Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Friday for workers

Vorarlberg / 13.11.2019 • 12:59 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Jetzt ist doch einem der Kragen geplatzt: Ein Bregenzerwälder Handwerker hat dem Internet anvertraut, wie es zugeht am Bau. Wenn es einem Wäldar Handwerker einmal zu viel wird, hat das Gewicht. Wäldar am Bau haben einen Ruf zu verlieren. Die halten durch, wenn andere schlapp machen. Auch am Wochenende, bei Wind und Wetter. Aber die Arbeitsstunden beklagt er gar nicht. Das ist nicht sein Thema.

Eindrücklich erzählt er von der Unvernunft, die heute regiert: Rigips-Wände in der pitschnassen Baustelle errichten, und das alles nur, weil es schnell gehen muss. Immer schneller. Das kann sogar ein Passant beobachten: Wenn vorne das Geschäft eröffnet, während hinten noch Kabel verlegt werden. Wenn inmitten einer Baustelle schon Bürobildschirme flimmern. Ist das noch normal? Nein, es ist krank.

Und respektlos ist es außerdem. Wenn die Gewerke am Bau keine Achtung mehr vor einander haben, wenn der Zeitdruck jedes Miteinander in gnadenlose Konkurrenz verwandelt, kann man den Häusern zwar fast beim Wachsen zusehen. Aber Seele, Berufsethos und Hausverstand bleiben auf der Strecke. Statt „friday for future“ wäre ein „friday for workers“ angesagt. Statt Schüler- eine Arbeiter-Demo. Wie gesagt: Wenn ein Wäldar so etwas vorschlägt, sollte man zuhören.

Thomas Matt
redaktion@vn.at