Netzbetreiber verliert Prozess in Vorarlberg

Vorarlberg / 15.02.2018 • 22:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Fast 20.000 Euro für das Überschreiten von 1,4 GB: der neueste

Fast 20.000 Euro für das Überschreiten von 1,4 GB: der neueste “Clou” von T-Mobile.

Mobilfunkanbieter stellte absurd hohe Auslandsroaming-Rechnung.

Schwarzach Nach ihrer anfänglichen Empörung ist Frau G. aus dem Vorarlberger Unterland seit dem 19. Dezember 2017 höchst zufrieden: Denn an diesem Datum erging ein bedingter Zahlungsbefehl des Bezirksgerichts Dornbirn an die Firma T-Mobile Austria GmbH. Der Netzbetreiber ist darin verpflichtet, einen Betrag in der Höhe von 940,47 Euro zusätzlich Zinsen an Frau G. zurückzubezahlen. Es handelt sich dabei exakt um jenen Betrag, den T-Mobile im Vorjahr von der Vorarlbergerin eingefordert hatte, weil deren Tochter beim Telefonieren mit dem Handy versehentlich in ein Schweizer Netz geraten war, was die Kosten exorbitant in die Höhe getrieben hatte (die VN berichteten). Der Bregenzer Rechtsanwalt Helgar Schneider hatte die geschröpfte Kundin erfolgreich vertreten, sie gewann den Prozess gegen die Telekom-Lobby vollumfänglich. Und Schneider weiß, dass das kein Einzelfall ist. Das Gericht hatte den Zahlungsbefehl unter anderem damit begründet, dass der Wiener Netzbetreiber die nebenvertraglichen Schutz- und Sorgfaltspflichten verletzt habe. Er hätte beim Erreichen eines Betrags von 60 Euro während des Telefonierens die Verbindung kappen müssen, tat es aber nicht. Die beklagte T-Mobile GmbH zahlte den gesamten Betrag samt Zinsen und zusätzlichen Gerichtskosten tatsächlich ein. Und das, ohne die Möglichkeit eines Einspruchs zu nutzen.

Kostenterror geht weiter

Doch kaum war die Sache vom Tisch, schlug der österreichische Netzbetreiber schon wieder zu. Diesmal sollte ein Kleinunternehmen mit Sitz im Vorarlberger Rheintal zum Opfer werden. Die Firma wurde plötzlich mit einer Schockrechnung in Höhe von brutto 19.781,45 Euro konfrontiert.

„Ein Teilbetrag in der Höhe von 18.516,49 Euro ist dadurch entstanden, dass ein mit der Firma T-Mobile Austria GmbH vereinbartes Datenpaket um nur 1,4 GB überschritten worden ist“, erklärte Schneider, der nun die Vertretung des betroffenen Unternehmens gegen den Netzbetreiber übernommen hat. Die Schockrechnung für die Firma resultierte aus dem Datenverbrauch, den ein Mitarbeiter bei einem Besuch in der Schweiz hatte.

„Kulanzangebot“

Der Bregenzer Rechtsanwalt schrieb T-Mobile zwischenzeitlich an. Daraufhin wurde von der GmbH ein „Kulanzangebot“ gemacht. Man wolle darin eine Gutschrift von 30 Prozent des eingeforderten Betrags gewähren, hieß es. Ein Angebot, das Schneiders Mandantin als völlig unzureichend zurückgewiesen hat.

Der Anwalt unternimmt nun wieder rechtliche Schritte, denn: „Es ist geradezu unglaublich, wie Netzbetreiber bei ihren Kunden abkassieren wollen.“ VN-GS

„Es ist geradezu unglaublich, wie Netzbetreiber bei ihren Kunden abkassieren wollen.“

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