete den Müll auf die Bregenzer Seite. In so einer Welt hilft kein Schulkind mehr dem anderen, und die Gartenzäune werden bald durch Stacheldraht ersetzt. In so einer Welt schrumpfen freilich auch die Sozialbudgets. Wir brauchen das Geld dann gegen jemand anderen.

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