Kampf den Wohnkosten

Vorarlberg / 20.03.2019 • 21:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

VN-Umfrage: 73 Prozent wollen mehr Eingriffe der Politik. Aber was ist möglich?

Schwarzach Wer wohnen will, muss leiden. Zumindest in Vorarlberg in finanzieller Hinsicht. Kein Wunder also, dass sich die Vorarlberger mehr politische Gestaltung im Wohnbereich wünschen. Das geht aus einer repräsentativen VN-Umfrage hervor, die das Institut Dr. Berndt durchgeführt hat. Er hat 501 Vorarlberger gefragt: „Braucht es weitere politisch-staatliche Eingriffe, um Wohnen, Hausbau oder Grundstückskauf bezahlbar zu machen?“ 73 Prozent der Befragten sind überzeugt: Ja. Acht Prozent sprechen sich dagegen aus, 19 Prozent ist es egal. Der Begriff „politisch-staatlicher Eingriff“ kann viel bedeuten. Möglichkeiten gibt es genug, wie Wohnbauexperte Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien Bauen und Wohnen (IIBW) im Gespräch mit den VN erklärt. Eine Auswahl:

Mietpreisbremse

In Deutschland soll sie helfen, die Mieten zu senken. Amann erläutert: „Mir ist nicht bekannt, dass sie als Erfolg gewertet wird. Insbesondere in Städten wie Berlin ist die Preisdynamik weitergegangen.“

Leerstandsabgabe

Wer seine Wohnung leer stehen lässt, muss bezahlen. International sei dieses Instrument oft ausprobiert worden, sagt Amann, und ergänzt: „Es erweist sich immer wieder als problematisch, den Leerstand zu definieren. Es ist ja nicht die Intention der Politik, Ferienwohnungen damit zu treffen.“ In Konstanz sei eine Abgabe eingeführt worden, fährt er fort. „Die hat als Rute ins Fenster funktioniert. Aber wenn die Sanktionen nicht greifen, verpufft der Effekt.“

Gemeinnützige

Die Landesregierung möchte 750 neue Sozialwohnungen jährlich bauen lassen. Amann sieht darin eine geeignete Vorgangsweise, verdeutlicht aber: „Der Anteil gemeinnütziger Mietwohnungen ist im Bundesländervergleich relativ gering, da wäre noch Platz nach oben.“ Man müsse allerdings vorsichtig vorgehen, schließlich sei die Bauwirtschaft stark ausgelastet, die Gemeinnützigen befänden sich zudem in Konkurrenz mit dem Privatmarkt. In Frankreich werden Gemeinden verpflichtet, einen Mindestanteil Sozialwohnungen zu bauen. „Das funktioniert gut.“

Grundstückskosten

Grundstücke sind ein großer Wohnkostentreiber. Wien hat nun eine Verpflichtung eingeführt, bei Umwidmungen einen Anteil gemeinnützigen Wohnbau mit Grundkostendeckel einzuführen. „Momentan schauen alle, ob es klappt. Es zeigt aber, dass die öffentliche Hand entschlossen der Entwicklung entgegentreten kann.“

Baugenehmigungen

In Vorarlberg fordert die SPÖ, private Bauträger zu verpflichten, einen Anteil gemeinnützige Wohnungen zu bauen, damit die anderen Wohnungen gefördert werden. Das sei schwer umsetzbar, sagt Amann, da ein Bauteil dem Sozialwohnbau zur Verfügung gestellt werden müsste. „Die Gemeinnützigen hätten keine Freude damit, wenn sie zwei Wohnungen eines Projekts in die eigene Verwaltung bekommen.“ Auf Quartiersebene würde es hingegen Sinn ergeben, bei Umwidmungen einen Anteil für den sozialen Wohnbau zu reservieren. Das ist in Vorarlberg seit Kurzem möglich.

Bauland

„Eine gute Idee wäre ein Baulandfonds“, ergänzt Amann. Man müsse jedoch darauf achten, dass er nicht politisch besetzt werde. Andere Länder wiederum schneiden bei Widmungen mit: In den USA werden Widmungsgewinne abgeschöpft, mit denen gemeinnütziger Wohnbau refinanziert wird.

Baukosten

Amanns Analyse: „Ein großes Problem in Vorarlberg ist die Abschottung des Marktes gegenüber Anbietern von außen.“ Wenn die Nachfrage groß und das Angebot gering ist, werde es teuer. Auf dem Mietmarkt hält er das Projekt „sicher Vermieten“ für eine gute Idee. Damit es funktioniert, müsse man den Vermietern allerdings einen Deal vorschlagen. „Sicher Vermieten kümmert sich um alles und trägt das Risiko, dafür muss der Eigentümer die Wohnung 25 Prozent unter Marktwert vermieten.“ Der Immobilienexperte glaubt zudem, dass es sinnvoll wäre, das Modell der Investorenwohnungen neu aufzusetzen.

Grundsätzlich müsse sich Vorarlberg im Klaren darüber werden, wie sich die Demografie entwickeln soll, schließt Amann. „Wie stark möchte das Land eigentlich noch wachsen?“