Beim Thema Rad läuft es politisch eher unrund

Vorarlberg / 19.03.2019 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jung und Alt sollen mehr in die Pedale treten. VN/Paulitsch
Jung und Alt sollen mehr in die Pedale treten. VN/Paulitsch

Gemeinden wollen mehr Geld, haben Förderungen aber nie zur Gänze abgeholt.

Bregenz Rund fünf Millionen Euro macht das Land jährlich für den Radverkehr locker. Das reicht vielen Kommunen aber offenbar nicht. Im vergangenen Herbst erhoben Bürgermeister der plan-b-Gemeinden die Forderung nach einem „Sonderprogramm Radverkehr“. Es brauche massiv mehr Mittel im Landesbudget, personelle Ressourcen für die zeitnahe Umsetzung von Projekten sowie eine sogenannte „Kümmererstelle“, ließen sie Markus Wallner, Karlheinz Rüdisser und Johannes Rauch mittels gemeinsam unterfertigtem Brief wissen. Rauch pflichtete den Wünschen der Gemeindechefs ebenfalls schriftlich bei. Vorrangig sei das Land selbst in der Pflicht, Vorarlberg radfreundlich zu gestalten und dafür inhaltliche, personelle und finanzielle Rahmenbedingungen zu schaffen. Er unterstütze die Anliegen und werde sich für deren Umsetzung stark machen.

Rechnung aufgemacht

Weniger amüsiert zeigte sich der Landeshauptmann. Er rechnete vor, dass seit dem Jahr 2000 aus Landesmitteln über 30 Millionen Euro an Gemeindeförderungen für Radwege ausgegeben worden seien. Im Budget 2019 seien wiederum 3,5 Millionen Euro an Fördermitteln veranschlagt. Zusätzlich fließe aus der Abteilung Straßenbau eine Million Euro für Radwege an Landesstraßen. Vorarlberg liege damit im Vergleich zu den anderen Bundesländern in der Höhe des absoluten Fördersatzes mit bis zu 70 Prozent im Spitzenfeld. Der Rechnerei nicht genug. Wallner veranschaulichte anhand einer Tabelle, dass die Fördermittel zwischen 2014 und 2017 nie ausgeschöpft wurden. 2017 etwa wurden von 3,5 Millionen Euro lediglich 1,6 Millionen abgeholt. 2014 waren es von 2,9 Millionen Euro immerhin 2,4 Millionen. Weiters merkte der Landeshauptmann an, dass sich in den zuständigen Fachabteilungen und Einrichtungen insgesamt fünf Radverkehrsbeauftrage um die Sache kümmern. Schlusssatz: „Bevor derartige Forderungen schriftlich und öffentlich erhoben werden, bitte ich um genaue Recherche und vorherige Kontaktaufnahme.“

Radius gestartet

Inzwischen ist der Frühling ins Land gezogen, und die Drahtesel werden wieder gesattelt. Auch offiziell ist angerichtet bzw. angeradelt. Gestern, Dienstag, erfolgte der Startschuss für den bereits zwölften Radius, der sich jetzt allerdings Motivationskampagne statt Wettbewerb nennt. Grund: Nicht nur Vorarlberg, sondern ganz „Österreich radelt“ mit. Der Radius hat bundesweite Nachahmung gefunden. Das freut den Mobilitätslandesrat ebenso wie den Landeshauptmann. Der sieht beim Rad auch die für den Klimaschutz demonstrierende Jugend in der Pflicht. „Damit können sie einen aktiven Beitrag zu ihrem Anliegen leisten“, meinte Markus Wallner. Für Johannes Rauch steht als oberste Prämisse, den Anteil der Alltagsradler von derzeit 16 auf 20 Prozent zu steigern. „Es gibt bereits Regionen, wo das der Fall ist“, führte er als Beispiel die Rheindeltagemeinden an. Was aus seiner Sicht den Schluss zulässt, dass überall dort, wo investiert, auch umgestiegen wird. Der Radius selbst ließ seit seinem Bestehen 46.500 Vorarlberger in die Pedale treten, die dabei 80 Millionen Radkilometer gesammelt, Kalorien von über vier Millionen Tafeln Schokolade verbrannt und fast 9000 Tonnen CO2 eingespart haben. Rauch und Wallner kündigten weitere Verbesserungen für die unermüdlichen Pedalritter an. Ein Planungsschwerpunkt sind Radschnellverbindungen.

Radius: 21. März bis 30. September, Anmeldungen unter vorarlberg.radelt.at oder www.fahrradwettbewerb.at