Gericht: Strafe wegen Mordversuchs erhöht

Vorarlberg / 06.06.2021 • 15:59 Uhr
Gericht: Strafe wegen Mordversuchs erhöht
Die 51-jährige Angeklagte wurde im vergangenen September in Feldkirch zu zwölf Jahren Haft verurteilt. ECKERT

Niederländerin muss nach zweitinstanzlichem Urteil zwei Jahre länger hinter Gitter.

Feldkirch Wer den Handyfilm der Niederländerin im Gerichtssaal sah, konnte die Bilder nicht so schnell vergessen. Die 51-jährige Angeklagte, die den Film machte, wurde wegen Mordversuchs vom Schwurgericht in Feldkirch im September vergangenen Jahres zu zwölf Jahren Haft verurteilt (die VN berichteten). Eigentlich sollte der Film sie entlasten. Er sollte nämlich dokumentieren, wie schlecht der 82-jährige Nachbar im Kleinwalsertal beisammen war und wie sie ihn dennoch aufopfernd fütterte. Der gebrechliche Mann war festgezurrt auf einem Stuhl, schwach, hilflos, dem Erstickungstod nahe. Die skrupellose Niederländerin hatte das Vertrauen des Betagten erschlichen, wollte ihn töten, um schneller an sein Vermögen zu gelangen. Dafür mischte sie ihm regelmäßig heimlich Schmerz- und Schlafmittel ins Essen. 

14 statt 12 Jahre Haft

Bei der Angeklagten fand man 200 Seiten Chatprotokoll. „Er gibt bald den Löffel ab, dann werde ich alles verkaufen und wir bauen ein gemeinsames Haus am Meer. Er frisst mir aus der Hand, wir werden alles bekommen, bald ist es so weit, mein Prinz“, schrieb sie ihrem „Schatz“ in Südafrika. Gesehen hat sie ihre „große Liebe“ noch nie, alles lief über das Internet. In letzter Sekunde konnte der Pensionist durch Intervention von Verwandten gerettet werden. Staatsanwältin Sarah Maria Haugeneder konnte die Geschworenen davon überzeugen, dass es sich um einen eiskalt geplanten, im letzten Moment gescheiterten Mord handelte. Wegen Versuchs bekommt die Frau zwölf Jahre Haft. „Zu wenig“, sagt die zweite Instanz und erhöht die Strafe auf 14 Jahre.