Der Egger Älpler Georg Schneider rechnet mit achtlosen Touristen ab

Vorarlberg / 04.03.2019 • 17:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auf der Alpe Obere Fals bei Schetteregg kann bisweilen schon sehr viel Betrieb herrschen. Es ist ja auch wunderschön dort. VN
Auf der Alpe Obere Fals bei Schetteregg kann bisweilen schon sehr viel Betrieb herrschen. Es ist ja auch wunderschön dort. VN

Georg Schneider von der Alpe Obere Falz bei Schetteregg über den Alltag an seinem Standort.

Egg Das Thema Alpen und Tourismus ist in aller Munde. Seit ein Tiroler Zivilgericht einen Landwirt zu 490.000 Euro Schadenersatz verurteilt hat, nachdem auf seinem Grund 2014 eine deutsche Touristin von einer Mutterkuhherde zu Tode getrampelt worden war. Er hätte das Areal, das als öffentliche Straße mit viel Frequenz durch Wanderer, Biker, Autofahrer und Tiere ausgewiesen ist, besser absichern müssen, befand das Gericht. Ein Aufschrei ging nach dem Urteil durch die Republik, verbunden mit der Angst, dass Alpen künftig nicht mehr in jenem Maße zugänglich sein werden, wie sie es derzeit noch sind. Die Alpwirtschaft befürchtet ihrerseits eine Abwanderung von Älplern. Weil sich die keinem rechtlichen Risiko mehr aussetzen wollen.

Vieh wird gestört

„Der Zulauf zu unserer Alpe hat in den letzten Jahren stark zugenommen“, berichtet Georg Schneider (63), der gemeinsam mit seiner Gattin Theresia die Alpe Obere Falz führt. Nachsatz: „Und damit auch die Probleme“. Schneider beklagt die mangelnde Disziplin einiger Touristen, die den wunderbaren Flecken Erde bei Schetteregg mit seinem gastronomischen Angebot aufsuchen.

„Es werden immer mehr Pfade, die im Winter noch als Winterwanderwege genutzt werden, auch im Sommer benutzt. Da geht es dann zum Teil mitten durch das Vieh. Und das ist vor allem für die Tiere oft sehr belastend“, beschreibt Schneider die Situation auf seiner Alpe. „Es reden alle von den Gefahren für Wanderer mit Hunden, aber niemand will die Nachteile für die weidenden Tiere erkennen. Diese werden nämlich immer öfter gestört, springen in Panik weg. Das hat vor allem gesundheitsschädliche Folgen für die Euter und auch für die Qualität der Milch“, betont der Älpler.

Nicht alle in einen Topf

Schneider möchte nicht alle in denselben Topf werfen. „Aber es gibt eindeutig immer mehr Wanderer, die mit Hunden unterwegs sind und die Säckchen mit dem Hundekot einfach wegschmeißen. Viele lassen sich auch nicht belehren.“ Der Landwirt wünscht sich mehr Warnschilder und den expliziten Hinweis darauf, dass die Wanderer selber für Schäden haften.

Es gibt eindeutig immer mehr Wanderer, die mit Hunden auf Alpen unterwegs sind.

Georg Schneider, Älpler

„Bei uns gibt es zum Beispiel keine Mutterkühe, die gefährlich werden könnten. Bei uns sind es die Tiere, die gefährdet sind.“

Viel Stoff für Diskussion

Wie öffentlich dürfen Alpen sein? Wer trägt dort Verantwortung? Wo liegen die Grenzen der Nutzung? Soll man bestimmte Gebiete tatsächlich einzäunen? Diese und andere Fragen werden beim VN-Stammtisch am kommenden Donnerstag im bäuerlichen Bildungszentrum in Hohenems diskutiert. Das Podium ist mit Interessensvertretern aus verschiedenen Bereichen besetzt. Selbstverständlich ist auch das Publikum herzlich eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen.