Zerfleischtes Kalb bringt Wolf in Verdacht

05.08.2019 • 16:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wer immer dieses Kalb so zugerichtet hat, hat ganze Arbeit geleistet. Der Besitzer glaubt, dass ein Wolf sein Tier getötet und fast aufgefressen hat. Bilgeri, APA
Wer immer dieses Kalb so zugerichtet hat, hat ganze Arbeit geleistet. Der Besitzer glaubt, dass ein Wolf sein Tier getötet und fast aufgefressen hat. Bilgeri, APA

In Sibratsgfäll herrscht große Aufregung. Wildbiologe Schatz warnt vor voreiligen Schlüssen.

Sibratsgfäll Der Anblick ist alles andere als schön: ein sieben Monate altes Kuhkalb, halb aufgefressen, von der Mitte des Körpers nach hinten. „Wer sonst als ein Wolf soll das gewesen sein?“, fragt sich Daniel Bilgeri (25), Landwirt und Besitzer des Tieres „Zwischen dem Zeitpunkt, als ich das Kalb zum letzten Mal gesund gesehen habe und dem Moment, als ich es in diesem Zustand entdecken musste, vergingen circa 36 Stunden“, erzählt Bilgeri. „In dieser Zeitspanne können Füchse oder andere Fresser nicht ein halbes Tier dieser Größe fressen.“ Gefunden wurde das Nutztier am vergangenen Donnerstag.

Den Wolf als Schuldigen für den Tod des Kalbes nicht in Verdacht hat Wildbiologe Hubert Schatz (54). „Hätte ein Wolf das Tier getötet, dann hätte es Bissspuren im Bereich der Kehle oder am Kopf geben müssen. Ich habe das Kalb inspiziert und keine solchen Spuren gefunden“, argumentiert der Experte. Gernot Steurer, Jagdauf­seher im Fundgebiet, schließt sich der Meinung von Schatz an.

Wie das sieben Monate alte Tier zu Tode gekommen ist, bleibt ungeklärt. Schatz hält es für möglich, dass es abgestürzt ist. „Es könnte aber auch ein Herzversagen daran schuld sein. Möglich ist natürlich auch, dass es von einem anderen Tier zu Tode gehetzt wurde“, gibt es für Schatz eine Reihe von Erklärungen.

Besitzer will DNA-Test

Daniel Bilgeri gibt sich mit den Erklärungen des Wildbiologen nicht zufrieden. „Das Schaf kann an dieser Stelle nicht zu Tode gestürzt sein. Mein Opa kennt in seiner jahrzehntelangen Erfahrung keinen ähnlichen Fall, bei dem ein Kalb innerhalb so kurzer Zeit fast aufgefressen wurde und an einer solchen Stelle zu Tode gestürzt sein soll. Es gibt ja auch Fälle, wo Wölfe für den Tod von Nutztieren verantwortlich sind, ohne dass sie ihnen die Kehle durchbissen haben. Auch hat man unserem Kalb die Rippen durchgebissen. Das kann kein Fuchs gewesen sein“, widerspricht der junge Landwirt dem Wildbiologen. Er hätte gerne einen DNA-Test von den Überresten des toten Kalbes machen lassen. „Schatz wollte das nicht. Was ich nicht verstehe, denn damit hätte man viele Zweifel ausräumen können.“

Schatz mahnt zur Besonnenheit

Martin Bereuter (49), Bürgermeister von Sibratsgfäll, ortet in seiner Gemeinde und darüber hinaus bei Landwirten und Älplern eine große Verunsicherung. „Wir hatten schon Wolfsrisse in unserer Gegend. Für mich sind die Erklärungen des Wildbiologen zum Schicksal dieses Kalbes ehrlich gesagt auch nicht ganz nachvollziehbar.“ Bereuter, selbst Alpnutzer, will erkannt haben, „dass meine Tiere auf der Alp viel unruhiger sind als normal. Sie werden derzeit zwei Mal beobachtet und zeigen Zeichen von Nervosität. So als ob sie in Gefahr seien.“

Hubert Schatz mahnt indes zur Besonnenheit. „Es wird hier speziell von einem Älpler eine ziemliche Hysterie erzeugt, die nicht rational begründbar ist. Wir sollten uns an die Tatsachen halten und Ruhe bewahren. Es gibt keinen Grund für Panikreaktionen.“