Sechs Jahre Haft für Betrug in der Gemeindeinformatik

Vorarlberg / 30.08.2019 • 11:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die 64-jährige Angeklagte kam an einer langen unbedingten Haftstrafe nicht vorbei. ECKERT

Knappe drei Millionen Euro Schaden, Angeklagte (64) sagt: „Das Geld ist weg.“

Christiane Eckert

Feldkirch Gemeindeinformatik GmbH in Dornbirn. Die Informationstechnikgesellschaft koordiniert die IT-Agenden der 96 Vorarlberger Gemeinden. Computerexperten erledigen, was Gemeinden alleine nicht ohne Weiteres bewerkstelligen können. So zum Beispiel ein Dokumentenmanagementsystem. Inzwischen sind es 13 Mitarbeiter und auch die heute 64-jährige Dornbirnerin war eine Frau der ersten Stunde. Vor rund 35 Jahren begann sie mit ihrer Arbeit, geendet hat ihre Tätigkeit 2019 – als klar war, dass sie für einen Schaden von 2,9 Millionen Euro verantwortlich ist. Dass sich ihre Malversationen über 22 Jahre hinzogen, nimmt man bei der Gesellschaft schwer schluckend zur Kenntnis, gab es doch sogar externe Wirtschaftsprüfer, welche die Buchungen, Behebungen und Bücher kontrollieren sollten.

Zum einen wirft die Staatsanwaltschaft der Frau gewerbsmäßig schweren Betrug vor. Seit 1997 gab es 260 Vorfälle, bei denen es die Frau schaffte, vorausgefüllte Barauszahlungsbelege für „private“ Behebungen zu verwenden. Dazu erschlich sie nach eigener Aussage die Unterschrift des Geschäftsführers. Schaden: knapp 700.000 Euro. Das zweite Delikt – Untreue – beginnt im Jahre 1999. Die Einführung von Onlinebanking erleichterte der Angestellten die Sache. Auch hier floss reichlich Geld auf ihr privates Girokonto. Summe: 2,24 Millionen Euro. „Das Geld ist weg“, so ihr Verteidiger Florin Reiterer bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. Er erzählt, wie seine Mandantin jahrelang an Depressionen und Kaufsucht litt. Unter anderem habe sie auch reihenweise Leute beschenkt, weil sie Angst hatte, ihre Freunde ansonsten zu verlieren.

Alle Prüfer ausgetrickst

Im Zeugenstand erzählen Geschäftsführer und Buchhaltungsexperten, wie schlau die Angeklagte alles eingefädelt habe. Es geht um „Stapelbuchungen“, „Saldenlisten“, „Stornobuchungen“. Einmal jährlich habe der Wirtschaftsprüfer die Buchhaltung kontrolliert, zudem zweimal pro Jahr Vertreter der Gemeinden, zusätzlich internes Controlling durch spontane Kontrollen. „Das Betrugssystem war stupide einfach, jedem HAK-Absolventen wären die Fehlbeträge aufgefallen“, kontert hingegen Verteidiger Florin Reiterer.

Lange Haft

Schlussendlich verhängt der Schöffensenat eine Strafe von sechs Jahren Haft. Den Schaden muss sie ersetzen. Wegen Fluchtgefahr wird die Frau, die auch von Suizidgedanken geplagt wird, in U-Haft genommen. Dem Staatsanwalt ist die Strafe zu niedrig, der Verteidigung zu hoch, somit ist das Urteil nicht rechtskräftig.