Daten zeigen es: Winter in Vorarlberg sind kürzer geworden

Vorarlberg / 11.11.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Schnee gibt es immer wieder lange, langfristig ist der Trend jedoch ernüchternd.

Johannes Huber

SCHWARZACH Der nächste Winter kommt bestimmt. Die ersten Anzeichen dafür sind da. Offen ist immer nur, wann er sich so richtig bemerkbar macht, wie intensiv er ausfallen und wann er letzten Endes wieder dem Frühling weichen wird.
Die Entwicklung der Schneedeckendauer seit 1950/51 zeigt folgendes: Bis Ende der 1980er Jahre war es in allen Höhenlagen Vorarlbergs eher länger weiß als heute. Ausschlaggebend für die Veränderung ist laut einer Studie der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) der Klimawandel sowie ein sprunghafter Temperaturanstieg.

Konkret: Von 1950 bis in die 1980er Jahre hinein wurde in Bregenz und Feldkirch öfter an mehr als 50 Tagen pro Winter eine Schneedecke vermerkt. 1969/70 handelte es sich in Bregenz sogar um 112 Tage. Das entspricht rund vier Monaten. Seit Mitte der 1980er Jahre ist es öfter an weniger als 50 Tagen pro Winter weiß. 2013/14 waren es in Feldkirch gerade einmal zehn. Das sind nur eineinhalb Wochen.

Am Arlberg und am Hochtannberg wiederum gab es einst eher Winter, die länger waren als das gesamte übrige Jahr. 1974/75 lag in Schröcken an 237 Tagen Schnee. Das entspricht rund acht Monaten. In den vergangenen Jahren ging es laut ZAMG-Statistik vermehrt Richtung 150 Tage und noch weniger. In Warth handelte es sich 2016/17 um lediglich 119 Tage.

Von einer Schneedecke ist bei der Zentralanstalt die Rede, wenn mindestens ein Zentimeter Schnee liegt und mindestens die Hälfte des Bodens bedeckt ist, wie ZAMG-Mitarbeiter Alexander Orlik im Gespräch mit den VN erläutert. Was beim Blick auf die Schneedecken-Grafik zunächst auffällt, sind freilich die großen Sprünge von Jahr zu Jahr. Das zeigt, dass es auch heute noch sehr lange weiß sein kann. Aussagekräftiger wird die Sache erst über größere Zeiträume hinweg. Experten fangen daher ausschließlich ab mehreren Jahrzehnten an, von einem Trend zu sprechen.

Voraussetzung für Schnee sind Niederschläge und niedrige Temperaturen. Die Niederschlagsmengen sind laut Alexander Orlik in Vorarlberg nicht zurückgegangen: „Sie sind im Westen Österreichs praktisch gleichgeblieben.“ Und bei den Temperaturen ist es so, dass sie zwar überall gestiegen sind. Zumindest im Hochgebirge sind sie in der Regel aber nach wie vor so niedrig, dass es nicht regnet, sondern schneit. Auf dem 2500 Meter hohen Säntis in der benachbarten Schweiz beispielsweise hat die Wintertemperatur in den letzten 90 Jahren zwar um 2,1 Grad Celsius zugenommen. Durchschnittlich lag sie zuletzt aber noch immer um 6,6 Grad unter dem Gefrierpunkt.

Anders schaut es laut einer Studie des ZAMG-Schneeexperten Marc Olefs für Höhenlagen unter 1000 bis 1500 Meter aus: Hier ist es grundsätzlich wärmer. Und hier werde es „in Zukunft immer öfter regnen statt schneien“ sowie gefallener Schnee schneller wegschmelzen.