So wird der neue Bahnhof in Bregenz aussehen

12.06.2019 • 14:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Projektpräsentation heute in Bregenz: Bei grünem Licht der Stadtvertretung kann mit der Detailplanung des neuen Bregenzer Bahnhofs begonnen werden. VN/Hartinger
Projektpräsentation heute in Bregenz: Bei grünem Licht der Stadtvertretung kann mit der Detailplanung des neuen Bregenzer Bahnhofs begonnen werden. VN/Hartinger

77-Millionen-Projekt auf Schiene. Heute soll Bregenzer Stadtvertretung Grundsatzvereinbarung beschließen.

Bregenz Es kommt Bewegung in ein fast schon totgeglaubtes Großprojekt. Stadt Bregenz, ÖBB und Land Vorarlberg haben heute in groben Zügen die Pläne für den Neubau des Bregenzer Bahnhofs präsentiert. Nach zehn Jahren Planungen und öffentlichen Diskussionen mache es jetzt keinen Sinn mehr, weiter zuzuwarten, sagt Bürgermeister Markus Linhart. Während Bahn und Land bereits grünes Licht für das Bauvorhaben gegeben haben, soll die Stadtvertretung heute Abend folgen. Mit dem „Beschluss einer Grundsatzvereinbarung zur Mobilitätsdrehscheibe Bahnhof Bregenz“, wie es unter Punkt 2 der Tagesordnung zur aktuellen Sitzung heißt. Danach können die Detailplanungen in Angriff genommen werden. Auch auf die privaten Projekte Seequartier und Seestadt wartet damit der Startschuss.

So sieht der neue Bahnhof von der Seeseite betrachtet aus. Gnädinger Modellbau
So sieht der neue Bahnhof von der Seeseite betrachtet aus. Gnädinger Modellbau

Bereits vor zwei Monaten haben die VN wesentliche Fakten zum neuen Bahnhof enthüllt. Bestätigt wurden sie nun bei der Projektpräsentation. Als zentrale Drehscheibe und attraktives Eingangstor für den öffentlichen Verkehr wurde das 77-Millionen-Euro-Projekt bezeichnet. Den Bärenanteil der Kosten tragen mit 48 Millionen Euro die ÖBB, das Land Vorarlberg steuert 15 Millionen, die Stadt 14 Millionen bei. Die finanzielle Einigung nennt Linhart einen „großen Wurf“. Jetzt gelte es in die Umsetzung zu kommen, weitere Verzögerungen könnten die Finanzierungszusagen gefährden.

Absage an Alternativprojekt

Damit wurden Überlegungen um eine Verlegung der Landesstraße eine klare Absage erteilt. Nachdem das Architekturbüro Dietrich-Untertrifaller als Sieger eines Wettbewerbs hervorgegangen war und mit der Planung des neuen Bahnhofs beauftragt wurde, hatte Architektur-Professor Roland Gnaiger eine Alternative mit veränderter Straßenführung ins Spiel gebracht. Eine solche sei schon im Rahmen des Masterplans vor Jahren geprüft und für negativ befunden worden, hieß es dazu gestern. Neuerlich wurde jetzt untersucht, ohne zu einem anderen Ergebnis zu kommen. In demonstrativer Einigkeit haben die Bauherren diese Alternativpläne jetzt endgültig begraben. Aus mehrerlei Gründen, wie auch Landesstraßenbauamt und ÖBB argumentierten. Die am besten funktionierende Lösung sei eben jene, die jetzt umgesetzt werden soll.

Bauherren und Planer (v.l.): Franz Hammerschmid (ÖBB), Markus Linhart, Arch. Much Untertrifaller, Gerhard Schnitzer (Land), Werner Baltram (ÖBB) und Arch. Helmut Kuess. VN/Hartinger
Bauherren und Planer (v.l.): Franz Hammerschmid (ÖBB), Markus Linhart, Arch. Much Untertrifaller, Gerhard Schnitzer (Land), Werner Baltram (ÖBB) und Arch. Helmut Kuess. VN/Hartinger

Sie trägt die Handschrift von Much Untertrifaller. Der Architekt spricht von einem Gelenk zwischen Innenstadt und Vorkloster sowie Innenstadt und See. Ein vitaler Ort soll der neue Bahnhof werden, der seiner Bedeutung entspreche. Eine große Holz-Glas-Konstruktion, repräsentativ hin zur Innenstadt, etwas kleiner zum See, prägt das Bild der Mobilitätsdrehscheibe. Der Individualverkehr gehöre dazu, ihn herauszunehmen und an den Rand zu schieben wäre widersinnig, so Untertrifallers Seitenhieb auf die bis zuletzt geprüften Alternativpläne. Gerhard Schnitzer, Leiter Straßenbau des Landes, schlägt in dieselbe Kerbe. Bei den Planungen habe man großen Wert darauf gelegt, dass alle Verkehrsarten gleichermaßen funktionieren.

Bauende 2026

Der hohe Anteil an Glas in der Konstruktion spielt für die ÖBB eine entscheidende Rolle. „Keine dunklen Räume, keine engen Winkel“, beschreibt Franz Hammerschmid von der ÖBB-Infrastruktur. Man wolle Angsträume verhindern. Einen ebenso hohen Stellenwert hat der barrierefreie Zugang der Bahnsteige. Am Bahnhofsvorplatz soll der Umstieg auf Busse und Fahrrad trockenen Fußes gelingen. Die Pläne sehen 16 Anlegekanten für Busse und mehrere Hundert Fahrradabstellplätze zur Stadt wie auch zum See hin vor.

Ein Jahr lang sollen die Detailplanungen jetzt dauern, dann können die Arbeiten beginnen. Zuerst wird die Hypo-Unterführung attraktiviert und barrierefrei ausgeführt. Die gesamten Bauarbeiten könnten fünf Jahre dauern, weil der Betrieb während der Bauphasen aufrechtgehalten werden muss, heißt es seitens der ÖBB.

Eine weitere Ansicht aus Richtung Vorkloster mit Gebäuden des Seequartiers. Gnädinger Modellbau
Eine weitere Ansicht aus Richtung Vorkloster mit Gebäuden des Seequartiers. Gnädinger Modellbau
Erläuterungen des Bauvorhabens durch Bürgermeister Markus Linhart. VN/Hartinger
Erläuterungen des Bauvorhabens durch Bürgermeister Markus Linhart. VN/Hartinger