Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Wutbürger

Vorarlberg / 28.04.2021 • 08:29 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Der neue Minister, urteilt mein Gesprächspartner im Affekt, sei ein . . . aber das darf man nicht schreiben, weil es als öffentliche Beurteilung ein gerichtliches Nachspiel hätte. Zu diesem Zeitpunkt ist der Herr Minister gerade angelobt worden, die Aufmerksamkeit der Republik gilt seinen Schuhen, mit denen er leger in die Hofburg gelatscht war. Glückliches Land, denk ich mir, und frage neugierig weiter, weil da offenbar ja schon intime Kenntnis profunde Urteile erzeugt. Aber das ist nicht so. Es sei nur so ein Gefühl, sagt mein Gegenüber. Wir wechseln das Thema.

Der Beruf des Politikers hat über die Jahre mehr Schaden gelitten als irgendein anderer. Beispiele gibt es zuhauf. Manche waren machtverliebt, andere unfähig, der eine oder andere entwickelte kriminelle Energie. Ganze Sippschaften sorgten primär für ihr eigenes Auskommen. Österreich hat der Welt da nichts voraus, aber es hat dem Sittenverfall mit dem Typus der Verhaberung eine besonders schmackhafte Seite hinzugefügt.

Das alles stimmt. Und es stimmt einen traurig. Denn es könnte ja auch sein, dass manche einfach nur ihr Bestes geben. Vielleicht reicht es nicht. Den Ansprüchen einer Gesellschaft, die ihre eigenen Bedürfnisse zum Maßstab der Dinge erkoren hat, wird niemand gerecht. Als Projektionsfläche der allgemeinen Wut aber sind Menschen einfach zu schade. Selbst Minister.