Er restauriert die Vorarlberger Burgen

Vorarlberg / 12.09.2019 • 11:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Jürgen Vallaster hat die alten Gemäuer im Griff.VN/JLO

Maurer Jürgen Vallaster ist für die Restaurierung der Vorarlberger Burgen zuständig.

Batschuns Vorarlberg, hier vor allem der Walgau und das Rheintal, ist reich an Burgen. Die meisten dieser ursprünglich mächtigen Festungsanlagen sind heute, Kriegen, Gesteinsabbau und Gezeiten geschuldet, nur noch Schatten ihres einstigen Selbst. Sie sind Ruinen, die an vergangene Zeiten erinnern und an denen täglich Wind und Wetter nagen. Um das, was noch ist, zu erhalten, sind stetige Restaurierungsarbeiten nötig. Und für diese Arbeiten ist seit Kurzem der Batschunser Jürgen Vallaster zuständig.

„Als ich vor gut 19 Jahren bei Wilhelm + Mayer als Maurerlehrling anfing, war mein Interesse für alte Mauerwerke noch nicht so stark“, erinnert sich Vallaster. „Der Wendepunkt kam dann, als wir einen Weinkeller mit mehreren Gewölben mit alten Ziegeln anfertigen mussten. Da habe ich mir zum ersten Mal gedacht, dass das schon sehr spannend ist.“

Bis Vallaster seinen Weg vom modernen Wohnbau zur mittelalterlichen Residenz gefunden hatte, sollten aber noch einige Jahre vergehen. Vor allem zeichnete bis vor Kurzem Otto Summer, Pionier in der Vorarlberger Burgenrestaurierung, für diese besonderen, historisch bedeutenden Arbeiten Verantwortung. „Ich kannte Otto schon von früher, da ich mit seinen Söhnen viel zu tun hatte“, erzählt der Batschunser und führt verschmitzt aus: „Ich habe ihm aber damals schon gesagt, dass er auf mich zählen kann, wenn er seine Pensionierung zu planen beginnt.“ Vor knapp zwei Jahren war es dann so weit, das Angebot nahm Gestalt an und Otto Summer fragte. Und der mittlerweile versierte Maurer? Er erklärte sich gleich bereit, hier die Nachfolge anzutreten.

Es folgte eine eineinhalbjährige Einlernphase, angereichert mit verschiedenen Kursen in Tirol und Wien, wo es die Grundlagen des Denkmalschutzes und spezielle Techniken zu erlernen galt. „Ich bin hier sehr dankbar, dass mir Otto mit so viel Geduld und Leidenschaft sein Wissen weitergegeben und mich in allem unterstützt hat“, sagt Vallaster. „Und auch meiner Firma bin ich dankbar, dass sie mir und Otto eine längere Übergabezeit ermöglicht haben.“

Dann, Anfang September, war es so weit und Vallaster übernahm offiziell die Zügel im Burgenrestaurierungsgewerbe – seine erste „Baustelle“ ist nun die Burgruine Blumenegg, wo er sein Handwerk an der westlichen Ringmauer anwenden kann. Im Gespräch mit der VN Heimat erläutert er: „Zuerst gibt es eine Besprechung mit den beteiligten Parteien (z.B. Burginhaber, Gemeinde, Denkmalamt usw.). Gemeinsam wird beschlossen, welche Arbeiten sich mit dem zur Verfügung stehenden Budget verwirklichen lassen. Natürlich werden einsturzgefährdende Abschnitte oder überhängende Mauern vorgezogen. Danach wird der entsprechende Bereich der Ruine von unten weg abgetastet, lockere Steine werden mit Sicherungsmörtel fixiert, überhängende Mauern abgestützt und andere gefährliche Bereiche mit Bandagen gesichert. Dabei wird schrittweise das Gerüst aufgebaut. Steht dieses, wird abermals unten beginnend gearbeitet. Zuerst legen wir die Fugen frei. Der lose und kaputte Mörtel muss bis zum festen Bestand herausgearbeitet werden, damit wir anschließend händisch den neuen Kalkmörtel anbringen können“, informiert der 34-Jährige. „Dieser Mörtel ist das Ergebnis einer speziellen Mischung, die von Otto Summer über Jahre entwickelt und perfektioniert wurde.“

Je nach Objekt müssen teilweise auch Mauern wiederhergestellt werden, damit zum Beispiel ein alleinstehendes Mauerwerk wieder Halt findet. „Prinzipiell gilt es bei der Arbeit aber, den Zustand zu erhalten und nicht wiederaufzubauen“, sagt Vallaster. Wie lange ein restaurierter Teil dann hält, hängt stark von der Pflege und der Witterung ab. „Die Südseite zum Beispiel ist immer am meisten gefährdet, da hier der Frost-Tau-Wechsel sehr stark ist und die Natur deshalb am stärksten arbeiten kann“, so der Restaurierungsfachmann.

Auch in seiner Freizeit zieht es Vallaster zu den Burgen und ihren Geschichten hin. So liest er sich über seine Objekte der Restaurierung stets ein. „Die Herrscherdaten und -namen merke ich mir nicht, wichtig sind für mich die Eckdaten einer Burg“, spricht Vallaster über das Wesentliche. Die Fertigkeiten in Sachen Mauerwerk werden ebenfalls auch in der Freizeit angewendet, ist Vallaster seit Kurzem doch stolzer Hausbesitzer in Batschuns, wo er gerade damit beschäftigt ist, eine schöne Gartenmauer anzufertigen. Sind die Hände frei von Stein und Buch, unternimmt Vallaster gerne etwas mit seinem kleinen Sohn und seiner Frau.

Zur Person

Jürgen Vallaster

Geboren 9. April 1985

Familienstand in Partnerschaft, ein Sohn

Beruf Restaurator

Hobbys Tennis, Eishockey, Skifahren, Sport