Ein rabiates Früchtchen im Railjet

Vorarlberg / 27.11.2019 • 06:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mehr ein Kind als ein Jugendlicher: der 15-jährige Angeklagte vor Gericht. VN/GS

Jugendlicher Knirps ohrfeigte Zugbegleiterin. Gericht verurteilte ihn zu fünf Monaten bedingter Haft.

Feldkirch Das Erscheinungsbild des 15-jährigen Angeklagten entspricht mehr einem Kind als einem Jugendlichen, jenes seiner Gerichtserfahrung hingegen mehr einem erwachsenen Rechtsbrecher. Diebstähle, Nötigung, Drohung, Suchtgiftmissbrauch und jetzt auch noch eine Körperverletzung.

Bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch schildert die 48-jährige Zugbegleiterin, was ihr als Opfer im Railjet widerfuhr. Sie erkennt den Angeklagten im Gerichtssaal sofort als den Täter. „Bei der Kontrolle kam mir seine Fahrkarte nicht ganz koscher vor, sie war ungültig.“ Sie forderte den Jugendlichen auf, den Zug bei der nächsten Station zu verlassen. Der 15-Jährige stimmte zunächst zu, doch dann kam es anders: „Er hat mir ins Gesicht geschlagen, so dass ich eine rote Wange hatte. Außerdem warnte er mich davor, die Polizei zu verständigen. Ich solle aufpassen, denn beim nächsten Mal würde es anders ausgehen.“

Eigenartige Reue

Der Jugendliche ist vor Gericht bereits bekannt. Sieben Monate Freiheitsstrafe hängen aus einer früheren Verhandlung noch immer wie ein Damoklesschwert über ihm, denn damals wurden sie bedingt ausgesprochen. Nun droht der Widerruf. Mit einem leisen Hauch eines anbahnenden Stimmbruchs beteuert der Angeklagte Reue und sagt: „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich etwas getan habe. Und falls doch, dann tut es mir leid. Aber ich kann mich nicht so gut erinnern, bei der Geschichte im Zug habe ich vorher zwei Gläser Wodka getrunken.“

Traurige Vergangenheit

Verteidiger Hubert Kinz trägt Richter Richard Gschwenter die triste Kindheit seines Mandanten vor. Seit dem vierten Lebensjahr psychisch auffällig, immer wieder in psychiatrischer Behandlung, Schulabbrüche, Herumlümmeln am Bahnhof. Sein Bewährungshelfer Reinhard Ladenhauf kann immerhin damit aufwarten, dass er mit dem Jugendlichen eine gute Basis aufgebaut habe und er demnächst in einem Arbeitsprojekt starten könne.

Und noch einmal – ein wirklich letztes Mal – spricht Richter Gschwenter eine bedingte Haftstrafe von fünf Monaten aus, und auch die offene bedingte Strafe wird noch einmal widerrufen. Zum Schluss noch mahnende richterliche Worte: „Irgendwann sind die Eltern mit ihrer Erziehung am Ende und ich mit meiner Geduld! Bei der nächsten Kleinigkeit Haft!“