Gericht: “Im Rausch aggressiv wie eine Bombe“

Vorarlberg / 02.04.2021 • 22:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gericht: "Im Rausch aggressiv wie eine Bombe“
Der 41-jährige Angeklagte litt bei der Einvernahme durch Richter Georg Furtschegger unter alkoholbedingten Erinnerungslücken. VN/GS

Im Tankstellenshop gewütet und randaliert: 41-Jähriger zu 15 Monaten teilbedingter Haft verurteilt.

Feldkirch Das alltägliche Programm des Vorarlbergers sah folgendermaßen aus: vor der Arbeit noch einen schnellen Kaffee. Und nach dem Tagewerk Bier. Viel Bier.

Im Wesentlichen beschränkte sich die Freizeitaktivität des 41-Jährigen am Feierabend, der stets am Nachmittag begann, auf den feuchtfröhlichen Aufenthalt im Shop einer Tankstelle im Unterland. Dort war er Stammkunde. Dort kannte, duldete und bewirtete man ihn. Bis jener Nachmittag im Februar dieses Jahres kam …

Probleme mit der Familie

Diesmal verlangte der Arbeiter nicht nur aus Durst nach den Halb-Liter-Bierdosen. Da waren auch bitterer Groll im Herzen und tiefe Verzweiflung, wie er später als Angeklagter vor Richter Georg Furtschegger am Landesgericht Feldkirch schildert: „Ich hatte ein Problem mit der Scheidung. Ich kämpfte für meine Kinder, schaffte es aber nicht.“ Dann nagte auch noch der Privatkonkurs an seinem Gemüt. Das alles wurde schließlich zu viel für ihn.

Er begann, im Shop zu randalieren, schrie die Verkäuferin an, schlug auf das Pult und schleuderte mit aller Kraft zwei Bierdosen gegen die Fassade der Tankstelle, die durch Dellen beschädigt wurde.

Die Verkäuferin sagt als Zeugin vor Gericht aus: „Schon früher hat es immer wieder Probleme mit ihm gegeben. Doch als wir ihm ein Taxi bestellten, zog er für gewöhnlich ab. Diesmal aber nicht. Und nach fünf Stunden mochte ich nicht mehr. So rief ich also die Polizei.“

Mindestens 13 große Bier

Als die Beamten eintrafen, widersetzte er sich der Festnahme. Der Angeklagte behauptet vor Gericht, sich selbst nur noch an den Konsum von fünf oder sechs Bier erinnern zu können. „Was danach geschah, weiß ich nicht mehr. Als ich im Arrest aufwachte, musste ich die Polizei fragen, was denn passiert war …“

Die Verkäuferin beteuert, dass er 13 Bier getrunken habe. Mindestens. Richter Furtschegger will vom Beschuldigten wissen, wie sich Alkohol bei ihm auswirke. „Im Rausch werde ich aggressiv wie eine Bombe“, kommt als Antwort.

Einschlägig vorbestraft

Das muss stimmen, denn bereits drei einschlägige Vorstrafen des 41-Jährigen sprechen eine deutliche Sprache. Aus einer früheren Verurteilung hat der Mann noch acht Monate auf Bewährung offen, die Tat im Februar geschah in der Probezeit.

Verteidiger Clemens Haller plädiert für eine milde Strafe: „Haft ist der falsche Weg. Er war dereinst auf den besten Weg, als ihn die neue Lebenskrise massiv herausgerissen hat.“ Doch der Staatsanwalt bleibt hart: „Alkohol ist bei Rückfalltätern kein Milderungsgrund mehr. Und der Angeklagte weiß, was passiert, wenn er säuft.“

Richter Furtschegger verzichtet zwar auf den Widerruf der acht Monate Haft auf Bewährung. Allerdings verurteilt er den 41-Jährigen, der seit Februar in Untersuchungshaft sitzt, wegen Sachbeschädigung und versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 15 Monaten Gefängnis – zehn davon einmal mehr, doch das letzte Mal auf Bewährung. „Er hat jetzt das erste Mal das Übel der Haft erfahren. Bleibt nur noch zu hoffen, dass es Wirkung zeigt.“