Einheitszweier in Volksschulzeugnissen wird wahrscheinlicher

Vorarlberg / 04.02.2020 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die rebellierenden Lustenauer Lehrerinnen genießen viele Sympathien. Noch ist der Notenstreit nicht gelöst. VN/PAULITSC

Trotz Gespräch zwischen Bildungsdirektion, Lehrerinnen und Eltern noch keine Lösung im Lustenauer Notenstreit.

Lustenau, Dornbirn, Schwarzach Mit Engelszungen reden sie über- und miteinander. Allein: Es gibt immer noch keine Lösung im Notenstreit an der Lustenauer Volksschule. Dort hatten die LehrerInnen der reformpädagogischen dritten Klassen angekündigt, sie würden aus Protest gegen die verpflichtende Ziffernnote ihren Schülern als Zeichen der Ablehnung Einheitszweier in die Schulnachricht schreiben. Trotz eines von beiden Seiten als konstruktiv bezeichneten Gesprächs zwischen Vertretern der Bildungsdirektion und den betroffenen Lehrerinnen gab es letztlich keine Lösung.

Alles ist offen

Die gab es auch am Montagabend nicht. Lehrer und Bildungsdirektion hatten zum zweiten Treffen auch betroffene Eltern eingeladen. Ein gutes Dutzend von diesen waren gekommen. „Wir waren beeindruckt von dem, was wir gehört haben und wie die pädagogische Arbeit in den Klassen funktioniert. Auch die Eltern stehen dahinter. Wie die Zeugnisse der Drittklässler am Freitag aussehen werden, wissen jedoch alle noch nicht“, beschreibt der pädagogische Leiter der Bildungsdirektion, Andreas Kappaurer (58), das Gespräch mit der Schulgemeinschaft aus seiner Sicht. Druck wurde vonseiten der Bildungsdirektion offensichtlich nicht ausgeübt.

Wertschätzung ja, Lösung nein

Birgit Sieber-Mayr, Sprecherin der rebellischen Lehrerinnen, schätzt die Lage ähnlich ein. „Es gab wieder sehr viel Wohlwollen uns gegenüber und der Umgang miteinander ist sehr wertschätzend. Wir haben unsere Arbeit noch einmal erklären dürfen und sind dabei auf Verständnis gestoßen. Freilich wissen auch wir nicht, was wir in die Schulnachrichten unserer Drittklässler schreiben werden. Wir werden uns weiterhin mit dem Thema auseinandersetzen“, erklärt Sieber -Mayr ihre Sicht der Dinge.

Von den Eltern beteiligten sich 13 Personen am Gespräch. Einer davon war Mario Lorenz. Sein Eindruck: „Wir stehen voll und ganz hinter den Lehrern. Die Volksschule Kirchdorf ist ja keine Sprengelschule. Das heißt, es sind auch Kinder dort, die nicht aus dem Sprengel kommen. Mein Kind ist eines davon. Das heißt auch: Wir wollten an diese Schule, weil wir die hier praktizierte Pädagogik befürworten. Da passt keine Ziffernnote dazu. Das haben wir der Bildungsdirektion auch mitgeteilt.“

Man habe ihnen gesagt, dass es im Falle der Einheitsnotenvergabe Konsequenzen für die Eltern gebe. „Ich gehe trotzdem davon aus, dass es Einheitszweier geben wird. Sollten die Konsequenzen daraus mit finanziellen Einbußen der Lehrer verbunden sein, werden wir ihnen allfällige Verluste ersetzen“, beteuert Lorenz.

„Ich gehe davon aus, dass der Einheitszweier zur Anwendung kommen wird.“

Mario Lorenz, Schülervater VS Lustenau Kirchdorf

Zeugnisverweigerer

Während in Lustenau noch alles offen ist, hat sich die Schulgemeinschaft in Frastanz bereits entschieden. Dort wird knapp die Hälfte der Eltern der Schüler der dritten Klasse die Annahme der Zeugnisse verweigern – die VN berichteten. Andreas Kappaurer ist froh, dass sich diese Maßnahme im Rahmen der Gesetze bewegt. „Für besonders klug halte ich die Aktion jedoch nicht.“

Aus Wien hat die Bildungsdirektion Vorarlberg den Auftrag erhalten, die Dinge zu regeln – und zwar im Sinne des Gesetzes. Die verpflichtenden Ziffernnoten will Minister Heinz Faßmann nicht mehr zur Diskussion stellen.

Im politischen Vorarlberg stellen sich Grüne und Neos hinter die Forderungen der Lehrerinnen. Neos-Landessprecherin Sabine Scheffknecht ermuntert die Pädagogen sogar zum Gesetzesbruch. „Die Lehrerinnen in Lustenau sollen das durchziehen. Es sollen dann die Juristen beurteilen, wie damit umzugehen ist.“