Wie Coronaärztin Anita Nagel trotz Höchstbelastung fröhlich geblieben ist

Vorarlberg / 12.11.2020 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wie Coronaärztin Anita Nagel trotz Höchstbelastung fröhlich geblieben ist
Dr. Anita Nagel bei einem Testeinsatz in Lustenau. Die 38-jährige Höchsterin hat trotz der hohen Belastung ihren Humor behalten. VN/PAULITSCH

Die 38-jährige Allgemeinmedizinerin rauscht als Notarztfahrerin durchs Land und arbeitet auch auf Intensivstationen.

Höchst Angst vor Corona? Da kann Dr. Anita Nagel nur schmunzeln. ” Aber nein. Ich hab’ tagtäglich mit dem Virus zu tun. Ich schütze mich gut. Viel eher könnte ich mich privat irgendwo anstecken.” Die Allgemeinmedizinerin rückt seit Beginn der Coronakrise mit Infektionsteams aus, beaufsichtigt Tests, leistet notärztliche Betreuung, wo notwendig, koordiniert und protokolliert. Die Mutter zweier Kinder arbeitet derzeit so viel, dass sie kaum Zeit hat für andere Dinge und froh darüber ist, dass ihr Lebenspartner sich hauptsächlich um den Nachwuchs kümmert.

Covid-19 ist kein Spaß

Trotz des ganzen Stress legt die 38-Jährige dabei eine Fröhlichkeit an den Tag, die ansteckender ist als das Virus. Ihr Motto: “Mache dir den Tag so, wie du ihn haben willst. Und da gehört bei mir Griesgram nicht dazu”, lacht Nagl.

Nicht zu spaßen sei freilich mit Covid-19. “Das ist eine heimtückische Krankheit. Die Patienten wissen oft nicht, wie schlecht es ihnen geht”, hält die Medizinerin fest. Und fährt fort: “Die Menschen sind deutlich kränker als noch in der ersten Welle. Auch kommt mir vor, dass die Ansteckung viel schneller passiert.”

Nagel erlebt Covid-19 sowohl an den vielen Schauplätzen draußen, wohin sie mit dem Infektionsteam gerufen wird, als auch im Spital. Und dort sehr oft in der Intensivstation. Sie befindet sich derzeit in Ausbildung zur Anästhesistin. Nagel macht viele Nachtdienste, beobachtet die Entwicklungen genau.

Der Duft von Spitälern

Als Ärztin ist das zweite von sechs Kindern einer Höchster Familie erblich vorbelastet. Ihr mittlerweile pensionierter Vater war HNO-Arzt in Bregenz. “Als Kind schon hielt ich mich sehr oft in seiner Praxis auf und begleitete ihn auch ins Krankenhaus. Dort liebte ich den Duft, den Spitäler halt so haben”, erinnert sich Anita.

“Schon als Kind hielt ich mich gerne in der Praxis meines Vaters auf.”

Anita Nagel, Ärztin

Doch ihr Weg zum Medizinstudium blieb nicht ganz ohne Hindernisse. Weil ihr Vater immer wollte, dass sie Ärztin wird, aus der kleinen Anita aber irgendwann eine Rebellin wurde, beschloss sie, “aus Trotz” genau das vorerst nicht zu tun. “Ich begann ein Studium am Konservatorium. Ich studierte dort Geige.” Doch das regelmäßige und viele Üben war letztlich nicht Ihres. “Und so verließ ich das Konservatorium und begann mit dem Medizinstudium.” Sehr zur Freude ihres Vaters, der sein medizinisches Erbe durch die Berufsentscheidung seiner ältesten Tochter gerettet sah.

Doch noch Papa gefolgt

Für Nagel selbst stellte sich ihr Schritt ebenfalls als der richtige heraus. Auch die Tätigkeit als Notärztin ist ihr auf den Leib geschneidert. “Ich mache das sehr gerne, weil ich es als sehr spannende Aufgabe erlebe. Du weißt nie, was in einem Dienst passiert. Du musst dich schnell auf eine bestimmte Situation einstellen und hast oft nicht viel Zeit, Entscheidungen zu treffen”, beschreibt Nagel ihre Tätigkeit. Aber das liege ihr. Herausfordernd ist das Notarztfahren in Zeiten von Corona allemal. “Du arbeitest ja oft in beengten oder anderen nicht idealen Räumlichkeiten.” Ihre stationären Dienste absolviert Anita Nagel zumeist am LKH Bregenz, für die Notarztdienste hat sie Hohenems und Röthis als Operationsbasen.

Die hohe Belastung scheint Anita Nagel nichts auszumachen. Vor allem kann sie ihrem goldenen Humor nichts anhaben. Ihre kärgliche Freizeit widmet die in Höchst wohnhafte Ärztin ihrer Familie und spielt gerne Gitarre. Ihr Lebenspartner ist Gitarrenbauer.

Die Musik ist Teil von Anita Nagels Leben geblieben.

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