Die Alpen warten auf ihre Gäste

Vorarlberg / 28.05.2018 • 19:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei allen Gefahren: Das Älplerleben kann wunderschön sein. Das erleben auch die Kinder immer wieder.L. Berchtold
Bei allen Gefahren: Das Älplerleben kann wunderschön sein. Das erleben auch die Kinder immer wieder.L. Berchtold

Einige Tiere haben ihre Sommerfrische-Herbergen in der Höhe bereits bezogen.

Bregenz Der Aufbruch auf die Alp erzeugt bei vielen Landwirten zwiespältige Gefühle. Das eine Gefühl, das viel stärkere, ist Freude. Endlich gibt es für die Tiere wieder Alpenluft und Alpenfutter. Aber da sind auch Bedenken. Geht auch ja wieder alles gut? Kommen die Tiere wieder gesund zurück? In letzter Zeit gesellten sich zu den traditionellen kleinen Ängsten neue dazu: Wie wird das heuer mit der TBC-Ansteckungsgefahr? Oder kommt womöglich der Wolf?

Gut begonnen

Begonnen hat die Alpsaison 2018 jedenfalls ganz nach dem Geschmack der Branche. „Wir konnten bereits mit einigen Tieren auf nieder
gelegene Alpen. Nach und nach geht es jetzt auch höher hinauf“, berichtet Christoph Freuis (39), Geschäftsführer des Vorarlberger Alpwirtschaftsvereins. Dass die Bestoßung der Alpen so früh möglich ist, kommt heuer überraschend. Freuis: „Wir hatten doch überall sehr viel Schnee. Die warmen Temperaturen der letzten Wochen haben aber diesen Schnee sehr schnell verschwinden lassen.“

TBC-Gefahr

Der verschwundene Schnee hat zudem etwas hinterlassen, das Mensch und Tier dringend brauchen: Wasser. „Obwohl“, gibt Freuis zu bedenken, „wir schön langsam aufgrund des trockenen Wetters wieder Flüssigkeitszufuhr benötigen würden. Auch wenn es jetzt noch nicht dramatisch ist.“ Auf den heimischen Alpen werden heuer in etwa gleich viele Tiere sömmern wie vor einem Jahr. Gerüstet sei man gut, meint Freuis. Dazu gehört auch die Vorbereitung der Älpler auf drohende Gefahren, wie zum Beispiel eine mögliche TBC-Ansteckung der Rinder durch Wild. „Wir haben alle Älpler angeschrieben und auf die Gefahren hingewiesen“, sagt Alpwirtschaftsvereinsobmann Josef Türtscher (57).

Zu den TBC-Präventivmaßnahmen gehören unter anderem die richtige Positionierung von Salzlecksteinen für das Wild oder gründliche Hygienemaßnahmen bei den Futterstellen. „Wir hätten ja mit der letztjährigen TBC-Bilanz halbwegs leben können, wenn es da nicht diesen Ausreißer in Dornbirn gegeben hätte“, analysiert Freuis das vergangene Geschehen.

Der Geschäftsführer des Alpwirtschaftsverbandes appelliert an die Partnerschaft aller Beteiligten. Zu denen gehören auch die Jäger, die in den letzten Jahren hohe Abschuss
quoten zu bewältigen hatten, um der TBC-Gefahr vorzubeugen.

Unwägbarkeiten

Josef Türtscher sieht speziell für das Jungvieh auf den Alpen noch eine andere Gefahr: den Wolf. „Wir hatten im vergangenen Jahr zwar praktisch keine Vorfälle mit dem Räuber. Aber das kann sich wieder ändern.“

Die Alpwirtschaft sei in ihrer Wirtschaftsweise mit vielen Unwägbarkeiten verbunden. „Eine Unwägbarkeit ist natürlich immer das Wetter. Und wenn ein Tier verschwindet, dann hat ein echter Älpler keine Ruhe mehr, bis er es wieder findet. Deswegen sagt man vor dem Weg in die Höhe einem Älpler nicht einfach nur so: Hoffentlich geht alles gut“, weiß Türtscher aus langjähriger Erfahrung.

„Wir konnten heuer früher auf die Alpen, als wir ursprünglich gedacht hatten.“

Alpen in Vorarlberg

Zahlen von 2017

522 Alpen in Vorarlberg

1000 aktive Älplerinnen und Älpler

39.419 Tiere insgesamt auf den Alpen

Davon: 8590 Milchkühe, 2178 Mutterkühe, 904 Pferde, 23.652 Jungvieh, 3232 Schafe, 863 Ziegen

Gesamtfläche Alpen in
Vorarlberg:
105.00 Hektar

Davon bewirtschaftet
50.000 Hektar

Produzierter Alpkäse
500 Tonnen