„Es ist wie eine Namenskastration“

Vorarlberg / 04.04.2019 • 19:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Christel Troll-von Steiger und Niklaus von Steiger kämpfen um ihren Namen. Privat
Christel Troll-von Steiger und Niklaus von Steiger kämpfen um ihren Namen. Privat

Dornbirner Ehepaar von Steiger kämpft um den Erhalt seines vollen Namens.

Bettina Maier-Ortner

Dornbirn Heuer feiert es seinen hundertsten Geburtstag: Das Adels­aufhebungsgesetz wurde am 3. April 1919 als Reaktion auf das Ende der Monarchie von der Nationalversammlung der Ersten Republik verabschiedet. „…Aufhebung des Adels, der weltlichen Ritter- und Damenorden und gewisser Titel und Würden.“ – so der Titel des Gesetzes. Niemand sollte aufgrund seines adeligen Titels Privilegien im jungen Staat genießen. Grund zum Feiern haben die Dornbirnerin Christel Troll-von Steiger (66) und der Schweizer Niklaus von Steiger (62) nicht. Das Ehepaar mit Wohnsitzen in der Schweizer Hauptstadt Bern und Dornbirn kämpft seit der Eheschließung im Mai 2017 darum, den gleichen Namen zu tragen. Christel Troll-von Steiger darf den Doppelnamen nicht verwenden. „Wir waren im Vorfeld unserer Eheschließung am 3. Mai 2017 auf dem Standesamt in Dornbirn, haben uns erkundigt, ob der Doppelnamen ‚Troll-von Steiger‘ bei mir möglich ist und hatten vom zuständigen Standesbeamten nach Prüfung in zwei Büchern die mündliche Zusage“, berichtet sie. „Wir haben dann geheiratet. Ich habe in Bern auf der österreichischen Botschaft meinen Pass beantragt. Darauf bekam ich die Nachricht, dass der Doppelname Troll-von Steiger nicht möglich sei. Ich solle nochmals kommen und nur mit dem Namen Steiger unterschreiben. Das ‚von‘ gehe nicht.“ Da sie das nicht akzeptierte, ist sie bis heute ohne österreichischen Pass. Für die Eheleute fühlt sich das wie eine Namenskastration an. Falls sich keine baldige Lösung abzeichnet, wird sie um die Schweizer Staatsbürgerschaft ansuchen. 

„Nicht mehr zeitgemäß“

Es wurde vonseiten der Botschaft der Beweis verlangt, dass der Name, so die Dornbirnerin, von einer Ortsbezeichnung abstamme. Ihr Gatte wundert sich: „Diese Einforderung hätte gar nicht stattfinden dürfen, da 2013 die Kärntnerin Alexandra von Allmen, die den Schweizer von Allmen geheiratet hat, das ‚von‘ in ihren Namen nicht bewilligt bekommen hat. Im Jahr 2018 hat der Verfassungsgerichtshof geurteilt, dass kein ‚von‘ im Namen getragen werden darf.“ Die Frage beschäftigt die Verwaltungsgerichte immer wieder, wie auf der Homepage des Rechtsinformationssystem des Bundes zu sehen ist. Für das österreichisch-Schweizer Ehepaar ist das Adelsaufhebungsgesetz nicht zeitgemäß und bedarf einer Novellierung. Sie verweisen auf viele binationale Ehen und andere Länder wie Deutschland, Italien, Frankreich, wo ein ‚von‘, ‚di‘, ‚de‘ selbstverständlich zum Namen gehöre.

„Wir haben in den letzten zwei Jahren Kontakt mit politischen und juristischen Ansprechpartnern aufgenommen und u. a. den österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen angeschrieben. Sein ‚Van‘ ist unserem ‚von‘ sehr ähnlich.“ Ablehnende Bescheide und „keine Zuständigkeiten“ erhielt das Ehepaar als Antworten. Der Tierarzt Niklaus von Steiger hat daraufhin die Facebook-Gruppe „Adelsaufhebungsgesetz“ gegründet, um Gleichgesinnte zu finden. Die betroffenen Personen schätzt er auf rund 2000. Bis jetzt haben sich über 70 Mitglieder gefunden. „Viele Mitgliedsanfragen wurden gestellt“, so von Steiger. Er vermutet auch ein schärferes Vorgehen der Standesämter durch das Zentrale Melderegister. So könnte der in Vorarlberg häufige Namen „von der Thannen“ betroffen sein. Die Geschäftsführerin von „Das Buch Rebekka von der Thannen“, sieht das noch entspannt: „Ich habe in Wien gelebt und meinen Pass dort beantragt. Mit vielem Hin und Her der Magistratsbeamten und einem Telefonat bei einer Standesbeamtin in Dornbirn, habe ich meinen Pass mit vollständigem Namen ausgestellt bekommen.“ Die 32-Jährige habe sich nie Gedanken gemacht, ihren Namen „gekürzt“ zu bekommen, da es kein Adelstitel ist. Falls doch, müssten sich die Vorarlberger von der Thannen nach Meinung der Dornbirnerin zusammenschließen und rechtliche Schritte überlegen.

Professor Peter Bußjäger von der Universität Innsbruck schätzt die Chancen des Ehepaars von Steiger als gering ein: „Die Judikatur der österreichischen Höchstgerichte lässt Adelstitel auch im Falle einer Verheiratung mit ausländischen Staatsangehörigen nicht zu.“ Eine Novellierung sei politisch zu entscheiden. „Ob man das Gesetz 100 Jahre danach noch als Verfassungsgesetz benötigt, kann man hinterfragen, gerade auch vor dem Hintergrund binationaler Ehen. Andererseits hat auch der EuGH die österreichische Rechtslage als nicht europarechtswidrig eingestuft.“ VN-bem

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