Martin Feurstein: „Am liebsten auf der Alpe“

Vorarlberg / 26.08.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Martin Feurstein war mit sechs Jahren das erste Mal auf der Alpe.

Martin Feurstein ist Senner auf der Alpe Felle in Schröcken

Schröcken Die Alpe Felle liegt auf knapp 1400 Meter Seehöhe. Neben dem Kiesweg, der zur Sennhütte führt, grasen Kühe und Ziegen.
Die Hütte wird von Martin Feurstein (33) aus Lingenau geführt. Feursteins Alpleben begann bereits im Alter von sechs Jahren. Jenen Sommer verbrachte er mit seinem Vater im Vorsäß Hinteregg in Bezau. Die darauffolgenden Saisonen erlebte der Schüler als Pfister auf verschiedenen Bergen im Bregenzerwald.

„Mausi und Schnuggi“

Nach Abschluss seiner Lehre als Zimmerer ging er auf die Alpe Althornbach in Schoppernau. Ein Jahr später arbeitete der damals 21-Jährige den ersten Sommer selbstständig als Hirte. Er betreute 65 Kühe und 15 Ziegen auf der Schoppernauer Alpe Äfin. „Ich hätte damals gerne einen eigenen Bauernhof betrieben, aber das ging nicht“, erzählt Martin Feurstein. Denn er hatte keinen eigenen Stall. Er legte sich aber dennoch zwei eigene Ziegen, Mausi und Schnuggi, zu und nahm sie mit auf die Alpe Äfin. Nach und nach gesellten sich weitere 20 Ziegen dazu.

Das Älplerleben

2008 wechselte er auf die Pisialpe in Schoppernau. Dort stellte er in den folgenden sieben Saisonen Frisch-und Ziegenkäse selbst her. Auf der Schröckener Alpe Felle ist der Lingenauer mit seiner Familie nun seit vier Jahren. „Es ist schön hier auf der Höhe“, schwärmt er.
Seine Frau Sabrina hat Martin Feurstein vor neun Jahren kennengelernt. Beide arbeiteten damals als Skilehrer in Mellau. Sabrina ist nun für die Bewirtung auf der Alphütte zuständig. Die selbst hergestellten Produkte wie Fleisch, Ziegenlandjäger, Käse und Butter werden an Wanderer verkauft. Sabrinas und Martins sieben- und fünfjährige Söhne und die zweijährige Tochter wachsen auf der Alpe auf. Sie haben bereits ihre ersten Lebensmonate auf dem Berg verbracht. Dort oben gibt es kein Fernsehgerät. „Die Kinder befassen sich mit anderen Dingen“, erklärt Feurstein. Sie kümmern sich um Hühner, Enten, Hasen und Meerschweinchen und packen auch bei der Stallarbeit mit an. Mit 50 Kühen, 20 Ziegen und einigen Schweinen haben die Feursteins heuer viel zu tun. Zusätzliche Hilfe bekommt die Familie vom 13-jährigen Schüler Tobias, der als Pfister tätig ist, und dem rumänischen Gehilfen Daniel.
Der Sommer auf der Alpe dauert etwa 80 Tage. Der Tag der Älpler beginnt um fünf Uhr früh. Im Sennhaus werden Vorbereitungen für die Käseproduktion getroffen und das Melkgeschirr wird hergerichtet. Dann werden die Kühe und Ziegen gemolken. Um sieben Uhr gehen die Tiere auf die Weide. Um halb acht Uhr setzt sich das Älplerteam zum Frühstück zusammen. Anschließend geht es an die Senn-und Feldarbeiten.

Skilehrer und Hornerfahrer

Vor dem Schulbeginn kehrt die Familie in ihr Heimatdorf Lingenau zurück. Martin Feurstein arbeitet im Frühling und Herbst als Zimmerer. In den Wintermonaten ist er als Skilehrer in Mellau tätig. Zudem ist er Obmann des Bregenzerwälder Ziegenzuchtvereins und Delegierter im Ausschuss des Landesziegenzuchtverbands in Vorarlberg. Eine seiner Ziegen hat es in den letzten drei Jahren auf den ersten Platz „der schönsten Ziegen in Vorarlberg“ geschafft.
Martin Feursteins Hobby ist das Hornerschlittenfahren. 2012 gründete er mit drei Freunden den Hornerclub in Bizau. Wegen Rückenbeschwerden fährt Martin Feurstein selbst nicht mehr Schlitten, ist aber weiterhin Vize-Obmann.
„Meine Zeit verbringe ich am liebsten hier auf der Alpe“, sagt der Senner. Er bereitet gerade in einem großen Kessel eine Sennsuppe vor. Sandra Bereuter