Warum es in Vorarlberg die Forderung nach mehr gemeinnützigem Wohnraum gibt

Vorarlberg / 14.04.2019 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN/Steurer

In keinem Bundesland ist der Anteil so niedrig wie in Vorarlberg.

Johannes Huber

SCHWARZACH Die Gegensätze zwischen Wien und Vorarlberg könnten größer nicht sein: In der Bundeshauptstadt gibt es kaum Haus- oder Wohnungseigentümer und der Anteil der Gemeinde- und Genossenschaftsmietwohnungen liegt mit 43,1 Prozent über dem der privaten Mietwohnungen (33,5 Prozent). Im äußersten Westen der Republik ist es umgekehrt: 43,3 Prozent der Hauptwohnsitze entfallen hier auf die Kategorie Eigentum und der Anteil privater Mietwohnungen ist mit 21,2 Prozent wiederum höher als der gemeinnütziger Mietwohnungen; inklusive der Gemeindewohnungen beträgt dieser gerade einmal 11,8 Prozent. Das ist der niedrigste Wert in ganz Österreich, wie den Daten zu entnehmen ist, die die Statistik Austria für 2017 zusammengefasst hat. Ist Wohnen in Vorarlberg so teuer, weil der Anteil gemeinnütziger Wohnungen so bescheiden ist? „Dass das ein Grund ist, ist ziemlich klar mit Ja zu beantworten“, sagt Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW). Tatsächlich sind Mieten in diesem Bereich um mehr als ein Fünftel niedriger als im privaten Sektor. Gibt es weniger Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen, hat das schon von daher Einfluss auf das Preisniveau.

„Der gemeinnützige Sektor war auf die unteren Einkommensschichten ausgerichtet.“

Wolfgang Amann, Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen

Die ungleichen Verhältnisse nach Bundesländern seien historisch bedingt, erläutert Amann im Gespräch mit den VN: „Der gemeinnützige Sektor war in Vorarlberg und Tirol immer auf die unteren Einkommensschichten ausgerichtet.“ In Ostösterreich war der Fokus dagegen schon in der Vergangenheit auch auf die Mittelschicht ausgelegt. Daher ist der Anteil entsprechender Wohnungen im einen Fall niedriger und im anderen Fall höher.

Offensive bei den Gemeinnützigen

Doch die Zeiten ändern sich. Eine Antwort auf die Wohnungsprobleme im Land ist eine Offensive bei den Gemeinnützigen, wie Amann bestätigt: „Das ist eine Empfehlung, die ich schon öfter gemacht habe und die von der Politik auch aufgegriffen worden ist.“ Zwischen 2014 und 2019 wurden in Vorarlberg immerhin 3800 solcher Wohnungen für 8400 Personen zugesagt, und aus der Wohnbauförderung fließe heuer das dritte Jahr in Folge mehr in gemeinnützige Wohnprojekte als für die Schaffung von privatem Wohnraum vorgesehen ist, so Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) in seiner Budgetrede. Amann: „Wenn der private Vermietungssektor ein bisschen Konkurrenz bekommt, ist ihm das durchaus zumutbar.“

Michael Klien, Wohnbauexperte beim Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO, sieht alles in allem günstige Entwicklungen für all jene, die in den nächsten Jahren ein neues Dach über dem Kopf brauchen, aber sehr aufs Geld achten müssen: „Es wird wirklich viel Wohnraum geschaffen“, bestätigt er. Das Angebot steigt also und die Nachfrage dürfte nachlassen, weil das Bevölkerungswachstum zurückgehe. Sprich: „Grundsätzlich erwarten wir eine Beruhigung bei den Immobilienpreisen und der Wohnkostenentwicklung.“