VN-Reportage: Was die Nachbarn zur Bluttat in Bregenz sagen

Vorarlberg / 18.04.2019 • 18:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In diesem Hochhaus in Bregenz spielte sich in der Nacht auf Dienstag eine furchtbare Tragödie ab. Ein Mann tötete seinen Sohn und sich selbst. VN/Hämmerle

Die Mitbewohner des Hochhauses in der Heldendankstraße ahnten nichts vom einen tödlichen Konflikt.

Bregenz Günter Gärtner (65) lebt schon 40 Jahren im Metro-Hochhaus in der Heldendankstraße 40 mit seinen fast hundert Parteien. Sein Kollege, der seinen Namen nicht nennen möchte und lange Zeit Hausmeister war tut das gar schon 44 Jahre. „Ich zog ein, als das Gebäude fertig war“, sagt er nicht ganz ohne Stolz. Damals waren 80 Prozent der Bewohner noch die Eigentümer der Wohnungen, heute sind über 80 Prozent Mieter“, bemerkt der Mann. Unvorstellbar ist auch drei Tage später für beide, dass in ihrem Haus ein Mann seinen Sohn ersticht und sich dann selbst richtet. „Es hat bei uns ja eigentlich nie Probleme gegeben“, erzählen die Langzeitbewohner.

Nichts auffälliges

Untereinander bekannt sind im Hochhaus nur wenige. „Es kommen und gehen hier so viele. Da nimmt man kaum Notiz voneinander“, beschreibt Gärtner den Alltag im Vielparteien-Haus. Gärtner wohnt im selben Stock wie die Familie L. Er hat mit dem mutmaßlichen Täter zwei, drei Mal geredet.  „Wie man halt so redet, wenn man einander begegnet. Jedenfalls war da nichts Auffälliges an der Familie. Die Frau war immer still, wenn er mit mir ein paar Worte gewechselt hat. Wir haben von dieser Tragödie nichts mitbekommen und sind schockiert, dass so etwas hier passiert ist.“ Die Tat sei natürlich Gesprächsthema Nummer eins im Haus. „Aber viel über die Familie gewusst, hat keiner“, ergänzt Gärtner.“

Auch Helga Kurz (77), die im selben Stock fast nebenan der L. wohnt, und so wie der frühere Hausmeister eine Bewohnerin der ersten Stunde ist, kann nur den Kopf schütteln. „Ich habe eine schwere Eingangstür, durch die man nichts hört. Aufgefallen ist mir erst dann etwas, als mir eine Freundin von den vielen Polizeibeamten erzählte, die da bei uns herum sind.“ Die Polizei habe sie auch befragt. „Ich konnte ihnen nichts erzählen.“ Frau Kurz‘ Bezug zur Opferfamilie beschränkte sich auf gelegentliche Begegnungen. „Einmal fragte ich die Frau, ob sie neu im Haus sei. Sie hat mir freundlich geantwortet. Und einmal, als ich gerate auf einer mehrwöchigen Reha war, hat sich der Mann nach mir erkundigt. Er fragte eine Freundin von mir, wo denn Oma sei und ob es ihr gut gehe. Ich fand das etwas merkwürdig.“

Freundliche Begegnungen

Familie L. ist im Metro-Hochhaus nicht unangenehm aufgefallen. Eher das Gegenteil war der Fall. Hausmeisterin Fabiana Stanoljovic, die zwei Stockwerke über den L’s wohnt erzählt den VN von ihren Erlebnissen mit den Mitbewohnern, die nun schreckliche Berühmtheit erlangten. „Alle Begegnungen, die ich als Hausmeisterin oder einfach nur als Nachbarin mit der Familie hatte, waren positiv.“ Sie hätte sowohl mit dem Mann als auch mit der Frau stets freundliche Kontakte gehabt. „Beide haben sie immer nett gegrüßt. Ich hatte das Gefühl, dass er arbeitslos war. Als ich ihn einmal fragte, was er mache, hat er mir geantwortet, er habe noch keine Arbeit“, berichtet die Hausmeisterin. Die fünfköpfige Familie hätte nur eine sehr kleine Wohnung zur Verfügung gehabt. „Es war nur eine Zwei-Zimmer-Wohnung“, sagt die Hausmeisterin.

Auf einen Konflikt innerhalb der Familie wies bei den Mitbewohnern nichts hin. „Ich bin einfach nur fassungslos“, beschreibt Stanoljovic ihre Gedanken. Auch sie sei sehr irritiert gewesen, als sie auf einmal die vielen Polizisten im Haus sah.

Im Haus erinnert äußerlich nichts mehr an die Tragödie. Omnipräsent ist sie trotzdem.