Warum Edi Ferientage schenkt

Vorarlberg / 29.07.2020 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Warum Edi Ferientage schenkt
Edi Meyer hat für die jungen Gäste einen Streichelzoo eingerichtet. HRJ

Hotelchef lädt hilfsbedürftige Familien ein, Kraft zu tanken.

BRAND „Nur wer gibt, kann nehmen“, ist Edi Meyers Leitsatz. Helfen, mit der Erwartung, dass man etwas dafür bekommt, geht gar nicht in seinen Augen. Und einen Spendenscheck ausstellen ist auch nicht sein Ding. Sein Ding ist, Konkretes tun und sich persönlich einsetzen für Menschen, mit denen es das Schicksal nicht gut gemeint hat. Er lädt kranke und behinderte Kinder samt Eltern und Geschwister in sein Hotel Valavier ein, damit sie ein paar Tage lang ihrem mühsamen Alltag entfliehen und Kraft tanken können.

Edi Meyer biegt noch Richtung Streichelzoo ab – er schaut noch im Hasengehege nach dem Rechten – bevor er in einen ruhigen Raum führt. Ein Kellner stellt eine Karaffe Wasser auf den Tisch. Und „der Edi“, wie der Hotelchef von allen genannt wird, stellt klar, warum Helfen für ihn ein Bedürfnis ist: „Ich habe zwei gesunde Kinder und überhaupt in meinem Leben viel Glück gehabt.“

Sein Leben begann vor 59 Jahren hier in Brand. Aufgewachsen ist er mit drei älteren Schwestern im Gasthaus Jägerheim, das zuerst den Großeltern und dann dem Vater gehört hatte. 1981, nach der Ausbildung zum Koch, übernahm Edi das Jägerheim. Nach und nach gestaltete er das Lokal in das Vier-Sterne-Aktiv-Resort Valavier um. „Ich bin aber nicht Hotelier“, stellt Edi klar, „sondern Gastgeber“. Die Geschäfte führt seine Partnerin Kathi Metz, „meine große Stütze. Sie zieht im Hintergrund die Fäden und macht es möglich, dass wir unsere sozialen Projekte durchführen können.“ Auch seine Tochter Marissa (25) und Sohn Fabian (22), sowie „ein tolles, sozial eingestelltes Team“ packen mit an.

Begonnen hat es vor 15 Jahren, als Edi Meyer einem Jugendlichen begegnete, der wie sein Sohn Fabian heißt. Dem damals 16-jährigen Ludescher wurde nach einem schweren Unfall ein Bein amputiert. Um eine dringend benötigte spezielle Beinprothese zu finanzieren, organisierte der Kiwanisclub Bludenz, bei dem Edi Mitglied ist, auf dem Gelände des Hotels Valavier eine Charity-Veranstaltung. Dabei war auch Joe Fritsche, Obmann von „Stunde des Herzens“. Die Hilfsorganisation ist für kranke und behinderte Kinder sowie von Altersarmut betroffene Pensionisten da. „Durch Joe Fritsche wurde ich mit der Not im eigenen Land konfrontiert“, erzählt Edi. „Am Schicksal anderer erkennen wir nämlich, wie gut es uns geht.“ So entstand die Idee, von „Stunde des Herzens“ betreuten Familien fünf Tage Vollpension-Ferien im Valavier zu schenken. „Unsere eingeladenen Gäste werden genauso behandelt wie zahlende Gäste“, betont Edi Meyer. „Da wird kein Unterschied gemacht.“ Übrigens wird diese soziale Aktion auch in der Hochsaison, also bei bester Buchungslage, und selbst während der Coronakrise durchgeführt. (Man hält sich an die Auflagen.)

Pro Jahr werden mindestens zehn Familien ins Valavier eingeladen, 90 Prozent kommen aus Vorarlberg. Derzeit genießt es ein Elternpaar mit einem behinderten Kind, fünf Tage lang verwöhnt zu werden. „Im Laufe dieses Sommers sind noch fünf weitere Familien angemeldet“, informiert der Gastgeber. Bis jetzt. Es können noch mehr werden.

Der Abschiedsbrief

Besonders berührt hat Edi Meyer ein fünfjähriges, an Leukämie erkranktes Mädchen, das sich mit einem Abschiedsbrief für den Ferienaufenthalt im Valavier bedankte: „Das Kind hatte das Valavier gemalt und darüber einen Pfeil, der in den Himmel ragt. Zwei Monate später starb es.“ Der große, starke Mann ist sichtlich bewegt. Er zieht es vor, das Thema zu wechseln: „Wenn ich einmal meinen Betrieb übergebe, sollen Leitung und Personal die soziale Kompetenz mit übernehmen.“ Für Edi Meyer steht fest: Das Valavier soll immer ein Haus bleiben, in dem Menschen willkommen sind, die nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

ZUR PERSON

Edi Meyer

Geboren 19. Jänner 1961

Wohnort Brand

Beruf Koch und Gastgeber

Familie Partnerschaft mit Kathi, Vater von Marissa (25) und Fabian (22)

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.