VN-Stammtisch: Von Innovation, Chancen und Verzicht

Diskutanten sind sich einig: Die Klimakrise muss abgewendet werden. Wie? Da herrscht Uneinigkeit.
feldkirch Der Klimawandel ist zwar angesichts der Coronapandemie etwas in den Hintergrund gerückt. Doch eines ist klar: Die Klimakrise hat sich nicht verabschiedet. Welche Maßnahmen zu treffen sind und ob vielleicht die aktuelle Situation Lehren für den Umgang mit dem Klimakatastrophe bereithält, war Thema des gemeinsam von VN und Poolbar organisierten Stammtisch am Donnerstag in den Rüttenen in Feldkirch. Die Diskutanten: Aaron Wölfling, Mitbegründer von „Fridays for Future“ in Vorarlberg und im Landesvorstand der Grünen, Hubert Rhomberg, Staatssekretär Magnus Brunner (ÖVP) und Dorothee Glöckle, Managerin der Klar-Region Vorderwald-Egg.
Mit Blick auf die Netto-Null bis 2030 und eine CO2-Steuer, die von Fridays von Future gefordert wird, ist sich Klimaaktivist Wölfling sicher: „Wir müssen die Krisensituationen, die wir haben, ganzheitlich angehen. Sonst gehen wir immer zwei Schritte nach vorne und einen zurück.“ Ohne Gesetze und Regelungen, die Grenzen setzen, werde es nicht gehen.

Globale Dimension
Die globale Dimension der Thematik unterstreicht Unternehmer Rhomberg. „Wir produzieren hier schon sehr effizient. Gehen wir national vor, wird in anderen Ländern produziert, in denen mehr CO2 emittiert wird. Es geht nur gemeinsam.“ Die Motivation in der Wirtschaft sei hoch. Ohne Regularien werde es nicht gehen. Er sei für eine CO2-Steuer.

Von der globalen auf die regionale Ebene kommt Glöckle, die Managerin der Klar-Region Vorderwald-Egg. „Was uns durch den Klimawandel bevorsteht, sehen wir auf regionaler Ebene.“ Sie nennt als Beispiel die Schutzwälder. „Wenn diese verschwinden, wäre wichtiger Lebensraum weg.“ Holz habe zudem noch eine weitere wichtige Seite, nämlich als nachwachsender Rohstoff, der CO2 binde und fixiere.
„Wir müssen auf Innovation setzen“, bekräftigt Staatssekretär Brunner. Österreich versuche, schneller zu sein, als viele andere EU-Mitgliedsstaaten. Er zählt etwa das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz und der Ausbau des öffentlichen Verkehrs auf. Grundsätzlich sei er kein Freund von Verboten und Verzicht.
Die Debatte gestaltet sich sachlich, doch insbesondere Wölfling und Brunner geraten oftmals aneinander. Der Klimaaktivist spart nicht mit Kritik an der türkis-grünen Bundesregierung. So bezeichnet Wölfling, selbst Sprecher der Jungen Grünen in Vorarlberg, das Millionenrettungspaket für die Austrian Airlines in der Coronakrise als kurzsichtig, handle es sich doch um eine fossile Branche.

Staatssekretär Brunner entgegnet: „Es ging um mehr als 70.000 Arbeitsplätze, die an der AUA hängen.“ Zudem seien die Fluglinie und der Flughafen Wien Schwechat Tor zur Welt und damit entscheidend für Wirtschaft und Bevölkerung. Der ÖVP-Politiker verweist unter anderem auf die von der Bundesregierung beschlossene Erhöhung der Flugticketabgabe für Kurzstrecken als ökologische Maßnahme. Aber er meint auch: „Der Flugverkehr muss ökologischer werden.“
Grundsätzlich sind sich die Diskutanten einig: Es muss etwas geschehen. Sonst droht nach der Coronapandemie mit der Klimakatastrophe noch ein viel schlimmeres Szenario.
Ein Beitrag von Magdalena Raos und Matthias Rauch, das Gespräch moderierten Birgit Entner-Gerold und Michael Prock.
Was muss beim Klimaschutz geschehen

Aus meiner Sicht wird nicht genug getan. Wichtig ist jedoch glaube ich, die richtige Balance u finden, damit wir uns Klimaschutz auch wirtschaftlich leisten können. Der Umweltschutz sichert unsere Zukunft, doch die Wirtschaft muss es auch als Geschäftsmodell sehen können. Karlheinz Kindl, 55, aus Feldkirch.

Bei uns passt es in Sachen Klimaschutz recht gut. Das Problem ist, dass China und die USA eindeutig Aufholbedarf haben. Solange diese Länder den Klimanwandel nicht ernst nehmen, haben unsere Maßnahmen wenig Chance. Wichitig wäre auch, dass man uns nicht immer ein schlechtes Gewissen macht. Bastian Wakonigg, 22, aus Feldkirch

Alle Kriege einstellen wären schon einmal ein guter Anfang. Dann hätten wir viel Dreck weg, hier braucht es mehr Engagement. Ein Kampfjet über Syrien benötigt pro Flugstunde bis zu 8000 Liter Kerosin. Dies gilt natürlich auch für den normalen Flugverkehr, der Kraftstoffverbrauch ist über jedes Maß. Horst Tassotti, 73, aus Götzis

Kohle- und Atomkraftwerke gehören weg, das ist einfach keine saubere Energiegewinnung. Man muss mehr Solarenergie nutzen, dass müsste auch stärker gefördert werden, damit auch Private umsteigen. Wir in Vorarlberg nutzen noch viel zu wenig Sonnen- und Windenergie, da ist man in Ostösterreich weiter. Joseph Kilga, 71, aus Götzis