Landesbischof warnt vor Lockdown der Herzlichkeit

Vorarlberg / 03.11.2020 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Landesbischof warnt vor Lockdown der Herzlichkeit
Bischof Benno Elbs ruft zum gemeinsamen Friedensgespräch auf. VN/STEURER

Terrorattacke in Wien soll Werte wie Respekt und Toleranz nicht infrage stellen.

Feldkirch „Ein Anschlag wie dieser verneint alles, worauf wir in unserem Zusammenleben vertrauen dürfen: Respekt und Achtung voreinander, Freiheit und Sicherheit. Ein Gewaltakt wie dieser will unsere Angst, will, dass sie sich eingräbt in unser gesellschaftliches Gedächtnis und dass wir uns gegeneinander wenden. Lassen wir das nicht zu. Stehen wir zusammen, gerade in unserer Trauer und unserem Schrecken“, kommentiert Bischof Benno Elbs die Tragödie von Wien.

Diese Terrorattacke hat ganz Österreich bis ins Mark getroffen. Wie lassen sich solche dramatischen Ereignisse gut bewältigen?

Ein erster wichtiger Schritt ist, Gefühle und Trauer zuzulassen. Auch Gespräche untereinander können helfen. Emotionen brauchen Raum. Dann geht es darum, das Geschehen zu verstehen, es für sich einzuordnen. Am Ende sollte das Miteinander stehen. Wir dürfen Terroristen nicht das Geschenk machen, unsere Werte aufzugeben, denn darauf zielen ihre Aktionen ab. Stattdessen gilt es, der Gewalt und dem Hass mit Solidarität und Zuwendung zu begegnen.

Gibt es noch einen anderen Zugang?

Für mich ist es auch das Gebet, das Wunden heilen kann. Es darf keinen Lockdown der Herzlichkeit geben. Herzen müssen nicht auf Abstand gehen. Der Terror arbeitet an der Zerstörung des Gemeinsamen. Dem müssen wir uns entgegenstellen. Eine Zukunft gibt es nur mit Empathie, deshalb sollten wir jeden, der es braucht, unsere Empathie spüren lassen.

In welcher Form ist jetzt die Gesellschaft gefordert?

Auf der einen Seite ist es notwendig, die Gefahr möglichst schnell zu bannen und die Sicherheit wiederherzustellen. Was das betrifft, müssen die Verantwortlichen entschieden handeln, und das tun sie auch. Andererseits braucht es vonseiten der Gesellschaft eine bewusste Entscheidung für Solidarität und Nächstenliebe.

Besteht jetzt nicht die Gefahr, dass Menschen wieder auseinanderdividiert werden?

Der erste Reflex auf so einen Anschlag ist natürlich Zorn und Wut. Der Terror legt es ja darauf an, das Gemeinsame zu zerstören, Hass und Zwietracht zu säen. Wir dürfen ihm aber trotz allem nicht den Gefallen tun, Werte wie Respekt, Wertschätzung und Toleranz aufzugeben.

Nach dem Attentat in Paris organisierte die Kirche auf dem Marktplatz in Dornbirn ein Friedensgebet, zu dem 2500 Menschen kamen. Ist wieder etwas geplant?

Ich habe damals die Plattform „Religion für den Frieden“ ins Leben gerufen. Sie existiert immer noch. Wir treffen uns zwei- bis dreimal im Jahr. Ich habe auch bereits Kontakt mit den Mitgliedern der Plattform aufgenommen. Wir wollen auch diesmal ein Zeichen setzen und für ein gutes Miteinander, Gewaltlosigkeit und Frieden beten. An der Umsetzung arbeiten wir gerade. Es wird in diesen Zeiten wohl ein virtuelles Gebet werde.

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