Maria Ebene ohne Chefarzt

Vorarlberg / 21.11.2019 • 19:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Stiftung trennte sich mit sofortiger Wirkung von Primar Michael Willis.

Frastanz Zuletzt ging alles ganz schnell. Am Mittwoch berichteten die VN über Querelen und Turbulenzen am Suchtkrankenhaus Maria Ebene und eine mögliche vorzeitige Ablöse des dortigen Chefarztes, am Donnerstag schon trennte sich die Stiftung mit sofortiger Wirkung von Primar Michael Willis.

Über die Gründe, die zu diesem drastischen Schritt führten, hüllen sich die Verantwortlichen in Schweigen, aus Rücksicht auf alle Beteiligten, wie es heißt. Vorrangig dürften jedoch Unzulänglichkeiten in der Personalführung den Konflikt befeuert haben.

Darauf deutet auch die Aussage von Kuratoriums-Präsident Josef Fink hin. „Die Entscheidung fiel nach reiflicher Überlegung, wir machten es uns wirklich nicht leicht, aber jetzt soll das Wir-Gefühl nicht mehr gestört werden“, ließ er gegenüber den VN verlauten. Die interimistische Führung der Maria Ebene übernimmt Kirsten Habedank. Sie leitet die Therapiestation Lukasfeld und war Stellvertreterin von Willis. Das Primariat wird demnächst neu ausgeschrieben. Michael Willis hatte den Chefarztposten erst vor knapp zwei Jahren übernommen.

Mitarbeiter begehrten auf

Den Stein ins Rollen brachten laut VN-Informationen unzufriedene Mitarbeiter. Sie hatten sich an das Kuratorium der Stiftung gewandt und dort gegen die schlechte Stimmung und offenbar noch schlechtere Kommunikation aufbegehrt. Sogar von Mobbing war die Rede. Beschäftigte, auch solche in Schlüsselpositionen, haben demnach reihenweise gekündigt, weil sie von Sitzungen ausgeschlossen oder Strukturen und Zuständigkeiten ohne Rücksprache verändert worden waren. Letztere Kritik gründet auf einem modernisierten Konzept zur Behandlung von Suchterkrankungen, welches noch die Handschrift von Michael Willis trägt. Der bereits angestoßene Veränderungsprozess im Bereich der Suchttherapie soll trotzdem fortgesetzt werden, bekräftigte Josef Fink. Willis war für eine Stellungnahme nicht mehr erreichbar.

Keine Annäherung mehr

Der Riss, der sich zwischen Belegschaft und Chefarzt gebildet hatte, ließ sich allerdings nicht mehr kitten. Die Spannungen waren zu groß geworden. Der Versuch, mit Hilfe von externen Beratern aus der verfahrenen Situation herauszukommen, zeigte offenkundig ebenfalls wenig Erfolg, denn zu guter Letzt zogen die Verantwortlichen doch die Reißleine. Dem zuletzt heftig umstrittenen Primar wurde eine Bedenkzeit bis Donnerstagmittag eingeräumt. Sie verstrich ohne Annäherung.

„Ich bedauere, dass kein gemeinsamer Weg mehr möglich war, es geht jetzt aber in erster Linie darum, im Sinne unserer Patienten die Sicherheit der ärztlichen Verantwortung zu gewährleisten“, sagte Fink. Die Begleitung durch die externen Fachleute bleibt bestehen. Für Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher kam die Maßnahme überraschend, sie sei aber zu respektieren. Eine solche Entscheidung werde ja nicht leichtfertig getroffen. „Wichtig ist, dass es gut weitergeht.“ Sie sicherte Maria Ebene alle Unterstützung des Landes bei der Suche nach einem Nachfolger zu.

„Die Entscheidung fiel uns nicht leicht, aber das Wir-Gefühl soll nicht mehr gestört werden.“

Das Engagement von Michael Willis im Suchtkrankenhaus Maria Ebene fand ein vorzeitiges Ende. Der gebürtige Tiroler ist bereits abgereist. vn
Das Engagement von Michael Willis im Suchtkrankenhaus Maria Ebene fand ein vorzeitiges Ende. Der gebürtige Tiroler ist bereits abgereist. vn