Böse Drohung gegen die Turnlehrerin

14.05.2019 • 17:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Kurt* ist im persönlichen Gespräch alles andere als aggressiv. In seiner Klasse wird er von den Mitschülern oft gehänselt.VN/Paulitsch
Kurt* ist im persönlichen Gespräch alles andere als aggressiv. In seiner Klasse wird er von den Mitschülern oft gehänselt.VN/Paulitsch

Kurt * (13) wurde für zwei Wochen von seiner Schule suspendiert und ist derzeit in einer Spezialbetreuung.

Dornbirn Kurt schaut wahrlich nicht wie einer aus, vor dem man Angst haben müsste. Der großgewachsene 13-Jährige wirkt verlegen, kaut immer wieder an seinen Fingernägeln und ist seinem Gesprächspartner gegenüber äußerst höflich. „Es tut mir wirklich leid“, sagt er immer wieder in einem der Räume des „Zick-Zack“ in Dornbirn, einer Sozialeinrichtung der „Aqua Mühle“. Kurt muss dort eine gute Woche verbringen. Man macht Sozialarbeit mit ihm und bereitet ihn auf die Rückkehr an seine Mittelschule im Unterland vor.

„Ich bring‘ dich um“

Was hat Kurt getan, dass man ihn vorübergehend aus seiner Schule warf? „Es war kurz vor der Turnstunde. Die anderen haben mich wieder einmal gehänselt. So wie sie das oft tun. Ich habe mich gewehrt.Es schaukelte sich alles hoch. Bis die Lehrerin sagte: ‚So, jetzt gehen wir nicht mehr turnen‘. In der Klasse wurde alles noch ärger. Einer hat dann noch meine Mutter beleidigt. Ich ging auf ihn los. Man musste mich zurückhalten. Irgendwann war auch die Turnlehrerin aufgebracht. Dann sagte ich ihr, ich würde sie umbringen. Es tut mir so leid.“ Er könne sich gar nicht mehr erinnern, das gesagt zu haben.

Ein offener Bub

Kurt wurde vom Direktor für sein Verhalten gegenüber der Turnlehrerin, mit der er gewöhnlich kein Problem hat, von der Schule suspendiert. „Ich hab der Lehrerin noch gesagt, wie leid es mir tue. Aber von der Schule musste ich trotzdem.“

Es dauerte ein paar Tage, bis alles erledigt war, sodass Kurt ins „Zick Zack“ kommen konnte. Er fühlt sich hier sehr wohl. „Wir werden herausfinden, wie wir ihn dann wieder in seiner Schule integrieren können“, sagt „Zick Zack“-Suspendiertenbetreuer Bertram Seewald (54) und wirft Kurt einen aufmunternden Blick zu. „Kurt ist ein offener Bub. Er macht bei unserem Programm prima mit und kann’s gut mit den anderen betreuten Jugendlichen“, erzählt Seewald. Kurt wird in den kommenden Tagen viel über sich und seine Situation sprechen. Er soll in seinem Selbstwert gestärkt und auf seine Rückkehr an die Schule vorbereitet werden. Wie das geschehen soll, muss sorgfältig geklärt werden. „Kommen auch wir kurz an die Schule? Wird die Beratungslehrerin vor Ort seine Wiedereingliederung begleiten? Müssen wir die Klasse mit einbinden? Das sind alles Fragen, die wir zu klären haben“, erklärt Seewald.

Gegner der Ausgrenzung

Als Anlaufstelle für Schüler mit Problemen ist das „Zick Zack“ in Vorarlberg nicht allein. Da gibt es auch noch die „Lebensweltorientierte Betreuung“ im Rahmen der Lebenshilfe mit drei Standorten samt Schule in Wolfurt, Feldkirch und Schlins. „Wir haben bei uns Kinder mit Traumata, die sich in größeren Gruppen nicht zurechtfinden und besondere Zuwendung brauchen“, berichtet Gerhard Heinritz, Koordinator der Einrichtung, die man auch mit dem Kürzel Paedakoop (Pädagogik und Kooperation) in Beziehung bringt. Die drei Privatschulen mit öffentlichem Recht haben acht Klassen mit 58 Plätzen.

Die Schüler sind in Kleingruppen zusammengefasst. Es gibt in den einzelnen Gruppen Teamteaching. „Da sind einige dabei, die Probleme mit Gewalt haben. Wobei diese Gewaltprobleme sehr vielschichtig sein können“, erläutert Heinritz. Oft würden sie wegen mangelnder Zuwendung aggressiv. Heinritz ist ein Gegner von Time-out-Klassen. „Weil man da ausgrenzt, und das Gefühl der Ausgrenzung für Kinder und Jugendliche ein sehr schlimmes ist“, argumentiert der Experte. Womit immer mehr Kinder Probleme haben: „Sich mit Regeln und Vorgaben zurechtzufinden. Dieses Phänomen nimmt stark zu.“

  * Name von der Redaktion geändert

„Ich hab‘ der Lehrerin gesagt, es tut mir leid. Aber ich musste trotzdem von der Schule.“