Gericht: Haftstrafen für Tschetschenen wegen Erpressung

14.06.2019 • 15:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Vater und zwei Söhne nach sechs Stunden Prozessdauer verurteilt.

Christiane Eckert

Feldkirch Um die Geschichte zu verstehen, muss man ins Jahr 2016 zurückgehen. Am 18. November wurde im deutschen Neu-Ulm der mehrfache Kickbox-Weltmeister Musa Musalev vor seinem Haus auf offener Straße im Dunkeln erschossen. Der Schütze floh, ein Komplize wartete im Auto, bis heute ist der Mord ungeklärt. Der Mann hinterlässt eine Frau und drei Kinder. Das Motiv, warum man den gebürtigen Kasachen, der als Kampfsportler äußerst erfolgreich war, ermordete, ist unklar. Eine Vermutung führt in den Bereich des Betäubungsmittelgesetzes, doch bewiesen wurde das nie. Jedenfalls gibt es dazu noch Ermittlungen, und die erstreckten sich auch auf einen tschetschenischen Ringtrainer, der immer wieder in Österreich weilte. 

Belastet

Diesen Ringtrainer soll ein 37-jähriger, in Vorarlberg lebender Tschetschene belastet haben. Er habe vor der Polizei Dinge angegeben, die dem Ringtrainer nicht zum Vorteil gereichen. Danach wurde der Zeuge nachweislich massiv bedroht. Und genau diese belastenden Aussagen waren Kern der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. Der 37-Jährige behauptet als Opfer und Zeuge, eine tschetschenische Familie (Vater und zwei Söhne) soll ihn gedrängt haben, diese Aussagen zurückzuziehen. Der in Vorarlberg lebende 47-jährige Angeklagte und seine beiden Söhne hätten den unliebsamen Zeugen in eine Hohenemser Wohnung gelockt und ihn dort vier Stunden gequält. Laut Anklage sei Ziel des Martyriums gewesen, dass der Mann künftig nicht mehr mit der Polizei zusammenarbeitet, nationales Zusammengehörigkeitsgefühl zeigt, seine Aussage zurückzieht und zudem 15.000 Euro bezahlt. Anderenfalls würden sie ein Video, auf dem sie den Mann zwangen, sich als Verräter zu deklarieren, ins Netz zu stellen. „Das hätte in Tschetschenenkreisen quasi Vogelfreiheit bedeutet“, erklärt Staatsanwältin Konstanze Manhart im Eröffnungsplädoyer. Dass das Opfer große Angst hatte, wird dadurch bestätigt, dass sich der Mann sogar in die Hose machte, weil er weitere Repressalien befürchtete.

Knapper Ausgang

Der Gepeinigte wird einvernommen. Immer mehr Geschichten ranken sich um verletzte Ehre, Rache und Intrigen. Und bis zum Schluss bleibt vieles unklar, was im Hintergrund abgelaufen ist. Nach knapp sechs Stunden Prozess kommt das Gericht zu dem Schluss: „Mag auch vieles ungereimt scheinen, bezüglich der wichtigen Punkte sind wir überzeugt, dass der Zeuge die Wahrheit gesagt hat.“ So verkündet der Vorsitzende Michael Fruhmann die Strafen: zwei Jahre Haft, acht Monate davon unbedingt, für den Vater und einen Sohn. Der zweite Sohn kommt mit 18 Monaten, sechs davon unbedingt, davon. Das Urteil ist rechtskräftig.