Gericht: Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung

Vorarlberg / 16.07.2019 • 07:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Es stand Aussage gegen Aussage, schlussendlich wurde der Angeklagte von einem schwerwiegenden Vorwurf freigesprochen. HOFER

Angeklagter fasste wegen gefährlicher Drohung dennoch eine Geldstrafe von 440 Euro aus.

Feldkirch War es das schreckliche Martyrium einer mehrfachen Vergewaltigung oder der Versuch einer jungen Frau, zu vertuschen, ihren Angebeteten in dieser Nacht betrogen zu haben? Nach zwei Verhandlungstagen und einer insgesamt knapp achtstündigen Verhandlung im Schwurgerichtssaal am Landesgericht Feldkirch ist der 18-jährige Bregenzer vom Vorwurf der Vergewaltigung und Nötigung freigesprochen worden.

Wie Rechtsanwalt Manfred Keller schon beim Anfangsvortrag erklärt, handelt es sich um eine klassische Aussage-gegen-Aussage-Situation. Denn der zum Tatzeitpunkt minderjährige Lehrling hält bis zuletzt daran fest, dass der Sex von beiden Seiten – Opfer wie Angeklagter – gewollt war. Die vorgeworfene Tat geschah an einem Abend im August 2018. Das Trio traf sich in der Wohnung des Angeklagten, weil dieser sturmfrei hatte. Sie wollten sich Videos reinzuziehen und sich besser kennen- und vielleicht auch lieben lernen. Denn das Opfer hatte ein Auge auf den Freund des Angeklagten, einen 16-jährigen Tschetschenen, geworfen. Als dieser einschlief, vertraute das Mädchen dem Burschen ein Geheimnis an. Ein fataler Fehler, denn der Angeklagte nutzte sein Wissen laut Anklage aus und zwang die junge Frau dazu, mit ihm zu schlafen.

Keine Beweise

Auch das mehrstündige Beweisverfahren bringt wenig Licht ins Dunkel. Vielmehr verstricken sich die beiden in Widersprüche. Zuletzt kann auch das Untersuchungsergebnis des Krankenhauses Dornbirn dem Vorwurf der Vergewaltigung nicht standhalten. Außer einem kleinen Hämatom am Bauch stellten die Ärzte nämlich keine Verletzungen fest. Dies sei laut Staatsanwältin Konstanze Manhart zwar kein Muss. Nicht immer ginge erzwungener Sex mit Verletzungen einher. Zudem betont das Opfer, sich aus Angst nicht gewehrt zu haben. Geholfen hätte es dennoch, denn nun kann die Vergewaltigung zwar geschehen sein, muss aber nicht. Die vorgeworfene Tat, die sich angeblich im August 2018 ereignet hatte, lässt sich einfach nicht beweisen. Richter Richard Gschwenter spricht den türkischstämmigen Unterländer deshalb vom Vorwurf der Vergewaltigung und Nötigung frei. Im Strafrecht gilt nämlich der Grundsatz:  Im Zweifel für den Angeklagten.

Keinen Freispruch hingegen gibt es für den Vorwurf der gefährlichen Drohung. „Dieser wurde ganz klar erfüllt, was sich durch die Snapchat-Nachrichten klar beweisen lässt“, so der Richter. Der Angeklagte fasst 120 Tagessätze zu je vier Euro aus. Das ist eine Gesamtstrafe von 480 Euro. „Aufgrund ihrer Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung im August 2018 können wir davon nichts bedingt nachsehen“, erklärt Richter Geschwenter. Rechtsanwalt Manfred Keller und der Angeklagte bitten um drei Tage Bedenkzeit. Das Urteil ist damit noch nicht rechtskräftig. CRO