Wertschätzende Kommunikation als Schlüssel für gelingende Arbeit

Vorarlberg / 18.10.2019 • 10:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für Judith Sauerwein ist Vertrauen als pädagogische Grundhaltung sehr wichtig. „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser“, lautet ihr Credo. BI

Judith Sauerwein ist als Schulqualitätsmanagerin für die Region Bludenz, Montafon und Brandnertal zuständig.

BLUDENZ Ihr Berufswunsch stand für Judith Sauerwein bereits mit sechs Jahren fest: Sie wollte Lehrerin und Bäuerin werden. „Ich habe noch einen handgeschriebenen Zettel aus der ersten Klasse Volksschule, auf dem ich diese Berufsziele notiert habe“, erzählt sie. Beide Berufswünsche wurden von der engagierten jungen Frau nie infrage gestellt und konsequent umgesetzt.

Nachdem sie zwölf Jahre in der Volksschule in Wald am Arlberg unterrichtet hatte, wechselte sie als Schulleiterin an die Volkschule Obdorf in Bludenz. Dort initiierte sie als Novum in Vorarlberg die erste ganztägig verschränkte Klasse: „Diese Neu-Einführung hat sicher als Sprungbrett in das Berufsfeld als Bezirksschulinspektorin gedient. Ich habe immer sehr gern unterrichtet, wollte jedoch etwas Neues machen. Dabei fand ich es wichtig, mit einer positiven Motivation in ein neues Arbeitsfeld zu wechseln.“ Über acht Jahre war sie in der neuen Funktion ausschließlich für Pflichtschulen des Bezirks Bludenz, also die Volksschulen, die Mittelschulen, die Sonderschulen, aber auch für die Polytechnischen Schulen zuständig. In diesen Jahren hat der Amtstitel dreimal gewechselt, so wurde sie Pflichtschulinspektorin und mit heurigen Schuljahr schließlich Schulqualitätsmanagerin.

Dieser Schritt bedeutet, dass ihr nunmehr die Fachaufsicht auch über mittlere und höhere Schulen für die Region Bludenz, Montafon, Bürs, Bürserberg und dem Brandnertal obliegt. “Früher war es so, dass die Schulinspektoren auch in den Unterricht kamen. Das hat sich geändert. Die Führungsverantwortung über die Lehrpersonen liegt ausschließlich bei den Schulleitern. Sie sind die Experten der Schule am jeweiligen Standort. Bei Beschwerden hat die zuständige Lehrperson beziehungsweise der Schulleiter die erste Verantwortung. Erst wenn eine Situation zu eskalieren droht, kommt die nächste Ebene, also das Schulqualitätsmanagement ins Spiel. Es ist mir jedoch wichtig, dass durch eine gute Kommunikation gemeinsame Lösungen oder auch Kompromisse gefunden werden“, erläutert sie ihre Herangehensweise bei Konfliktsituationen, wobei hierbei vor allem das Element der Positiven Psychologie zum Tragen komme. „Das Wohlbefinden ist sehr wichtig. Wenn man sich nicht wohlfühlt, kann man nicht lernen und nicht arbeiten – das gilt sowohl für Lehrer als auch für Schüler“, ist sie überzeugt.

Werte wie gegenseitiges Vertrauen, Wertschätzung und Transparenz sind für Sauerwein absolut zentral: „Mein Ziel ist es, dass Eltern ihre Kinder mit dem Grundvertrauen in die Schule schicken, dass jede Lehrperson ihr Bestmögliches leistet. Es soll mit Stärken, aber auch an Schwächen gearbeitet werden. Vertrauen hat viel mit Transparenz zu tun. Kritik ist gerechtfertigt, soll aber immer konstruktiv erfolgen. Für mich gilt der Grundsatz: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Eine Grundlage hierfür ist eine wertschätzende Kommunikation.“

Das neue Aufgabengebiet der pädagogischen Managerin ist sehr komplex. Ihr Führungsverständnis ist ein systemisches: „Ich kann nicht nicht führen. Alles, was ich mache, hat eine Folge fürs System.“ Neben Steuerungsarbeit steht  Vernetzungsarbeit mit schulinternen und schulexternen Netzwerkpartnern im Vordergrund. Im Rahmen von Bilanz- und Zielvereinbarungsgesprächen werden mit den Schulleitern datenbasierte Schulentwicklungsprozesse zur Qualitätssicherung am Standort vereinbart. „Meine Vision ist es, dass Kinder vom Kindergarten bis zur Lehre oder Matura schulübergreifend begleitet werden. Übergänge sollten möglichst angstfrei gelingen – auch hierfür ist eine gute Kommunikation untereinander unabdingbar.“ BI