Archivar Philipp Wittwer zeigt, dass seine Arbeit nicht verstaubt ist

Vorarlberg / 13.11.2019 • 10:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Archivar Philipp Wittwer hat gerade den Bildband „Dornbirn in alten Ansichten“ publiziert. VN/GUNZ

Das Leben der Dornbirner hält Philipp Wittwer im Stadtarchiv für die Nachwelt fest.

Dornbirn „Als der Dornbirner Stadtarchivar Werner Matt mit dem Wunsch an mich herantrat, einen Bildband über Dornbirn zu machen, hatte ich schon ein flaues Gefühl“, beschreibt Archivar Philipp Wittwer seine erste Empfindung. Diese resultierte zum einen daraus, dass er kein gebürtiger Dornbirner ist, zum anderen hatte er das Gefühl, als frischgebackener Archivar, der für die Fotosammlung zuständig ist, noch nicht genügend Kenntnisse über die fotografische Sammlung der Stadt zu haben, um einen repräsentativen Querschnitt auswählen zu können. „Immerhin hat Dornbirn rund 60.000 erfasste und etwa eine Million nicht verzeichneter Fotografien“, erklärt der 34-Jährige.

Der Neo-Dornbirner, der seit Juli 2018 im Stadtarchiv arbeitet, machte sich trotz der hohen Erwartungshaltung, die er an sich selbst hatte, an die Arbeit. Dabei hatte der gebürtige Koblacher den Anspruch, eine spannende Bildauswahl zu treffen. „Mein Ziel war es, möglichst alle historischen Stadtteile Dornbirns zwischen 1860 bis 1960 bildlich abzudecken und dabei auch das Leben der Bewohner in einer wachsenden Stadt aufzuzeigen.“

Einige Schätze ausgehoben

Für das Buch „Dornbirn in alten Ansichten“ sah er sich alte Bildbände über Dornbirn an, durchforstete das Archiv und recherchierte dann zu den Fotos. „Wir haben einen heterogenen Bestand aus Familienalben, Vereins- und Firmenfotos sowie Bilder von Amateur- und Profifotografen“, erklärt Wittwer. Der Autor stieß dabei auf wahre Schätze: Glasplatten aus den fotografischen Tagebüchern des Unternehmers Theodor Rhomberg, private Fotografien des Industriellen Martin Hämmerle oder von Leonhard Heim, die ihr Dornbirn mit Präzision fotografierten. In der Sammlung von Franz Bertolini fand er autochrome Bilder, die das Leben der Dornbirner zum ersten Mal in Farbe festhielten. „Bis dahin gibt es kaum Bilder aus dem landwirtschaftlichen Bereich. Bertolini hat beispielsweise Menschen bei der Kartoffelernte farbig aufgenommen“, schwärmt er von einem der Bilderschätze. Beim Sichten der Bilder fiel Wittwer auf, dass die Marktstraße hauptsächlich von Holzhäusern gesäumt war. Das erste Foto, das das Stadtarchiv zuordnen konnte, stammt aus dem Jahr 1868. „Dank der Vorarbeit, die meine Kollegen und Vorgänger geleistet hatten, konnte ich darauf aufbauen“, erklärt Philipp Wittwer, der das Buch in sechs Kapitel eingeteilt und sich auf 125 Fotos beschränkt hat.

Bilder von Privaten

Wenn der Hobbysegelflieger über seine Fotos spricht, gerät er ins Schwärmen. „Ich kann mich in Fotos gut verlieren und entdecke immer wieder neue Details über das Leben in Dornbirn.“ Besonders freut er sich über das Vertrauen, das die Bevölkerung dem Stadtarchiv entgegenbringt. „Die Leute bringen uns laufend Material. Es kommt mehr herein, als wir verarbeiten können“, erklärt der Archivar und Buchautor begeistert.

Seine Arbeitskollegen und er haben den Anspruch, alle Fotos, die bei ihnen abgegeben werden, zu scannen und dann in der Datenbank mit kurzem Text abzulegen. So werde es durch die Digitalisierung möglich, dass die Originale nicht mehr angefasst werden müssen und damit besser erhalten bleiben. „Wir tragen dazu bei, dass nicht nur Informationen der städtischen Verwaltung aufgehoben werden, sondern auch das Leben der Stadtbewohner archiviert und auf Dauer für alle zugänglich ist.“ Das sei etwas, worum man sich aktiv bemühen müsse. „Sonst verschwinden diese Zeitzeugen für immer und das wäre schade“, so Wittwer.

Philipp Wittwer

Archivar im Stadtarchiv Dornbirn, kümmert sich um die Fotosammlung des Stadtarchivs. Sein Bildband „Dornbirn in alten Ansichten“ (edition v Verlag) wurde vor Kurzem präsentiert

Alter 34 Jahre

Wohnort Dornbirn Hatlerdorf

Ausbildung Studium der Politikwissenschaft- und Geschichte in Innsbruck und Loughborough (UK)

Hobbys Segelfliegen, Skitouren, Wandern