Forscher mit Leib und Seele

Vorarlberg / 24.11.2019 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tüfteln im Labor ist eine Lieblingsbeschäftigung von Christian Mathis. HUBER

Christian Mathis erhielt für seine Arbeit anerkannten Preis.

karlsruhe, bregenz Er könnte seine Nase ruhig ganz hoch tragen. Niemand würde es ihm verdenken. Immerhin räumte Christian Mathis aktuell den KlarText-Preis für Wissenschaftskommunikation der Klaus Tschira Stiftung im Bereich Chemie ab. Doch der gebürtige Bregenzer ist geblieben, was er immer war: bodenständig, freundlich und leutselig. Der Preis hat für Mathis trotzdem eine besondere Bedeutung. „Er ist die schönste Bestätigung, dass die Verständigung zwischen Wissenschaft und Technik funktioniert“, sagt er. Das will bei der Materie, mit der sich Christian Mathis beschäftigt, etwas heißen. Der 33-Jährige arbeitet nämlich an der Entwicklung neuartiger Beschichtungstechnologien für die Medizintechnik. Ratlosen Laien hilft er mit gängigen Beispielen auf die Sprünge. Kontaktlinsen oder Katheter würden ohne entsprechende Beschichtung in der Anwendung nicht so gut funktionieren, wie sie das tun.

Gar nicht schwammig

Die Liebe zur Technik bekam Christian Mathis von seinem Vater Hugo in die Wiege gelegt. „Im Sommer habe ich oft in seinem Betrieb mitgearbeitet, um mir ein Taschengeld zu verdienen“, erzählt der wissbegierige Sohn. Die Urlaube wurden zusätzlich mit der Besichtigung technisch herausragender Bauwerke garniert. Kaum verwunderlich, dass es auch Christian nach der Schulzeit in die Technik zog. Mathis studierte Luft- und Raumfahrttechnik in Delft und Wirtschaftswissenschaften in Rotterdam. Nach Zwischenstationen in der Industrie absolvierte er sein Doktorat an der ETH in Zürich. Das Thema auf gut Deutsch: wie Flüssigkeit in einem schwammigen Material festgehalten werden kann. Seine Ausführungen erwiesen sich als alles andere denn schwammig, wie letztlich auch die KlarText-Jury anerkannte.

Die Stiftung sucht nämlich junge Wissenschaftler, die eine sehr gute Doktorarbeit geschrieben und Lust darauf haben, einem nicht-wissenschaftlichen Publikum zu erklären, was sie da eigentlich gemacht haben, in ihrer Forschung. Verlangt wird ein allgemein verständlicher Artikel in deutscher Sprache. Christian Mathis fiel das nicht schwer. In seinem Beitrag mit dem sinnigen Titel „Der Knorpel im Hydraulikzylinder“ gab er einen kurzen Abriss, wie der Knorpel in unseren Gelenken funktioniert, und wie künstliche Imitate des ausgeklügelten Mechanismus eingesetzt werden können. Er hat sich dabei darauf konzentriert, die Schmiermechanismen besser zu verstehen und neue Verfahren entwickelt. Anschließend testete Mathis an hydraulischen Zylindern, wie er mithilfe des neuen Wissens Reibung und Abrieb verringern kann. „Da kein Schmiersystem der Welt so langzeitbeständig und effizient ist wie das unserer Gelenke, ist es auch für die Industrie von großem Interesse“, erklärt Christian Mathis seinen Eifer.

Bregenz als Rückzugsort

Inzwischen hat er ein Patent auf seine Forschung angemeldet, die aber unvermindert weitergeht. „Es kann immer alles noch besser werden“, meint er. Seine Rolle konzentriert sich jedoch mehr darauf, mit jenen in den Austausch zu kommen, die die Produkte brauchen, eben Verständigung zwischen Technik, Wissenschaft und Wirtschaft zu schaffen. Neben seiner Arbeit vergisst Christian Mathis aber nie auf die Heimat. Bregenz ist für ihn und seine Frau, die in Karlsruhe eine Assistenzprofessur für Medizinrobotik innehat, ein Rückzugsort, an dem beide frische Kräfte für ihr Forscherleben tanken.