LR Gantner sieht keinen Platz für Wölfe in Vorarlberg

09.08.2019 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im 19. Jahrhundert waren sie ausgerottet, jetzt sind die Wölfe wieder da und bereiten den Menschen Kopfzerbrechen. DPA

Wölfe bedeuten große Gefahr für die Alpwirtschaft. Schutzstatus müsse angepasst werden, meint Gantner.

Bregenz Der Wolf muss in Vorarlberg gar nicht mehr nachweislich in Erscheinung treten. Es reicht mittlerweile ein bloßer Verdacht, um große Irritationen, ja Panik, hervorzurufen. Unlängst passiert anlässlich der Entdeckung eines halb aufgefressenen Kuhkalbes in einem Waldgebiet bei Sibratsgfäll. Es war mit großer Wahrscheinlichkeit ein Wolf, behauptet der Besitzer. Es war mit ziemlicher Sicherheit kein Wolf, betont Wildbiologe Hubert Schatz . In Sibratsgfäll ortet Bürgermeister Martin Bereuter eine große Verunsicherung unter Landwirten und Älplern. Schuld daran sei der Wolf.

Freunde und Gegner

Tatsächlich zugeschlagen hat der Wolf bei Nutztieren zuletzt vor knapp einem Jahr. Damals riss der Räuber auf der Alpe Lad bei Hittisau drei Schafe. Drei Jahre zuvor hatten Wölfe im Klostertal gleich mehr als 20 Schafe getötet.

Landwirten, Älplern und Biologen ist klar: Der Wolf wird auch in Vorarlberg zum wiederkehrenden Besucher, so er nicht sogar ein Rudel bildet, wie er das in den Nachbarländern bereits mehrfach getan hat. Naturliebhaber begrüßen die Wiederkehr des grauen Räubers und sehen ihn als ökologische Aufwertung in unserer Kulturlandschaft. Besonders der World Wildlife Fund (WWF) Österreich hat sich zum Anwalt des zurückgekehrten Raubtiers gemacht und fordert vehement die Beibehaltung seines strengen Schutzstatus´.

Der Aktionsplan

In Vorarlberg sieht Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner (38) die Sache anders. „Wir haben nicht umsonst zusätzliche rechtliche Möglichkeiten im Vorarlberger Jagdgesetz geschaffen, die eine Vergrämung von Wölfen und in begründeten Fällen sogar eine Entnahme, sprich Abschuss, ermöglichen.“ Gantner weiter: „Ich habe großes Verständnis für die Sorge unser Älplerinnen und Älpler sowie für die Angst der Bauern. Nicht zuletzt deswegen haben wir den Aktionsplan Wolf ins Leben gerufen.“

Dieser sieht neben einer breiten Informationsschiene im Falle eines begründeten Verdachts auf einen Riss auch Entschädigungen für betroffene Landwirte und Förderungen für Herdenschutzmaßnahmen vor. Gantners grundsätzliche Meinung zum Wolf ist unmissverständlich. „Der Wolf hat keinen ausreichenden Lebensraum in unserem Land.“

Illegaler Abschuss

Die Forderungen nach schärferen Maßnahmen gegen Wölfe gibt es auch in anderen Bundesländern. In Salzburg und Tirol etwa wurden in Bezirkshauptmannschaften Anträge auf Abschussgenehmigungen für Problemwölfe eingebracht.“ Bei uns in St. Johann im Pongau hat die BH noch nicht entschieden. Was immer die Behörde entscheiden wird – zu 99 Prozent ist mit Beschwerden zu rechnen“, beschreibt Wolfsbeauftragter Hubert Stock die Situation. Auch in der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck Land wurde ein gleichlautender Antrag eingebracht. „Dieser wurde jedoch abgelehnt“, informiert Bettina Sax vom Land Tirol. Das hat Wolfsgegner nicht daran gehindert, einen Wolf illegal abzuschießen. Der Räuber hatte zuvor Schafe gerissen.

„Wölfe werden zunehmend gewildert, wenn es keine Lösungen gibt.

Hubert Stock, Wolfsbeauftragter Land Salzburg

„Dass Wölfe zunehmend gewildert werden, ist zu befürchten, wenn keine vernünftigen Lösungen gefunden werden“, stellt Stock eine düstere Prognose. Auch er beobachtet Überreaktionen bei Betroffenen und anderen, die glauben, Betroffene zu werden. Im Gegensatz zu Gantner ist für den Salzburger Wolfsbeauftragten jedoch klar: Der Wolf ist endgültig da. „Und wir können Italiener, Schweizer, Slowenen und andere nicht zwingen, ihre Rudel auszurotten.“