„Wahrscheinlich war ich zu lästig“

05.07.2019 • 17:12 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Katharina Lins hätte sich vom Mobilitätskonzept mehr erwartet. VN/Schuster
Katharina Lins hätte sich vom Mobilitätskonzept mehr erwartet. VN/Schuster

Ab Herbst sitzt Lins nicht mehr im Raumplanungsbeirat.

Bregenz Klimaschutz und Naturschutz sind nicht immer einer Meinung, wie Naturschutzanwältin Katharina Lins im VN-Interview erklärt; zum Beispiel bei Radwegen und Wasserkraftwerken.

 

Am Donnerstag beschloss der Landtag das neue Naturschutzgesetz. Sind Sie zufrieden?

Lins Das Glas ist halb voll. Und wenn man Durst hat, ist ein halb volles Glas auch schon etwas. Ich finde es aber schade, dass auf Druck der Landwirtschaft einige Punkte aus dem Entwurf gestrichen wurden. Eingriffe in Quellenbiotope müssen zukünftig bewilligt werden. Nun hat man eine Ausnahme für landwirtschaftlich genutzte Quellen gemacht. Bei den Streuwiesen wurde eigentlich klargestellt, dass eine Düngung eine unzulässige Veränderung ist. Das ist jetzt auch wieder rausgeflogen.

 

Das Gesetz regelt auch die Beteiligung von NGOs.

Lins Da hat man möglichst wenig möglichst spät gemacht. Immerhin ist es ein Schritt in die richtige Richtung, aber es ist nur das, was laut Gerichten notwendig ist. Überall, wo Organisationen ein Einspruchsrecht haben, haben wir auch eines bekommen. Umgekehrt ebenfalls. Aber das tut niemandem weh. Wir haben fünf Fälle, in denen wir laut Naturschutzgesetz Einspruch einlegen können, das ist noch nie eingetreten. Uns fehlt weiterhin die volle Parteistellung.

 

Im Landtag wurde auch der Klimanotstand ausgerufen. Eine gute Sache?

Lins Ich sehe es gemischt. Prinzipiell finde ich es gut, dass man Klimathemen ernst nimmt. Aber wenn dem nicht tatsächlich Maßnahmen folgen, ist es nur symbolisch.

 

Eine beschlossene Maßnahme ist die CO2-Reduktion, wie sie im Mobilitätskonzept vorgesehen ist.

Lins Das Konzept ist noch gar nicht beschlossen. Und was drin steht, reicht lange nicht aus. Man hat versucht, alles für die Radfahrer, alles für die Autofahrer und alles für den Flugverkehr zu tun. Man müsste aber Prioritäten setzen und Klimamaßnahmen bevorzugen.

 

Was wäre eine einfache, rasche Änderung für mehr Klimaschutz?

Lins Warum wird nicht einfach ein Tempolimit von 100 Stundenkilometern auf der Autobahn eingeführt? Man sagt immer: Klimamaßnahmen kosten etwas. Aber ein Tempolimit kostet gar nichts. Emissionen würden zurückgehen, die Sicherheit erhöht, es gäbe weniger Lärm. Aber man traut sich nicht.

 

Die Politik möchte die Menschen zum Umstieg motivieren, es werden viele Radwege gebaut.

Lins Dabei kommt es zu Konflikten zwischen Naturschutz und Klimaschutz. Bei der Wasserkraft wird in Gewässer eingegriffen, Lebensraum reduziert und die Ökologie gestört. Und sie kommen und sagen: Klimaschutz. Oder wir haben Radwege, die durch ein Biotop führen. Im Lauteracher Ried zum Beispiel gibt es schon eine lange Diskussion über eine solche Fahrrad­autobahn, nicht ohne Schmerzen für den Naturschutz.

 

Als die Landesregierung Weißzonen ausrufen wollte, hat es nicht geklappt. Was halten Sie davon?

Lins Die Idee ist gut. Es gibt nur noch wenig unerschlossene Bereiche, wo wirklich Ruhe herrscht, zu denen Fußwege führen, aber keine Straßen. Ich habe gerade Fotos vom Alpweg Gweil gesehen, das schaut wahnsinnig aus. Die Alpe hat man für eine Million Euro erschlossen, ein guter Teil davon stammt aus öffentlicher Hand.

 

Stören E-Bikes die Ruhezonen?

Lins Je leichter du irgendwo raufkommst, desto größer ist die Störung. Bis ins hintere Silbertal läuft man drei bis vier Stunden, mit dem Fahrrad braucht man eine halbe Stunde. Das gibt eine ganz andere Frequenz, wichtige Ruhezeiten für Tiere werden gestört. Landesrat Rauch hat kürzlich gesagt, dass man sich überlegen muss, wie man es reguliert. Dabei wird es normale Mountainbiker auch erwischen.

 

Das Raumplanungsgesetz ist bereits in Kraft. Es betrifft auch Sie. Wie lange sitzen Sie noch im Raumplanungsbeirat?

Lins Der neue Beirat soll nach der Wahl zusammengestellt werden, da sind keine Umweltinteressen mehr dabei. Landesstatthalter Rüdisser wollte nur Fachleute. Nun sind alle drin außer dem Umweltschutz und Teilnehmern wie dem Militärkommando. Die Parteien haben sich wieder reinreklamiert, Wirtschaftsvertreter auch. Raumplanung hat mit Natur zu tun, diese Seite sollte auch berücksichtigt werden. Wahrscheinlich war ich zu lästig.

Lesen Sie auf VN.at, was Lins über den Standortanwalt, Dienstreisen der Politker und Öffentlichkeitsarbeit sagt.