Knockout am blauen Platz

10.05.2019 • 16:14 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Anwalt David Rosenberger mit seinem Mandanten B.D.  VN/Hartinger
Anwalt David Rosenberger mit seinem Mandanten B.D.  VN/Hartinger

Folgenschwere Schlägerei in Lustenau. Gericht erkennt hohe Amtsträger als Provokateure.

LUSTENAU Es wurde letztlich mehr als nur eine b’soffene Gschicht. Gegen Mitternacht am 1. Februar lag ein knapp 50-jähriger Mann mit einem Schädelbasisbruch mitten auf dem blauen Platz in Lustenau. Sein Bruder hatte eine Gesichtsverletzung. Physisch unversehrt blieb nur der Dritte im Freundesbunde. Wer die Verletzungen zugefügt hat, steht zweifelsfrei fest: B.D., ein 43-jähriger Lustenauer. Die Auseinandersetzung im Dorfzentrum bildete den unrühmlichen Höhepunkt eines Konfliktes, der knapp zwei Stunden vorher begann und über Wochen Gesprächsthema an Stammtischen war. B.D., in Lustenau geborener Österreicher mit türkischen Wurzeln, wurde vom Landesgericht Feldkirch rechtskräftig vom Vorwurf der schweren Körperverletzung freigesprochen. Er handelte in Notwehr, befand das Gericht. In Begleitung seines Anwaltes David Rosenberger erzählt B.D. die Geschichte aus seiner Sicht.

„Du Sch…-Türk“

„Ich kehrte mit meiner Lebenspartnerin in der Italy-Bar am blauen Platz ein. Kurz darauf kamen drei Männer herein. Sie waren offensichtlich nicht mehr nüchtern, machten großen Lärm und fingen an, sich über einen Gast lustig zu machen. Es wurde zunehmend beleidigender. Der Mann, der ebenfalls betrunken war, wehrte sich und gab kontra. Plötzlich stieß ihn einer des Trios vom Stuhl. Er lag am Boden. Da stehe ich auf und will ihm, den drei Männern mit dem Rücken zugekehrt aufhelfen. Da fingen sie an, verbal auf mich loszugehen. ‚Du Scheiß Türk, was mischst du dich da ein. Verpiss dich. Wichser. ‚Weißt du eigentlich wer wir sind‘. Solche Dinge sagten sie zu mir. Ich zitterte, war extrem geschockt und betroffen. Vor 30 Leuten und meiner Lebensgefährtin in eine solch unangenehme Situation zu kommen, war für mich schrecklich. Als einer der drei auf mich losgehen wollte, wurde er von einem anderen Gast zurückgehalten. Meine Partnerin überredete mich schließlich, das Lokal zu verlassen.“

„Ich weiß, wer ihr seid“

Zu Hause habe dann seine Freundin gegoogelt, ob man die Beleidiger nicht belangen könne. „Ich rief meinem Schwager an, der den Bürgermeister gut kennt. Der versuchte, den Bürgermeister zu kontaktieren und schrieb ihm dann ein Mail“, so B.D. weiter. Als er gemerkt habe, dass er in der Bar seine soeben gekauften Zigaretten vergessen hatte, ging B.D, der nur unweit vom Zentrum wohnt, zurück, um diese zu holen. Dann sei es zur zufälligen Wiederbegegnung mit den Männern gekommen. Sofort hätten die ihn wieder beschimpft. „Ich sagte ihnen ins Gesicht, dass ich wisse wer sie sind und sie sich vielleicht noch bei mir entschuldigen würden. Das hat sie noch mehr in Rage gebracht. Plötzlich bekam ich einen Faustschlag von der Seite. Ich sagte ihnen sie sollen aufhören zu schlagen, sonst schlage ich zurück. Und als das nicht passierte, schlug ich zwei Mal zu.“

Gegenoffensive

Die Polizei trennt die Streithähne und nimmt B.D. mit zur Einvernahme auf den Posten. „Ich hatte Glück, dass Menschen vor Ort waren, die meine Version bestätigten. Eine vermeintliche Zeugin hat nämlich glatt gelogen und mich als Angreifer hingestellt. Sie war gar nicht am Schauplatz war. Hätte ich meine Notwehrsituation nicht beweisen können, stünde ich jetzt als Vorbestrafter da.“ Jetzt geht Anwalt David Rosenberger mit seinem Mandanten in die Offensive. „Wir haben eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft eingebracht. Wir ermächtigen darin die Staatsanwaltschaft zur strafrechtlichen Verfolgung dieser drei Personen wegen Beleidigung und Körperverletzung“, erklärt Rosenberger. Im Falle eines Strafverfahrens würde man sich gegen die Beschuldigten als Privatbeteiligte anschließen und Ansprüche im Verfahren konkretisieren.

Anwalt David Rosenberger mit seinem Mandanten B.D.VN/Hartinger
Anwalt David Rosenberger mit seinem Mandanten B.D.VN/Hartinger