Älpler fürchten sich vor dem Wolf

28.06.2019 • 19:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alpidylle in Vorarlberg. Die Alpwirtschaft sorgt nicht nur für köstlichen Alpkäse, sondern auch für gepflegte Landschaften im Gebirge. VN/Lerch
Alpidylle in Vorarlberg. Die Alpwirtschaft sorgt nicht nur für köstlichen Alpkäse, sondern auch für gepflegte Landschaften im Gebirge. VN/Lerch

Appell zur Förderung der Alpen als Lebensraum, Produktionsstätte und Tourismusmagnet.

schwarzenberg Die Verantwortlichen der Vorarlberger Alpwirtschaft hatten sich einen idyllischen Ort für ihr Plädoyer ausgesucht: die Alpe Oberlose in Schwarzenberg mit ihren 55 Milchkühen und 38 Schweinen, seit 24 Jahren bewirtschaftet von der Familie Sieber. Ein Ort, so wie er in seiner Art sein soll, ein herzeigbares Stück Landwirtschaft in gepflegter Natur mit umtriebigen Bewirtschaftern und edlen Erzeugnissen.

Vorbild Vorarlberg

„Unsere Alpwirtschaft gilt als Vorbild in ganz Österreich“, sagt Alpwirtschaftsvereinsobmann Josef Türtscher stolz. „Es geht ihr gut, aber es gibt auch Sorgen“, räumt Türtscher ein. Als eine dieser Sorgen nennt der oberste Älpler im Land die Großraubtiere, konkret den Wolf. „Wir brauchen Unterstützung für den Herdenschutz.Wir fordern, dass der absolute Schutzstatus für den Wolf fällt.“ Gleiches denkt Landesrat Christian Gantner. „Die Wolfspopulation in Italien und der Schweiz hat sich in kurzer Zeit verdoppelt. Wir hatten bisher Glück, dass nur gelegentlich Wölfe bei uns durchzogen. Was aber, wenn sich auch bei uns ein Rudel bildet?“

Forderungen der Älpler

Sorgen machen sich die 1000 heimischen Älpler, die heuer an 520 Standorten 40.000 Tiere sömmern, auch über die Zukunft der Leistungsabgeltung für ihren Dienst an Tier und Natur. „Wir brauchen mehr Geld für die Alpwirtschaft“, fordert Altlandesrat Erich Schwärzler in seiner Funktion als Obmann der Almwirtschaft Österreich. Darüber hinaus macht sich Schwärzler für eine stärkere Partnerschaft mit dem Tourismus sowie eine klare Kennzeichnung von Alpwirtschaftsprodukten stark. Finanzielle Förderung sollten vor allem jene bekommen, die die Alpen tatsächlich bewirtschaften, fordert der Altlandesrat.

Verantwortung

Andere Probleme der Alpeigentümer stehen indes vor Lösungen. Für exakte Flächenberechnungen, die wichtig sind für EU-Subventionen, ist eine neue Technologie in Ausarbeitung. Die bei den Älplern nach dem Tiroler „Kuhattackenurteil“ entstandene Unsicherheit wurde durch eine vom Land abgeschlossene Versicherung zumindest reduziert. „Das Ergebnis der Berufung nach dem Urteil gegen jenen Alpbesitzer, auf dessen Grund die tödliche Kuhattacke gegen eine Frau geschah, steht allerdings noch aus“, weiß Gantner. Er und Schwärzler verweisen zudem auf einen Aktionsplan der Bundesregierung und der Landwirtschaftskammer, in dem Verhaltensregeln und Eigenverantwortung der Alpbesucher klar definiert sind.

Verantwortungsbewusstsein legen nach Meinung von Bundesbäuerin Andrea Schwarzmann jedenfalls die Älpler an den Tag. „Ihr täglicher Einsatz erhält den Lebensraum in den Bergen“, betont sie.

Anlässlich der österreichischen Alpwirtschaftstagung in Mellau werden Älpler aus dem ganzen Bundesgebiet kommende Woche zwischen Dienstag und Donnerstag Bilanz ziehen und Zukunftsstrategien diskutieren.

„Der tägliche Einsatz der Älpler erhält den Lebensraum in den Bergen.“

Alpwirtschaft Vorarlberg

» 520 Alpen

» 1000 Älplerinnen und Älpler

» 40.000 Tiere auf Vorarlbergs Alpen

» 8500 davon sind Milchkühe

» 500.000 Kilo Alpkäse werden jährlich produziert

» 5,5 Millionen Euro Förderung für Alpwirtschaft

» 3,2 Millionen Euro davon vom Land