Frühe Hilfe für frischgebackene Eltern

Vorarlberg / 20.02.2019 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Oliver Lerch
Oliver Lerch

Präventives Handeln beginnt schon in der Schwangerschaft.

Bludenz Als dreifacher Vater weiß er aus eigener Erfahrung, wie anstrengend gerade Säuglinge sein können. „Da ist man sogar als Arzt oft mit seinem Latein am Ende“, erzählt Lothar Bereuter. Heute bietet ihm dieses Wissen die Möglichkeit, jungen Eltern authentisch zu vermitteln, wie wertvoll Hilfe in solchen Situationen ist, um Erschöpfungszuständen vorzubeugen. „Unterstützungsangebote gibt es genug. Es liegt an uns, sie bekannter zu machen“, meint der Bludenzer Kinderarzt. Er selbst arbeitet im „Netzwerk Familie“ mit, das vor zehn Jahren gegründet wurde und bei Bedarf an die richtigen Stellen vermittelt. Ein erster wichtiger Baustein auf dem Weg zu einem gesunden Aufwachsen ist die Initiative „Frühe Hilfen“. Sie lässt präventives Handeln schon in der Schwangerschaft zu.

Emotionaler Prozes

Dieses Angebot zielt vor allem auf Familien mit schwierigem Hintergrund ab. „Sie dürfen wir nach der Geburt eines Kindes auf keinen Fall verlieren“, betont Lothar Bereuter. Als entscheidenden Filter bezeichnet er das Neugeborenen-Zimmer in den Krankenhäusern. „Das Personal dort ist sensibilisiert. Es schaut, wie sich die Mutter-Kind-Bindung entwickelt. Dabei handelt es sich um einen emotionalen Prozess, der sehr früh zeigt, wie es läuft. Gegebenenfalls gilt es, eine Verbindung zur Mutter herzustellen, damit die Betreuung zu Hause weiterlaufen kann“, erläutert der Arzt.

Die Scheu, solchen Beistand anzunehmen, sei aber immer noch groß, besonders in Dörfern. „Eltern, und da vor allem die Frauen, wollen sich nicht blamieren“, erzählt Lothar Bereuter. Frauen würden zudem oft kopflastig reagieren. „Vom Beruf sind sie es gewohnt, Lösungsstrategien für Probleme zu erarbeiten. Bei einem Kind funktioniert die Managementtaktik allerdings nicht. Diese frustrierende Erkenntnis macht Mütter oft hilflos“, erklärt er weiter. Sie darauf anzusprechen sei mitunter jedoch schwierig. „Oft ist es besser, ihnen die Broschüre einfach mitzugeben und zu raten, sich damit zu beschäftigen“, versteht der Arzt auch, dass es Berührungsängste gibt. Die Eltern würden Zeit brauchen, zu Hause anzukommen, denn ein Kind bedeute viele Veränderungen.

Befürworter des Papamonats

Bereuter selbst lotet in einem ersten Schritt aus, wo sich innerhalb der Familie noch Ressourcen zur Entlastung lukrieren lassen, etwa bei den Großeltern oder Vätern. Ein verpflichtender Papamonat wäre aus seiner Sicht extrem wichtig, weil Väter auf diese Weise von Anbeginn eine engere Beziehung zu ihren Kindern aufbauen könnten. Gleichzeitig attestiert er den Männern, dass sie schon jetzt stärker bereit sind, Verantwortung für den Nachwuchs zu übernehmen. Der Kinderarzt räumt ein, wonach es nicht immer einfach ist, den richtigen Ansprechpartner für Probleme zu finden. Das führe ebenfalls zu Verunsicherung. „Hilfe muss der jeweiligen Familiensituation angepasst sein“, stellt Lothar Bereuter klar. Das Netzwerk Familie knüpft die passenden Kontakte. Die Angebote sind kostenlos. „Mittlerweile erreichen wir Familien sogar über Mundpropaganda“, freut sich Bereuter. Im März findet zur Thematik der Frühen Hilfen im Kulturhaus in Dornbirn eine internationale Tagung statt. Vorarlberg hat auf diesem Sektor jedenfalls schon Pionierarbeit geleistet.