„Es war für mich wie eine Beichte“

Vorarlberg / 15.11.2019 • 19:31 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Jürgen H. (Vordergrund) mit seinem Verteidiger Klaus Grubhofer. Dieser ist für ihn mehr als nur ein Rechtsanwalt.
Jürgen H. (Vordergrund) mit seinem Verteidiger Klaus Grubhofer. Dieser ist für ihn mehr als nur ein Rechtsanwalt.

Jürgen H. sieht seine Strafe als „schuld- und tatangemessen“.

Dornbirn Jürgen H. ist heute noch von den damaligen Ereignissen gesundheitlich schwer gezeichnet. Er befindet sich immer noch in ärztlicher Behandlung. Bestens beraten und fürsorglich begleitet von seinem Verteidiger und Unterstützer Dr. Klaus Grubhofer, fand er den Mut, mit den VN über die Geschehnisse von damals in der Kanzlei des Dornbirner Rechtsanwaltes zu sprechen.

 

Sie wurden vor exakt zehn Jahren, am 17. November 2009, im Zuge der Testamentsaffäre als einer der Hauptverdächtigen verhaftet. Wie nahe kommen Ihnen diese Stunden gerade jetzt?

H. Immer noch sehr nahe. Ich weiß, was ich getan habe. Ich habe alles gestanden und dafür gebüßt. Ich büße heute noch.

 

Können Sie sich noch an Ihre Gefühlslage bei der Verhaftung erinnern?

H. Als ich damals verhaftet wurde, war ich trotz gewisser Vorahnungen geschockt. Ich war aber auch erleichtert, dass dieses unsägliche Tun endlich ein Ende hatte. Bereits in den Monaten zuvor war mir klar, dass Untersuchungen im Gange sind. Die Zeit der Ungewissheit hatte mich mürbe gemacht. Ich war psychisch angeschlagen. Deshalb war ich auch bereit, reinen Tisch zu machen und eigentlich auch froh, mein Gewissen erleichtern zu können. Es war wie eine Beichte.

 

Sie wurden als Hauptbeschuldigter zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Drei Jahre waren Sie in Haft, ein Jahr hatten Sie eine Fußfessel. Empfinden Sie die Strafe aus heutiger Sicht als gerecht?

H. Das Verfahren wurde von den Richtern allen Angeklagten gegenüber sehr fair geführt und das Urteil war, so weit es mich betrifft, sicher schuld- und tatangemessen. Der Milderungsgrund des umfassenden Geständnisses wurde fair berücksichtigt.

 

Wie haben Sie die Haft bewältigt? Was war in dieser Zeit das Schlimmste? Was hat Ihnen Kraft gegeben?

H. Kraft gegeben hat mir das Wissen, dass es auch für mich Menschen gibt, die bereit sind, mir bei der Wiedereingliederung in die Arbeitswelt zu helfen, die auch zu verzeihen bereit sind. Auch mein Glauben hat mir während der Haft geholfen. Schlimm ist die wiederkehrende Erfahrung, dass mir oft noch Verachtung entgegenschlägt. Und das, obwohl ich sowohl bei der Aufarbeitung der Taten als auch bei der Wiedergutmachung des Schadens mitgewirkt und letztlich auch dafür gebüßt habe.

 

Haben Sie heute Antworten darauf gefunden, warum Sie sich damals auf diese kriminellen Machenschaften haben einlassen können?

H. Damals wie heute fällt es mir schwer, darüber zu sprechen. Nur so viel möchte ich sagen: Die ermittelnden Personen, der Staatsanwalt und schließlich auch die Richter konnten erkennen, dass mein Geständnis vollumfänglich und wahrheitsgemäß war.

 

Haben Sie mit den Mitangeklagten – bzw. Verurteilten heute noch Kontakt?

H. Nein, habe ich nicht.

 

Hatten Sie seit Ihrer Freilassung freiwillige oder unfreiwillige Begegnungen mit Geschädigten?

H. Nein, ich hatte keine Begegnungen mit Geschädigten.

 

Hat von den Geschädigten jemals jemand zu Ihnen den Kontakt gesucht und Antworten verlangt?

H. Nein. Ich habe nur gespürt, dass sich die Menschen ihr eigenes Bild über die Entstehung und den Zeitraum, in dem Malversationen geschehen sind, gemacht haben.

 

Was hat Ihnen während der zahlreichen Verhandlungstagen am meisten zugesetzt?

H. Am meisten zugesetzt haben mir das Erkennen und die Auswirkungen meines Fehlverhaltens.

Sie haben damals gegenüber Staatsanwalt Manfred Bolter im Zuge lange dauernder Vernehmungen ein umfassendes Geständnis abgelegt. Was hat Sie dazu bewogen?

H. Dr. Bolter war ein sehr genauer und penibler Ermittler. Er war aber immer fair und hat mich stets als Mensch behandelt. Das hat mich zu meinem umfassenden Geständnis ermutigt.

 

Wie geht es Ihnen heute, und was machen Sie?

H. Ich bin nach wie vor in nervenärztlicher Behandlung und muss jede Aufregung meiden. In einem Attest meines Arztes ist bescheinigt, dass ich aufgrund meines angegriffenen Gesundheitszustandes jede Aufregung vermeiden muss und nicht vernehmungsfähig bin. Ich habe einen ausgefüllten Arbeitsplatz als Hausbesorger und bin meinem Dienstgeber dankbar, dass ich diese Tätigkeit ausüben darf.

 

Ihr Anwalt Dr. Grubhofer hat sich weit über seine anwaltliche Vertretung für Sie eingesetzt. Wie wichtig war er für Sie und Ihr Eintreten in ein normales Leben nach der Haft?

H. Sehr wichtig. Dr. Grubhofer hat vor allem versucht, die Geschädigten zu erreichen und hat die Schadenswiedergutmachung, so weit dies möglich war, für mich durchgeführt. Er hat mir auch geholfen, einen Job zu bekommen. Auch heute steht er mir stets zur Seite und ist nach wie vor bereit, mich bei Bedarf rechtlich zu vertreten.

 

Waren Sie jemals wieder im Bezirksgericht Dornbirn?

H. Nein, dazu wäre ich auch gar nicht in der Lage.

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