Erstes Interview als Feldkircher Bürgermeister: So will Matt die Stadt regieren

Vorarlberg / 13.03.2019 • 08:00 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Erstes Interview als Feldkircher Bürgermeister: So will Matt die Stadt regieren

Feldkirchs neuer Bürgermeister Wolfgang Matt im VN-Interview.

Feldkirch Mehr als 27 Jahre leitete Wilfried Berchtold als Bürgermeister die Geschicke von Feldkirch. Am Dienstag ging diese Ära zu Ende. In einer Sondersitzung der Stadtvertretung verkündete Berchtold offiziell seinen Amtsrücktritt. Zum neuen Bürgermeister wurde Wolfgang Matt gewählt. Das Neo-Stadtoberhaupt stand den VN für ein Interview zur Verfügung.

Seit Dienstag Abend sind Sie Bürgermeister. Dass Sie es werden, steht seit Dezember fest. Wie sind die Reaktionen aus der Bevölkerung?

Matt: Die Nominierung steht seit Dezember fest. Bisher waren die Reaktionen, zumindest mir gegenüber nur positiv. Die Menschen gratulieren mir und geben mir gute Wünsche mit auf den Weg. Kritik wurde mir gegenüber keine geäußert.

Ihr Vorgänger war fast 28 Jahre im Amt. Wie beurteilen Sie persönlich die Periode Berchtold?

Matt: Wilfried Berchtold war ein großer Vordenker: Er hat Zukunftsthemen erfasst, als sie noch keine Themen waren. Ich hatte immer den Eindruck wir sind als Kommune immer den Themen voraus gewesen. Mich hat fasziniert wie viele Dinge man für die Zukunft überlegen muss, was man daraus ableitet und wie eine kleine Stadt darauf reagieren kann. Und wenn man früh daran ist, sieht man dann wie gut sich das auswirkt. Bei der Kinderbetreuung bin ich früher davon ausgegangen: das Beste für das Kind ist es möglichst lange bei der Mutter zu sein. Heute denke ich mir, in vielen Situationen, dass es besser ist das Kind so früh wie möglich in einen pädagogischen Bereich zu geben. Zuhause wird nicht die notwendige Qualität geboten um dem Kind die richtige Vorbereitung für die Zukunft zu geben. Das ist natürlich nicht in allen Familien so. Berchtold hat schon sehr früh begonnen von betreuten Ganztageskindergärten zu sprechen, landesweit war man weit davon entfernt, Wilfried Berchtold sprach schon von Frühpädagogik. Ein anderes Beispiel ist die Einführung der Fußgängerzone 1993. Vordenken war seine Stärke und dann hat er auch eine Penetranz in der Umsetzung gezeigt. Er hat die Finger in die Wunde gelegt, bis die Wunde zu war.

Neue Personalien bringen auch neue Herangehensweisen: was bleibt in Feldkirch gleich, was wird sich ändern?

Matt: Es wird sich nichts großartig ändern. Meine Herangehensweise wird anders sein, ich bin kein Bürgermeister mit der lauten Stimme. Aber auch ich werde die Finger in die Wunde legen.

Welche Themen stehen im nächsten Jahr an?

Matt: Die ganz großen Themen sind im Bereich Bildung ist die Volksschule und das Pädagogische Förderzentrum in Altenstadt. Beim Thema Verkehr der Stadttunnel. Es gibt hier für mich keine Alternative zu diesem Projekt, die mir bekannt ist. Deshalb gilt es hier Druck zu machen. Die Bevölkerung hat sich die Entlastung nicht nur verdient, sie ist auch dringendst notwendig.

Sie sind 63 und treten 2020 an.

Matt: Wenn man mich will. Ich bin kein Sesselkleber und muss auch keine zukünftige politische Karriere aus Existenzgründen machen.

Sind Sie ein Signal für Erneuerung?

Matt: Sicher. Es ist anders. Alles was anders ist, ist erneuert. Vor allem ist das Team rund um mich erneuert. Es kommt Gudrun Petz Bechter (Anm.: die neue Vizebürgermeisterin) und Benedikt König (neuer Stadtrat). Das sind die ersten Verjüngungsschritte, die wir setzen. Dieser Verjüngungsprozess ist damit nicht abgeschlossen, sondern eröffnet.

Feldkirch blüht ist in dieser Legislaturperiode oft klar in einer Oppositionsrolle. Die Freiheitlichen arbeiten eng mit der Volkspartei zusammen, zeigen sich aber zuletzt angriffiger: hat der Wahlkampf schon begonnen?

Matt: Ja, nach der Wahl ist vor der Wahl. Die Zusammenarbeit auf sachlicher Ebene ist mit allen Parteien gegeben. Es geht um Feldkirch und das Wohl der Bürger. Hier wird relativ gut an einem Strick und in die gleiche Richtung gezogen, wie etwa der Stadtentwicklungsplan zeigt. Grundlegende einigende Elemente sind da, aber natürlich findet man Kleinigkeiten um sich zu reiben. Jede Katze braucht einen Kratzbaum.

Vizebürgermeisterin Petz-Bechter und Stadtrat König waren Ihre Wunschkandidaten? Was macht die beiden besonders geeignet für diese Position?

Matt: Nicht nur meine, sondern auch die der Fraktion. Ich habe Sie vorgeschlagen, die Fraktion ist dem Vorschlag gefolgt. Sie bringen beide die notwendige Neugier mit, aber auch die notwendige fachliche Qualifikation. So ist etwa die rechtliche Expertise von Benedikt König mit Sicherheit ein Gewinn für den Stadtrat. Und auch für 2020 haben ich bereits gute Leute auf meiner Liste, Namen will ich nicht vorab nennen.

Was ist das Wahlziel bei der Gemeinderatswahl? Die absolute Mehrheit?

Matt: Wir wollen ein anständiges Ergebnis, einen kräftigen Auftrag des Bürgers. Bei der letzten Wahl sind zwei Gruppierungen dazu gekommen, Wir und die Neos. Die sprechen eine ähnliche Klientel an. Ich stelle aber fest, dass die Werte der Volkspartei bei den Bürgern eine gewisse Sicherheit und Verlässlichkeit hinterlassen. Nicht alle Themen auf Bundesebene halte ich, aus der Entfernung, immer für die Besten. Aber wenn man in der politischen Arbeit involviert ist, dann weiß man, dass oft bei Entscheidungen nicht so einfach zu verstehen ist, wie sie zustande gekommen sind.

Sie haben die Agenden von Bürgermeister Berchtold übernommen und aus ihrem bisherigen Stadtratsamt nur Wirtschaft und Fremdenverkehr abgegeben. Wird das nicht zu viel?

Matt: Es macht wenig Sinn vor den anstehenden Gemeindevertretungswahlen in den Ressorts viele Themen neu zu verschieben. Mir ist wichtig, dass die gute Arbeit die von der Verwaltung und den politischen Mandataren geleistet wird, möglichst ruhig weitergeht. Da ist mir Qualität wichtiger als persönliche Befindlichkeiten.

In Feldkirch sind viele Großprojekte im Bau oder in Vorbereitung: am Jahnplatz, beim Bahnhof, der Stadttunnel könnte bald starten und die Ill wird ab 2021 im Bereich der Kapfschlucht aufgeweitet. In der Altstadt stehen Kanalarbeiten an. In den Fraktionen wird viel Wohnbau betrieben. Wie geht man damit um, wenn derart viele Projekte parallel laufen?

Matt: Die Entwicklung kann man nicht aufhalten, aber steuern. Das ist die Aufgabe der Stadt. Wir wollen privatwirtschaftliche Investments nicht stören. Es ist ein gutes Zeichen, dass Investoren in Feldkirch investieren wollen. Die Investitionen der Stadt werden wie immer aus einer sicheren finanziellen Basis heraus abgeleitet und auch entsprechend priorisiert. Das leite ich aus dem Stadtentwicklungsplan ab. Da sind die Themen die das gelingende Leben ausmachen vordergründig. Da geht es um Themen wie Bildung und Pflege.

Im Stadtentwicklungsplan wurde formuliert, dass man ein moderates Bevölkerungswachstum von etwa einem Prozent pro Jahr anstrebt. Wird es dabei bleiben?

Matt: Der Boom ist da. Wir haben 2017 einen Geburtenüberschuss von 131 Menschen gehabt, das ist noch ohne Zuzug. Im Rahmen der “Flüchtlingskrise” den maximalen Zuzug von 2700 Menschen gehabt. Es wird sich einpendeln. Es ist erfreulich, wenn es viele junge Erdenbürger gibt, mehr Menschen zur Welt kommen als sterben. Es zeigt auch wie interessant Feldkirch als Wohnort ist. Da wirkt sich auch die gute Lage zum benachbarten Ausland aus. Wir haben eine Innenstadt in der es kaum Leerstände gibt. Und das sind untrügliche Zeichen, das es gut läuft und gut gelaufen ist. Damit können wir den Bogen auf die Ära von Wilfried Berchtold zurückspannen. Es braucht vorne eine Lokomotive, die die Kessel unter Dampf hält.

Und jetzt haben Sie das Kommando über den Kessel übernommen.

Matt: Ich habe schon zuvor Kohle geschaufelt. Jetzt kann auch einmal jemandem sagen: Schaufel einmal!

Vielen Dank für das Gespräch Herr Bürgermeister.

Wolfgang Matt

geboren am 16. September 1955

wohnt in Altenstadt

Ausbildung zum Bankkaufmann

zuständig für Allgemeine Verwaltung, Personalangelegenheiten, Interkommunale Zusammenarbeit, Städtepartnerschaft und Ehrenamt, Sicherheits-, Hilfs-, Rettungs- und Feuerwehrwesen, Katastrophenmanagement, Finanzen und Vermögen, Landwirtschaft und Forst

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