Der Taxibon für junge Menschen ist gescheitert

01.05.2019 • 07:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Aus dem Pilotprojekt für einen landesweiten Nachtmobilitätsbon für Jugendliche wurde nichts.

Bregenz Es hätte ein Paradebeispiel für gelungene Landtagsarbeit werden können. Eine Partei schlägt etwas vor, alle ziehen mit, am Ende steht die Umsetzung. Beim Nachtmobilitätsbon schien es nach diesem Schema zu laufen. Doch das Vorhaben verlief im Sand. Eine Anfragebeantwortung von Mobilitätslandesrat Johannes Rauch (Grüne) an FPÖ-Parteichef Christof Bitschi erklärt das Scheitern.

Im September 2015 brachte FPÖ-Landesparteichef Christof Bitschi einen Vorschlag auf die landespolitische Bühne. Er wollte Vorarlberger Taxibons für junge Menschen. Die anderen Fraktionen folgten: Super Idee, tolle Sache, haben wir schon lange gefordert, setzen wir um, es darf nicht zu viel kosten. Im Mai 2016 beschäftigte sich der Landtag damit, im März 2017 stand das Konzept fest. Aus dem Taxibon wurde der Nachtmobilitätsbon. Er hätte für alle öffentlichen Verkehrsmittel gelten sollen, also auch im Zug und im Bus. Drei Euro hätte er kosten sollen, fünf Euro wäre er wert gewesen.

7000 Jugendliche

Das Angebot hätte sich an Vorarlberger im Alter zwischen 15 und 25 Jahren gerichtet und im Montafon, Walgau, Großen Walsertal und Brandnertal getestet werden sollen. Landesrat Rauch war optimistisch: „Wenn er funktioniert, weiten wir den Bon auf das ganze Land aus. Ich gehe davon aus, dass er von den Jugendlichen angenommen wird.“ Bitschi freute sich: „Damit wird unsere Initiative umgesetzt. Ein schöner Erfolg.“ Am 1. Juli 2017 hätte der Pilotversuch starten sollen. 7000 Jugendliche wären damit erreicht worden. Hätte … Wäre …

Laut Anfragebeantwortung hat eine Arbeitsgruppe den Vorschlag der Landesregierung in ein konkretes Pilotprojekt gefasst. Die Gruppe bestand aus Vertretern des Verkehrsverbunds und der Fachgruppe Beförderungsgewerbe in der Wirtschaftskammer. Das Ergebnis wurde vom Landtag besprochen, die gewünschten Änderungen noch berücksichtigt; fertig war das Konzept. Dabei blieb es. Laut Landesrat aus vier Gründen. Erstens: die finanzielle Beteiligung der Taxiinnung. Sie habe sich höchstens in Form einer Bearbeitungsgebühr von 50 Cent pro Bon beteiligen wollen. „Damit war die Finanzierung nicht gesichert“, schreibt Rauch. Zweitens: Das Modell sei nicht kompatibel mit der Taxibetriebsordnung und Gesetzesänderungen nicht möglich gewesen.

Angst um das eigene Modell

Drittens: Die Stadt Bludenz habe ein funktionierendes Taxbibonmodell und fürchte darum. Rauch fährt fort: „Ohne Bludenz und die Umlandgemeinden wäre das Projekt nicht zu realisieren gewesen.“ Viertens: Es fehlten Taxianbieter im Montafon, die in der Nacht fahren. Die Region Montafon habe sich längere Zeit bemüht, einen oder mehrere Taxibetreiber zu finden, sei mittlerweile von diesem Vorhaben aber wieder abgerückt. Stattdessen gebe es nun das Sammeltaxi „go & Ko“. „Die Erfahrungen sind durchwegs positiv“, betont Rauch.

Eine Finanzierungsfrage, eine Gesetzesmaterie, eine Konkurrenzangst und fehlendes Angebot haben dazu geführt, dass aus einem gemeinsamen Landtagsvorhaben nichts wird. Die Jugend zahlt wie gehabt.