Gesundheit aus einem Topf

Vorarlberg / 06.08.2017 • 19:43 Uhr

Vorarlberg pflegt schon jetzt gemeinsame Finanzierung von Gesundheitsleistungen.

schwarzach. Er hat das Thema wieder aufs Tapet gebracht. Gesundheitsleistungen, die im niedergelassenen Bereich und in Spitalsambulanzen erbracht werden, sollten nach Meinung des neuen Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer, Thomas Szekeres, aus einem Topf finanziert werden (die VN berichteten). Gleichzeitig hält er dieses Ansinnen derzeit für politisch nicht durchsetzbar. Gesundheitslandesrat Christian Bernhard kann ihm da nur beipflichten. “Der Wunsch ist ein verständlicher, der Weg dorthin jedoch ein schwieriger”, meint er. Wiewohl ihm das “hin und her Schieben” ebenfalls ein Dorn im Auge ist, wird sich seinem Gefühl zufolge daran mittel- und kurzfristig nichts ändern, auch weil die vorgezogenen Nationalratswahlen den Schwung des Entscheidungsrads hemmen.

Nicht tatenlos zuwarten

Als großes Fernziel beschreibt Bernhard deshalb die Finanzierung aus einer Hand. Auch ihm wäre eine solche lieber, da sich Ausgaben besser steuern lassen, wenn das Geld nicht aus verschiedenen Quellen lukriert werden muss. Für den Gesundheitslandesrat heißt das aber auch, dass die Abstimmung und damit die Zusammenarbeit der Verantwortungsträger im Gesundheitssystem bis zu einer anderen Regelung besser werden muss. Die Finanziers in Vorarlberg wollen jedoch nicht tatenlos zuwarten. “Was auf Länderseite getan werden kann, tun wir”, verweist Christian Bernhard auf die Landeszielsteuerungskommission, über die schon jetzt gemeinsam Projekte im niedergelassenen bzw. Spitalsbereich geplant und finanziert werden. “Wir befinden uns damit auf einem guten Weg.” 

Als “Schritt in Richtung eines gemeinsamen Topfes” sieht auch der Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK), Manfred Brunner, die praktizierte Kooperation. “Auf diese Art sind bereits zahlreiche Initiativen gesetzt worden”, verweist er auf die Ärzterufnummer 141 und die Gesundheitshotline 1450, die den intramuralen Bereich, sprich die Spitalsamulanzen, entlasten sollen. Als weiteres Beispiel für das kooperative Auftreten nennt Brunner den Gesundheitsförderungsfonds und das Schmerzboard, das im niedergelassenen wie stationären Bereich zum Einsatz kommt. Aktuell wird am Aufbau der E-Medikation gearbeitet. “Die brauchen auch die Spitäler.”

Derzeit finanzieren die Sozialversicherungsträger den niedergelassenen Bereich und bezahlen einen Fixanteil für die Krankenhausambulanzen. Das führt immer wieder einmal zu Diskussionen, wo der Patient behandelt werden soll. Schließlich geht es dabei um viel Geld. Allein die VGKK bezahlt jährlich Leistungen in Höhe von rund 600 Millionen Euro. Ein Gutteil davon geht an die Krankenhäuser.

An einem Tisch

Lösungen für “offene Baustellen und Schnittstellen” müssen laut Manfred Brunner deshalb zusammen angepackt werden. “Unabhängig von Finanzierungstöpfen”, betont er. In der Landeszielsteuerungskommission werden bereits jetzt fast alle Themen abgestimmt. Dazu setzen sich jeden Freitag die Vertreter des Landes und der VGKK an einen Tisch, wo geplant und das nötige Geld aufgtrieben wird.

Was auf Länderseite zu diesem Thema gemeinsam getan werden kann, tun wir in Vorarlberg.

Christian Bernhard