Hanno Loewy

Kommentar

Hanno Loewy

Der Deal

Vorarlberg / 17.10.2019 • 08:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Wenn Donald Trump etwas geschafft hat (außer Verunsicherung zu verbreiten, Flüchtlingskinder in Lager zu sperren, weiße Rassisten zu ermuntern, sein Land in fortwährenden Ausnahmezustand zu versetzen, die Reste öffentlicher Kulturförderung einzustampfen, Handelskriege vom Zaun zu brechen und jeden Sinn für Realität durch fake news zu ersetzen – oder durch das Reden über angebliche fake news) dann ist es die Durchsetzung eines Wortes: der Deal. Jeder redet inzwischen von Deals, oder eben von no-Deals.

„Schon im Wahlkampf 2016 hatte Donald Trump angekündigt, die USA wie ein Wirtschaftsunternehmen zu führen. “

Schon im Wahlkampf 2016 hatte Donald Trump angekündigt, die USA wie ein Wirtschaftsunternehmen zu führen. Genauer: wie ein Unternehmen in seinem Privatbesitz. Und das tut er auch: seine Minister, Berater und Mitarbeiter sind Befehlsempfänger, und wer nicht spurt wird gefeuert. Und das so schnell, dass man sich ihre Namen mittlerweile nicht mehr merken kann.

Politik, so verkündete er schon vorher jedem, der es hinterher hätte besser wissen sollen, sei das Abschließen von Deals. Und wer wusste, welcher Art von Geschäften der Immobilienhändler vorher nachgegangen war, der wusste auch, was Donald Trump unter einem „Deal“ verstand. Die Vernichtung eines Konkurrenten auf dem Markt, das Übervorteilen von Schwächeren, der Triumph über die Interessen eines anderen. Donald Trump machte aus all dem kein Geheimnis. Sein Mantra war: „wir werden die Chinesen mit einem Deal besiegen“. Und genau diese Haltung war es, die ihm auf dem flachen Land die nötigen Stimmen brachte.

Seitdem versucht Trump seine Deals mit Putin und Kim Jong-un, Erdogan und bald wohl auch mit Assad. Und offenbar ist das schwieriger, als der Deal mit Immobilien – und schon damit ist Trump einige Male in die Pleite marschiert.

Trotzdem träumen auch hierzulande viele davon, dass endlich einer Politik macht, so wie man (angeblich – und in Wahrheit besser nicht) eine Firma führt. Und unser Noch-nicht-wieder-Kanzler ist das passende Geschäftsmodell für diesen Traum.

Was bei alldem vergessen wird, ist etwas ganz Einfaches: Politik ist kein Geschäft, und ein politischer Kompromiss ist kein „Deal“, sondern das Abwägen von Interessen und das Respektieren der Rechte von Schwachen und Minderheiten, denn jeder kann einmal zu den Schwachen gehören.

Hanno Loewy ist Direktor des ­Jüdischen Museums in Hohenems.