Erstimpfung legte viele Lehrer flach

Vorarlberg / 06.04.2021 • 22:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sabine Lenz-Johann musste Oberstufenschüler nach Hause schicken. VN
Sabine Lenz-Johann musste Oberstufenschüler nach Hause schicken. VN

Schulen fehlte zum Teil das halbe Pädagogenpersonal. Fernunterricht feierte ein Comeback.

SCHWARZACH Corona wirbelt seit Ausbruch der Pandemie den Schulbetrieb ordentlich durcheinander. Der Tag nach den Osterferien markierte einen weiteren, vielleicht aber letzten Höhepunkt von Chaos an den Bildungsstätten. Speziell im Unterland lagen am Dienstag zahlreiche Pädagogen nach der Erstimpfung durch AstraZeneca flach, konnten nicht zum Unterricht erscheinen. Die Reaktionen auf den Erststich waren so stark, dass sich viele Betroffene nicht in der Lage sahen, ihren Dienst zu versehen.

Die impfwilligen Lehrer im Unterland hatten ihren Termin für den Ostermontag erhalten und bekamen Teil eins der Virus-Immunisierung im Dornbirner Testzentrum. Am Dienstag waren die Kolleginnen und Kollegen aus dem Oberland in Nenzing an der Reihe. Im südlichen Landesteil dürfte der Schulbetrieb wohl am Mittwoch empfindlich eingeschränkt sein.

Unterricht nur für Unterstufe

„Bei mir haben heute 20 Lehrer gefehlt. Das sind zwei Drittel jener Kollegen, die am Dienstag unterrichten“, berichtet HAK/HAS-Lustenau-Direktor Johann Scheffknecht. Ab sieben Uhr in der Früh habe unentwegt das Telefon geläutet. „Eine Abwesenheitsinformation nach der anderen ist hereingekommen. Wir mussten den Unterricht für den Tag komplett umorganisieren und auf Distance Learning umstellen“, beschreibt Scheffknecht das Dillemma, mit dem er am Dienstagvormittag konfrontiert war.

Ähnliches weiß Sabine Lenz-Johann, Direktorin des BG Gallus­straße in Bregenz, zu erzählen. „50 Prozent der geimpften Kolleginnen und Kollegen konnten am Dienstag wegen der heftigen Reaktionen nicht unterrichten.“ An der Schule wurden daraufhin alle Oberstufenschüler mit Lernpaketen nach Hause geschickt. Präsenzunterricht gab es nur noch für die Unterstufe.

Im BRG Dornbirn-Schoren erwischte es 22 Pädagoginnen und Pädagogen samt Direktor. Auch an zahlreichen Mittelschulen ein ähnliches Bild: AstraZeneca beförderte viele vom Stich ins Bett.

Priorisierungscodes

An den Volksschulen und Sonderschulen gab es weniger Impfopfer. Grund: Viele Impfwillige hatten ihren Erststich bereits Ende Februar, Anfang März erhalten. „5300 der insgesamt 6800 Lehrer haben sich an sämtlichen Schulen im Land Priorisierungscodes für die Corona-Impfung gewünscht. Wir haben die entsprechende Mitteilung an die Gesundheitsabteilung weitergeleitet, von dieser die Codes erhalten und entsprechend der Ansuchen an die Schulen geschickt“, erklärt Elisabeth Mettauer-Stubler, Kommunikationsleiterin der Bildungsdirektion Vorarlberg, das Prozedere der berufsspezifischen Impfung für die Pädagogen. Dass die Hauptimpftermine auf Ostermontag und den darauffolgenden Dienstag gelegt wurden und Ausfälle damit vorprogrammiert waren, sei nicht die Entscheidung der Bildungsdirektion gewesen, betonte Mettauer-Stubler. „Dafür sind die Gesundheitsbehörden zuständig. Sie kontaktieren dann auch die einzelnen LehrerInnen bezüglich eines Termins.“

Impfkoordinator Sebastian Wöss (37) rechtfertigt die Impftermine für das Gros der Lehrerinnen und Lehrer am Ostermontag und am darauffolgenden Dienstag. „Wir wollten die Lehrer ursprünglich während der Karwoche impfen. Aber zu dem Zeitpunkt war der Impfstoff noch nicht da. Den erhielten wir erst am Samstag vor Ostern. Und da die Lehrer zum Impfen an der Reihe waren, kam es zu diesen frühest möglichen Terminen.“

Johann Scheffknecht kamen die Lehrer abhanden.VN/Stiplovsek
Johann Scheffknecht kamen die Lehrer abhanden.VN/Stiplovsek
Die Impfungen der Lehrerinnen und Lehrer am Ostermontag und am darauffolgenden Dienstag hatten unliebsame Folgen.VN/STIPLOVSEK
Die Impfungen der Lehrerinnen und Lehrer am Ostermontag und am darauffolgenden Dienstag hatten unliebsame Folgen.VN/STIPLOVSEK