“Das ist doch ein Witz, oder?”

Manuela Auer kann die Diskussion über Sozialpartner nicht verstehen.
Bregenz Manuela Auer, aktuelle ÖGB-Landesgeschäftsführerin und AK-Vizepräsidentin, ist seit November Landtagsabgeordnete der SPÖ. Und vielleicht wartet schon der nächste Karriereschritt …
Kaum sind Sie Abgeordnete, wird eine Nulllohnrunde für Politiker diskutiert. Wie stehen Sie dazu?
Auer Das ist eine zweischneidige Geschichte. Ich persönlich brauche keine Erhöhung. Als Gewerkschafterin bin ich jedoch gegen Nulllohnrunden. Aber ich verstehe das Signal. Ich bin also dafür.
Wie haben Sie Ihre erste Landtagssitzung erlebt?
Auer Es ist eine neue Aufgabe, der ich mit viel Respekt begegne. Der Sitzungsschluss nach der Sache mit der Ehe für alle war ziemlich turbulent. Ich habe eine Einstandsrunde bezahlt und die ÖVP kam nicht. Von meiner Seite aus lade ich sie gerne wieder ein. Vielleicht kellnert ja ein homosexuelles Paar (lacht).
Wie erleben Sie die aktuelle Diskussion um die Sozialpartnerschaft?
Auer Derzeit scheint, als hätte die zukünftige Regierung kein Interesse an der Sozialpartnerschaft. Man kann von einzelnen Akteuren halten, was man will. Aber alle Untersuchungen zeigen, dass die Sozialpartnerschaft Sinn ergibt. Und jetzt will man aus parteipolitischen Interessen ein System kappen, das gut funktioniert.
Zumindest wird die Halbierung des AK-Beitrags diskutiert.
Auer Stellen Sie sich vor, Sie nehmen einer Firma oder einer Institution 50 Prozent des Budgets weg. Dann ist sie kaputt. Und weshalb wird die Pflichtmitgliedschaft nicht bei der Ärztekammer, bei der Notariatskammer oder der Landwirtschaftskammer diskutiert? Die ganze Diskussion ist völlig fehl am Platz. Die Mitglieder und Beitragszahler haben die Diskussion nicht angefangen. Das waren Politiker. Das ist doch ein Witz, oder?
Auf welche Themen wollen Sie sich noch konzentrieren?
Auer Digitalisierung und Pflege. Bei der Digitalisierung ärgere ich mich sehr. Wir haben einen Antrag für eine breite Plattform eingebracht, die ÖVP hat aber auf die „Digitale Agenda2“ verwiesen, die sie im November präsentieren wollte. Dort wären die Arbeitnehmer eingebunden, hieß es. Aber davon wüsste ich. Auf Nachfrage hieß es, die AK sei dabei. Doch die hat sich reinreklamieren müssen. Dabei haben doch alle Fragen der Digitalisierung mit Arbeitnehmern zu tun.
Das Thema ist doch in aller Munde?
Auer Ja, aber man sollte doch auch einmal über den Tellerrand schauen. In Vorarlberg ist man so innovativ, zum Beispiel in der Architektur und in Energiefragen. Und dann gibt es wieder ideologische Schranken. Das ist bei der Ehe für alle so gewesen, und nun bei der Digitalisierung. Da sehen wir einfach Berührungsängste mit der Sozialpartnerschaft.
Und worin sehen Sie bei der Pflege Handlungsbedarf?
Auer Wir brauchen dringend Arbeitskräfte. Jetzt kommt eh ein völlig neues Ausbildungssystem. Doch im Land gibt es noch ein paar Leute, die eine Pflegelehre möchten. Das verstehe ich nicht. Das Zugangsalter für die praktische Pflegearbeit liegt momentan nicht umsonst bei 17 Jahren. Außerdem haben wir eh schon einen Fachkräftemangel, dann sollten die Pflegekräfte auch noch als Ausbildner fungieren? Wir müssen woanders ansetzen: Der Beruf muss attraktiver werden.
Die SPÖ im Land ruft regelmäßig den Neustart aus. Es klappt aber nicht, was muss sich ändern?
Auer Es gibt kein Generalrezept, die Wählerentscheidung hängt von vielen Komponenten ab. Wir können ein inhaltliches Topthema haben, dann geschieht der Judensager und plötzlich gibt es ein Match zwischen zwei anderen Parteien.
Als Michael Ritsch als SPÖ-Vorsitzender zurücktrat, waren Sie als Nachfolgerin im Gespräch. War das nie eine Option?
Auer Damals nicht, weil ich glaube, dass man zuerst die Neuausrichtung planen muss. Mittlerweile laufen Gespräche.
Auch mit Ihnen?
Auer Mit allen, die infrage kommen. Wir haben Gott sei Dank eine große Auswahl an Personen. Ich bin auch dabei, aber es sind wirklich eine Menge Leute.